[object Object]

Im Bauhaus Dessau auf der Bühne nicht erwünscht: Jan „Monchi“ Gorkow, Sänger von Feine Sahne Fischfilet.

Foto: Sebastian Kahnert / dpa

Morgens ein Hakenkreuz vor der Eingangstür vorzufinden, ist eine sehr unangenehme Angelegenheit. Ähnlich unschön ist es, wenn Rechte und rechtsextreme Gruppen in sozialen Netzwerken mobilisieren, um eine Veranstaltung zu stören. Beides ist dem Bauhaus Dessau diese Woche passiert. Man kann also sehr gut verstehen, wenn sich die Verantwortlichen des geschichtsträchtigen Veranstaltungsorts vor dem für Anfang November angekündigten Konzert der linken Punk-Band Feine Sahne Fischfilet sorgten. Das ZDF hatte die Band für eine Aufzeichnung seiner Konzertreihe „zdf@bauhaus“ eingeladen, Anlass war das 100. Bauhaus-Jubiläum.

Was man aber nur sehr schwer verstehen kann, ist die Reaktion auf den Druck von Rechts. Das Bauhaus hatte am Mittwoch den Sender zu überzeugen versucht, das Konzert zu verhindern. Als das ZDF an seinem Plan festhalten wollte, machte das Bauhaus von seinem Hausrecht Gebrauch und sagte das Konzert ab. Man berief sich auf den angekündigten Widerstand aus der rechtsradikalen Ecke. In einer Mitteilung hieß es: „Unmittelbar nach der Veröffentlichung dieses Konzertes und des Vorverkaufes konnte die Stiftung Bauhaus Dessau in den sozialen Medien beobachten, dass sich rechte Gruppierungen aus dem regionalen Umfeld gegen den Auftritt der Band am Bauhaus Dessau mobilisieren.“ Man wolle vermeiden, „erneut zum Austragungsort politischer Agitation und Aggression zu werden.“

Diese Reaktion und Argumentation ist falsch und gefährlich. Denn sie kann, nein: muss, als Einladung an Rechtsextreme verstanden werden, bei unliebsamen Veranstaltungen eine Drohkulisse aufzubauen. Die Lehre aus der Absage ist: Wenn man nur ausreichend lärmt und mobilisiert vor dem Konzert einer linken Band, wird es vorsorglich abgeblasen.

Richtig wäre gewesen, die Demonstrationen der Rechten auszuhalten und Vertrauen in den Staat zu zeigen. Dessen Aufgabe ist es, die Sicherheit einer Veranstaltung zu garantieren, selbst wenn draußen rechte Gruppen stehen und unschöne Sachen brüllen. Solange sie dies friedlich und ohne verbotene Parolen und Angriffe auf andere tun, ist das im übrigen ihr Recht. Und sollte die Polizei zu dem Schluss kommen, dass es wirklich ernste Sicherheitsbedenken gibt – was wäre dann die logischere Reaktion: die Veranstaltung selbst abzusagen oder die Gegendemonstration, die die Sicherheitsbedenken erst ausgelöst hat?

Die Absage ist aber auch politisch unklug. Die CDU-geführte Regierung von Sachsen-Anhalt hatte Bedenken angemeldet, Sprecher Matthias Schuppe sagte, die Einladung der Band sei „schwer bis nicht nachvollziehbar.“ Der AfD-Bundestagsabgeordnete Andreas Mrosek nannte es einen „Skandal, dass ein von Zwangsabgaben finanzierter und zur Ausgewogenheit verpflichteter öffentlich-rechtlicher Sender einer linksextremistischen Band ein solches Forum bietet“. Worauf er anspielt, ist klar: Feine Sahne Fischfilet war zeitweise im Verfassungsschutzbericht des Landes Mecklenburg-Vorpommern als linksextrem aufgeführt. In einem ihrer Lieder heißt es: „Die Bullenhelme, die sollen fliegen, eure Knüppel kriegt ihr in die Fresse rein.“ Nur ist die Beobachtung der Band erstens eine Weile her, und zweitens macht sie derzeit vor allem dadurch auf sich aufmerksam, dass sie für eine offene Gesellschaft einsteht: Sie war Teil des #wirsindmehr-Konzerts in Chemnitz, für das sogar der Bundespräsident warb.

Die Stiftung Bauhaus Dessau schreibt auf ihrer Webseite unter der Überschrift „Leitgedanke“ folgendes: „Die Stiftung arbeitet historisch reflexiv und fragt zeitgleich nach der heutigen Relevanz und den gegenwärtigen Potenzialen, die sich aus dem Bauhauserbe für das 21. Jahrhundert ableiten lassen.“ Das Bauhaus wurde 1933 von den Nationalsozialisten zur Selbstauflösung gezwungen.

Mehr über Musik und Rechts: