Innerhalb weniger Minuten schimpfte Vicki Momberg 48 mal ein Wort heraus, das man heute eigentlich nicht mehr auszusprechen wagt: „kaffir“. In Südafrika bedeutet es die schlimmstmögliche rassistische Beleidigung gegen schwarze Menschen. Es wurde zu Zeiten der Apartheid verwendet, um Schwarze zu beleidigen und zu erniedrigen. Wer heute über den Begriff an sich redet, sagt normalweise „The K-Word“, also „das Wort mit K“ – so behutsam wird mit diesem Begriff inzwischen umgegangen. 

Die weiße Frau aber beschimpfte damit einen Polizeibeamten, der helfen wollte, nachdem in ihr Auto eingebrochen worden war. Denn obwohl sie nach Hilfe gerufen hatte, wollte sie sie dann eben doch nicht annehmen – „nicht von einem Schwarzen“, sagte sie immer wieder. „Ich wäre froh, wenn mir eine weiße Person hilft – oder eine farbige oder eine indische. Ich will nicht, dass mir eine schwarze Person hilft.“

In der Schimpftirade auf den Polizisten machte sie dabei auch klar, dass sie „keinen einzigen Schwarzen in Johannisburg“ möge und ihre Meinung dazu auch nie ändern werde: „Die Kaffirs hier sind fürchterlich. Ich habe es satt. Und dann rufe ich die Polizei und jede Person, die das Telefon abnimmt ist eine schwarze Person. Die sind alle ahnungslos. (...) Ich hasse diese verdammten Bastarde.“ 

Nachdem die Polizisten versucht hatten, Momberg darauf aufmerksam zu machen, wie falsch sie sich verhielt, stieg die Frau kommentarlos in ihr Auto (immer noch mit eingeschlagener Scheibe) und fuhr weg. Das Ganze fand im Jahr 2016 statt.

Vor wenigen Tagen wurde Momberg für ihre Hasstirade zu drei Jahren Haft verurteilt, wovon sie vermutlich aber „nur“ zwei tatsächlich absitzen muss. Noch nie zuvor war ein Südafrikaner oder eine Südafrikanerin so hart für Rassismus bestraft worden, der ausschließlich verbal ausgedrückt wurde und nicht mit anderen Straftaten wie Körperverletzung verbunden war.

Die Konsequenzen für ihre rasstische Hassrede fallen vermutlich auch deshalb so hart aus, weil ein Video davon erst viral gegangen war und dann für einen nationalen Eklat gesorgt hatte. In Südafrika ist das Thema Rassismus schließlich ein besonders heikles, nachdem dort erst 1994 die Herrschaft der weißen Minderheit abgeschafft wurde. 

Zwar ist Momberg der erste Mensch, der in Südafrika für rassistische Hassreden ins Gefängnis muss. Allerdings soll sie nicht die einzige bleiben, die für derartige Äußerungen hart bestraft wird: 

Die Richterin, die Momberg verurteilte, sagte, es sei wichtig, ein Exempel an ihrem Fall zu statuieren. Der Bevölkerung müsse klar werden, dass rassistische Hassreden in Südafrika inakzeptabel seien. Das Parlament denkt nun anscheinend sogar darüber nach, ein neues Gesetz zu erlassen, das es leichter macht, Hassreden wie Mombergs angemessen zu bestrafen.

Ein Großteil der Bevölkerung reagiert begeistert auf das Urteil. Sie müssten nun die rassistischen Kommentare einiger Weißer nicht mehr einfach so ertragen, sondern könnten eben auch rechtlich dagegen vorgehen. 

Momberg selbst hatte auf ein milderes Urteil gehofft. Schließlich sei sie in einem emotionalen Ausnahmezustand gewesen. Ihre Meinung allerdings hat sie trotzdem noch nicht geändert – eben so, wie sie es in ihrer Tirade schon prophezeit hatte. 

lath

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