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Foto: dpa/Bernd Wüstneck

Die Debatte um das abgesagte Konzert der Punkband Feine Sahne Fischfilet weitet sich aus. Jetzt hat sich der Berliner Kultursenator Klaus Lederer (Die Linke) zu dem Vorfall geäußert – und die Band nach Berlin eingeladen.

Das ZDF und Feine Sahne Fischfilet wollten am 6. November für die Reihe „ZDF@Bauhaus“ ein Konzert im Bauhaus Dessau aufnehmen. Im Rahmen der Veranstaltung lädt der Sender seit sieben Jahren Musiker in die Aula des historischen Bauhausgebäudes Dessau ein.

Für das Vorhaben, jetzt auch Feine Sahne Fischfilet einzuladen, gab es von Seiten der CDU und AfD Kritik, weil die Band bis vor einigen Jahren vom Verfassungsschutz Mecklenburg-Vorpommern beobachtet wurde. Auch Rechtsradikale hatten gegen das Konzert mobil gemacht und in sozialen Netzwerken zu Aufständen aufgerufen. Das Bauhaus Dessau hat daraufhin das Konzert abgesagt.

Die Direktorin der Dessauer Stifung, Claudia Perren, begründete die Ausladung damit, dass die Bauhaus-Stiftung ein „bewusst unpolitischer Ort“ sei. Sachsen-Anhalts Kulturminister Rainer Robra (CDU) verteidigte die Absage, weil Feine Sahne Fischfilet wegen einer „explizit anti-staatlichen Haltung“ vom Verfassungsschutz beobachtet worden sei. Seit 2015 taucht der Name in den Berichten aber nicht mehr auf.

Die Entscheidung, das Konzert abzusagen, hat dem Bauhaus Dessau viel Kritik beschert. ZDF und Feine Sahne Fischfilet erklärten, in Dessau weiter nach einem alternativen Standort suchen zu wollen. Das teilte die Band vergangenen Freitag auf ihrer Facebook-Seite mit:

Bislang war die Suche jedoch nicht erfolgreich. Das Anhaltische Theater Dessau hat ZDF und Band eine klare Absage erteilt. Die Weigerung des Bauhauses Dessau, Veranstaltungsort für das Konzert zu sein, werfe ein undifferenziertes, politisches Licht auf den Auftritt. Das Theater gäbe mit einer Einladung der Band ein politisches Statement ab, zu dem es nicht bereit sei, so eine Sprecherin. Man überlege aber, zeitnah eine Diskussionsveranstaltung ins Programm zu nehmen, um in einem offenen Diskurs über die Reibungspunkte zwischen Politik und der Freiheit der Kunst zu sprechen.

Klaus Lederer, Berlins Kultursenator und diesjähriger Vorsitzender des Bauhaus-Verbundes, hat die in Dessau getroffene Entscheidung scharf kritisiert und vorgeschlagen, das Konzert im Gebäude des Bauhaus-Archivs in Berlin stattfinden zu lassen. Das Gebäude steht wegen Sanierung und einem geplanten Neubau derzeit leer.

Auch der Vorstandsvorsitzende des Trägervereins des Archivs, Markus Klimmer, unterstützt Lederer in seiner Einladung und führt im Gespräch mit der Berliner Zeitung weiter aus: „Das Bauhaus ist ein politischer Ort. Wer etwas anderes sagt, hat das Bauhaus nicht verstanden.“ Er erhalte aus der ganzen Welt Anfragen, warum eine Band wie Feine Sahne Fischfilet, die eindeutig gegen Neonazis und Rassismus eintritt, nicht ins Bauhaus gehöre. Die Marke Bauhaus werde gerade sehr beschädigt, so Klimmer.

Und auch von anderen Seiten gibt es Gegenwind. Fünf Professorinnen und Professoren der Bauhaus-Universität in Weimar haben auf Twitter einen Brief veröffentlicht. Gerichtet an Direktorin Perren kritisieren sie, dass sich die Institution Bauhaus dem Druck von rechter Seite beuge.

Am Wochenende hat sich zudem die Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) gegenüber der dpa zu Wort gemeldet: „Es darf niemals der Eindruck entstehen, dass der Druck der rechtsextremistischen Szene ausreicht, ein Konzert zu verhindern.“ Kunstfreiheit genieße in Deutschland einen hohen Verfassungsrang. Das sei eine Lehre aus der deutschen Geschichte.

schja