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Fünf Bücher über den Islam, die du lesen solltest

Foto: Tyler Nix / Unsplash / Collage: jetzt.de

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Alle paar Wochen dasselbe Spiel: Irgendein selbsternannter Islamexperte verspricht schonungslose Enthüllungen „Inside Islam“, seine persönliche „Abrechnung“ oder schlicht, jetzt den Koran gelesen zu haben. Im Untertitel drohen „Übernahme“, „Überfremdung“ oder „Untergang“. Feuilletonisten und Wissenschaftler zerreißen sein Werk dann meistens zwar schnell als stümperhafte Panikmache, dennoch (oder gerade deshalb) landet das Buch auf den Bestsellerlisten. Nur der Islam, der bleibt auch nach der Lektüre so fremd wie eh und je. 

Doch das muss nicht so sein. Abseits der Bestsellerlisten gibt es eine literarische Welt, in der Autoren den Koran nicht nur gelesen, sondern studiert haben – und alles andere, was unter dem Label „Islam“ läuft gleich mit. Statt Panikmache setzen sie auf wissenschaftliche Fundiertheit. Statt reißerische Enthüllungen liefern sie verständliche Erklärungen. Hier sind fünf Bücher echter deutscher Islamwissenschaftler, die euch mehr über den Islam verraten als die Sarrazins, Ulfkottes und Abdel-Samads – und dennoch leicht zu lesen sind. 

„Die Religion des Islam: Eine Einführung“ von Annemarie Schimmel

Was war das Problem zwischen Sunniten und Schiiten? Wieso verließ Mohammed Mekka? Wozu ruft der Typ vom Minarett? Wer einen knappen und guten Einblick ins islamische Einmaleins möchte, sollte zu diesem kleinen Reclam-Heftchen greifen. Die Godmother der deutschen Islamwissenschaft erteilt hier einen für jedermann verständlichen Grundkurs in islamischer Theologie, Philosophie, Kunst und Mystik von vorislamischer Zeit bis in die Gegenwart. Mit 159 Seiten braucht sie dafür nicht einmal die Hälfte eines durchschnittlichen Sarrazins, liefert aber ein Vielfaches an Erkenntnisgewinn. Ein besseres Verhältnis von fundiertem Islam-Wissen und Seitenanzahl (und Euro) bekommt man nirgends. 




„Das islamische Recht. Geschichte und Gegenwart“ von Mathias Rohe

„Scharia Paragraph Handabhacken“. Man kann nur vermuten, wie viele Generationen von Islamhassern und Selfmade-Islamisten an Google-Suchen wie dieser verzweifelt sind. Warum „die Scharia“ bis heute weder über Suchmaschinen noch in Bibliotheken zu finden ist, erklärt keiner so gut wie der Erlanger Jurist und Islamwissenschaftler Mathias Rohe. In seinem Standardwerk zur Entstehung, Entwicklung und zum Inhalt islamischen Rechts erfährt man, dass unter „Scharia“ im Zweifel alles zu verstehen ist, was irgendwie mit islamischen Normen, deren Interpretation und Auffindung zu tun hat, nur kein einheitlicher Gesetzestext. Fast immer anschaulich und selten juristisch trocken zeigt Rohe, dass die Suche nach „Scharia“ von der richtigen Gebetshaltung bis zum Vertragsrecht auch für Muslime immer und überall ganz unterschiedliche Antworten lieferte.   

„Die Kultur der Ambiguität. Eine andere Geschichte des Islams" von Thomas Bauer

Ok, mit so einem Titel kann es mit der Bestsellerliste nichts werden. Aber weiß man erst einmal, dass sich dahinter eine Hymne auf die Vielfalt der islamischen Welt verbirgt, wird es spannend: Der Münsteraner Islamwissenschaftler Thomas Bauer räumt auf mit dem Klischee einer islamischen Welt, die im religiös durchsetzten Einheitsbrei erstarrt sei. Von Philosophie bis Medizin, von Sexualität bis hin zu Koran-Kommentaren rekonstruiert Bauer eine arabisch-islamische Welt, in der unterschiedliche Auffassungen über Jahrhunderte nicht nur toleriert, sondern regelrecht zelebriert wurden. Und er schreibt, wie diese „Kultur der Ambiguität“ (Mehrdeutigkeit) seit dem 19. Jahrhundert dann doch immer stärker jenem dogmatischen Einheitsislam wich, der heute unsere Wahrnehmung bestimmt. Eine spannende Zeitreise, die selbst das Islambild mancher Islamwissenschaftler kräftig durcheinanderbrachte und zurecht als moderner Klassiker gilt.

„Wer ist Wir? Deutschland und seine Muslime“ von Navid Kermani

Navid Kermani hat gleich zweimal Seltenes vollbracht: Er schaffte es als Islamwissenschaftler in die Bestsellerlisten. Und das mit einem Islam-Buch, in dem es um eine Sache kaum geht: den Islam. Vom Suren-Ping-Pong in Talkshows bis zu Islamkonferenzen seziert Kermani die Eigenarten deutscher Integrationsdebatten. Dabei fragt er, wie Muslime und Nicht-Muslime im Einwanderungsdeutschland Deutschland gut miteinander leben können. Seine Antwort: Aufhören so zu tun, als ginge es um Muslime und Nicht-Muslime. Seinem Appell, Identität nur noch im Plural zu diskutieren, dient der iranisch-stämmige Schriftsteller, FC-Köln-Fan, Theaterregisseur, und Muslim aus Siegen dabei selbst als bestes Beispiel. Da er dabei mehr erzählt als erklärt, nicht anklagt, sondern versucht zu verstehen, liefert sein Beitrag zum Integrationsdiskurs sogar noch eine Seltenheit: Optimismus


„Der Koran als Text der Spätantike. Ein europäischer Zugang" von Angelika Neuwirth

Man nehme Höhle, Engel und Prophet, warte 22 Jahre und fertig ist der Koran. So lautet – sehr verkürzt – die religiöse Version der koranischen Entstehungsgeschichte. Aber auch nicht-religiöse Autoren vermitteln häufig den Eindruck, der Koran sei irgendwann einfach vom Himmel gefallen. Wie es wirklich war, erklärt die Berliner Arabistik-Professorin. Neuwirth holt den Koran heraus aus der Einsamkeit der arabischen Wüste des siebten Jahrhunderts und präsentiert ihn als Produkt seiner spätantiken Umwelt. An Inhalt, Aufbau und sprachlichem Stil zeigt die deutsche Koranforschungs-Koryphäe, dass der Koran (dessen Entstehung erst Jahrhunderte nach Mohammed abgeschlossen war) an literarische Traditionen Europas anknüpfte und sich an eine Leserschaft wendete, die auch christlich und jüdisch geprägt war. Sprachlich nicht immer ganz einfach vermittelt Neuwirth damit einen frischen Blick auf die heilige Schrift der Muslime als Beispiel gemeinsamer arabisch-europäischer Kulturgeschichte.

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