Trump malt die US-Flagge falsch aus

Nein, Donny, da gehört kein blauer Streifen rein.

Hier hat der US-Präsident noch den roten Stift in der Hand. Aber dann wollte er wohl ein bisschen variieren.

Foto: Leah Millis / Reuters

Es war eigentlich ein Termin wie ein Elfmeter, bei dem kein Torwart im Kasten steht: Man kann kaum etwas falsch machen. Trump besuchte am Freitag ein Kinderkrankenhaus in Ohio, genauer: eine Station, die sich vor allem um Kinder kümmert, die von der um sich greifenden Opioid-Krise betroffen sind.

Der Präsident hätte dort einfach tun können, was Politiker in solchen Fällen meistens tun: ein wenig zuhören, sich nach Problemen erkundigen und versprechen, diese in Zukunft anzugehen. Dazu ein paar Fotos mit süßen Kindern, zack, fertig ist die frohe Botschaft. Und frohe Botschaften hätte der US-Präsident gebrauchen können am Ende einer unangenehmen Woche, in der sein ehemaliger Wahlkampfmanager verurteilt wurde und sein „Für Trump würde ich mir eine Kugel einfangen“-Aufräumer-Anwalt Michael Cohen ihn schwer belastete.

Aber Trump hat diesen Elfmeter verschossen. Beim Ausmalen eines Bildes.

Teilnehmer des Termins verbreiteten danach Bilder von Trump, der an einem Kindertischchen auf einem Kinderstühlchen sitzt und mit den lieben Kleinen Flaggen ausmalt. Einer Twitter-Nutzerin (die ihrem Profil und Twitter-Namen nach zu urteilen ein entschiedener Trump-Gegner ist) fiel ein Detail auf: ein blauer Strich auf der Flagge des Präsidenten. Die US-Flagge besteht aber eigentlich lediglich aus roten und weißen Streifen.

Ursprünglich stammt das Bild aus einem Tweet von US-Gesundheitsminister Alex Azar, der bei dem Krankenhausbesuch ebenfalls dabei war. Es ist das Bild unten rechts.

Um gleich weiteren Spekulationen vorzubeugen, dass es sich um ein gefälschtes Bild handelt oder Trump gar nicht selbst gemalt hat, postete die Nutzerin noch ein Bild, auf dem zu sehen ist, wie Trump den blauen Streifen ausmalt.

Und jetzt kam natürlich, was kommen musste: ein großes, kollektives Internet-Auflachen. Man spekulierte, ob Trump die Vereinigten Staaten von Holland hatte malen wollen oder doch eher eine russische Flagge. Man witzelte über „alternative Flaggen“ oder gab dem Präsidenten Tipps, wie er sich die richtige Farbkombination hätte merken können.

Natürlich blieb auch nicht unerwähnt, dass so ein Fehler besonders peinlich ist bei einem Präsidenten, der sonst kaum eine Gelegenheit auslässt, zu betonen, dass man die nationalen Symbole der USA ehren müsse. Noch immer zieht sich zum Beispiel ein Streit zwischen Trump und den Footballspielern der NFL hin: Trump kritisierte sie scharf dafür, dass sie sich während des Abspielens der Nationalhymne hinknien, um gegen Rassismus und Polizeiwillkür zu demonstrieren. Im Zusammenhang mit Spielern, die die Flagge nicht respektieren, sprach er von Hurensöhnen. Wer sich so äußert, sollte seine Flagge schon genau kennen.

Einige Trump-Unterstützer versuchten aber auch, ihm zu Hilfe zu eilen. Der Präsident habe die „Thin Blue Line“-Flagge zeichnen und damit den Polizisten der USA seine Ehrerbietung erweisen wollen, argumentierten sie. Denn diese Flagge besteht aus blauen und weißen Streifen mit einem helleren blauen in der Mitte, der sinngemäß dafür steht, dass die Ordnungskräfte die Linie zwischen Bevölkerung und Chaos bilden. Die Argumentation hinkt natürlich sehr, denn einen roten Streifen hatte Trumps Flagge ja schon – und den dürfte es in der „Thin Blue Line“-Version der Flagge nicht geben.

Final lässt sich bislang nicht aufklären, ob Trump nicht doch in voller Absicht zum blauen Stift griff – vielleicht wollte er ein bisschen Fantasie in seinen sonst so ernsten Job bringen. Wobei auch das nicht ganz zu seiner „Ehre deine Flagge“-Mentalität passen würde. Was sich sicher sagen lässt: Diejenigen in Trumps Team, die seine Termine vorbereiten, sollten in Zukunft einfach darauf achten, dass man ihm nur unverfängliche Motive zum Ausmalen vorsetzt. Monstertrucks dürften ihm zum Beispiel gut gefallen.

che

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