Silvesterparty mit mehr als 2500 Gästen in Frankreich

Ein Polizist notiert die Personalien von Jugendlichen nach dem Abbruch einer Party in einem in der Nähe gelegenen Hangar etwa 40 km südlich von Rennes. Bei der Großparty waren etwa 2500 Menschen anwesend.
Foto: dpa / Jean-Francois Monier

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Essen, um Mitternacht anstoßen, eventuell noch ein Zoom-Call mit den Liebsten und dann ab ins Bett – so lief vermutlich bei den meisten Menschen in Europa der Jahreswechsel von 2020 auf 2021 ab. Aufgrund der Corona-Pandemie galten in vielen Ländern nächtliche Ausgangssperren, Zusammentreffen wurden auf wenige Menschen reduziert. 

Umso unglaublicher klingt da eine Meldung aus Frankreich: Offenbar haben sich dort in dem französischen Dorf Lieuron in der Bretagne in einem Hangar 2500 Menschen zu einer Silvesterparty getroffen, professionelle Soundanlage, Heizpilze, Catering-Stände und Lasershow inklusive. Das Dorf selbst hat eigentlich nur knapp 800 Einwohner*innen. Bei den Gästen des Raves handelte es sich um Menschen aus den verschiedenen Regionen Frankreichs und aus dem europäischen Ausland. Die Vermutung, dass das Event über soziale Netzwerke koordiniert wurde, liegt nahe. Viele trugen keine Maske und waren stark betrunken. In einem Beitrag des französischen Fernsehsenders BFMTV äußert ein junger Mann zu seinen Gründen, dass er sich monatelang an die Regeln gehalten habe und jetzt einfach feiern wollte. In Frankreich gilt aufgrund der hohen Infektionszahlen ab 20 Uhr eine nächtliche Ausgangssperre, die Bretagne ist allerdings eine der Regionen mit den niedrigsten Infektionszahlen.

Was die Meldung allerdings noch eine Spur kurioser macht, ist die Dauer des auf die Party folgenden Polizeieinsatzes: Offenbar waren 150 Polizeibeamt*innen vor Ort, die Party konnte allerdings erst am Morgen des 2. Januar offiziell aufgelöst werden. Als Grund wurde hierfür unter anderem das gewalttätige Verhalten der Gäste aufgeführt. Am Ende wurden wohl mehr als 1200 Verwarnungen ausgesprochen. Der Tagesschau zufolge berichteten mehrere Augenzeug*innen, dass viele Teilnehmer keine Strafe erhalten haben, obwohl auf Teilnahme an illegalen Veranstaltungen und Nichttragen von Masken jeweils 135 Euro Strafe stehen. Sie mussten jedoch ihre Daten hinterlassen - zur Kontaktverfolgung, sollte sich ein Corona-Cluster bilden.

Die Frage, wie ein derartig großes Event mit entsprechender Logistik unbemerkt geplant und durchgezogen werden konnte, beschäftigt nun natürlich auch die französischen Bürger*innen und Politiker*innen. Insbesondere der französische Innenminister Gérald Darmanin steht unter Druck. Sein Sprecher erwähnt zwar, dass die Ausgangssperre zu Silvester in Frankreich weitgehend respektiert worden sei, die im Netz kursierenden Videos aus dem bretonischen Hangar vermitteln aber ein anderes Bild. Der französische Abgeordnete Florian Bachelier von Emmanuel Macrons Regierungspartei „La République en marche“ schrieb auf Twitter von einer „Schande für unser Land“, die Lokalpolitikerin Françoise Gatel von der „Union des démocrates et indépendants“ nannte es eine „echte Provokation“.

Und auch der rechtsextreme „Rassemblement National“ nutzt die Situation für Kritik: In einem Statement schrieb Politiker Gilles Pennelle: „Die Lage ist unglaublich! Die Republik kapituliert vor ein paar Hundert Typen. Man muss das Gesetz anwenden.“

Den Partygästen war all das wohl einigermaßen egal. In einigen Berichten werden Raver*innen zitiert, dass die Party sogar eigentlich bis Dienstag laufen sollte. Das haben sie dann doch nicht ganz geschafft. 

chha mit Material von dpa 

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