Video einer Paralympics-Sportlerin zu übergriffigem Verhalten geht viral

Jessica Long ist auf den Behinderten-Parkplatz angewiesen.
Foto: Günther Reger

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Jessica Long ist 28 Jahre alt und eine Top-Schwimmerin. Bei den Paralympischen Spielen gewann sie bisher insgesamt 23 Medaillen, darunter Goldmedaillen bei vier Paralympischen Sommerspielen. Die US-Amerikanerin wurde ohne Beine geboren und trägt abwärts der Knie daher Prothesen. Ihre Behinderung sieht man ihr nur an, wenn ihre Beine sichtbar sind – nicht also, wenn sie zum Beispiel im Auto sitzt und einparkt. Das führt dazu, dass viele Menschen die Schwimmerin zurechtweisen, wenn sie sich – völlig zurecht – auf einen Behindertenparkplatz stellt. Schließlich hat sie eine Behinderung und einen entsprechenden Ausweis.

Auf Tiktok machte Jessica Long ihrer Wut nun Luft. Und begeistert Millionen Menschen, die das Video teilen und kommentieren. Bisher wurde es 4,7 Millionen Mal gesehen. Im Video erzählt die Schwimmerin von einer Frau, die ihr sagte, dass sie auf diesem Parkplatz nicht parken dürfe – der sei schließlich für behinderte Menschen reserviert.

„Meine Beine sind schwer, sie tun mir weh, ich habe deswegen Schmerzen“

„Also, es ist einfach wieder passiert“, sagt sie. „Ich habe mein Auto geparkt und diese Frau hat einfach die Nerven, mich angewidert von oben bis unten anzuschauen, weil ich auf dem Behindertenparkplatz geparkt habe.“ Jessica Long kritisiert erstens die Art und Weise, auf der ihr oft kommuniziert wird, dass sie kein Recht habe, dort zu parken. Nämlich unfreundlich. Und macht zweitens deutlich, dass es schmerzhaft ist, fremden Menschen immer wieder erklären zu müssen, dass sie eine Behinderung hat. 

„Ich habe keine Beine“, sagt sie. „Das passiert so oft. Ja, ich bin jung, ich bin sportlich, vielleicht wirkt es so, als ob für mich alles ganz einfach wäre. Aber es ist dennoch wirklich hart. Meine Beine sind schwer, sie tun mir weh, ich habe deswegen Schmerzen.“ In einem Interview mit Buzzfeed erklärt sie, dass sie die falschen Anschuldigen verletzen würden. Ja, auf den ersten Blick sehe man ihr die Behinderung nicht immer an, sagt sie: „Aber ich habe schon mehr Operationen hinter mir, als ich zählen kann. Mein ganzes Leben musste ich mich anpassen. Ich verlasse mich auf meinen Behindertenausweis.“ An manchen Tagen schmerzten ihre Beine nicht so sehr, an den meisten Tagen aber schon. 

Diese Erfahrung ist keine einmalige Sache, erklärt sie auch in einem Post auf Instagram: „Ich bekomme zwei bis vier Kommentare pro Woche, nur weil ich meiner normalen Routine nachgehe und auf Behindertenparkplätzen parke. Die Leute schreien mich an, hinterlassen Zettel an meiner Windschutzscheibe, klopfen an mein Autofenster oder warten, bis ich aussteige, nur um mir zu sagen, dass ich dort nicht parken darf.“ Ihre bisher schlimmste Erfahrung: Ein älteres Ehepaar sei ihr in einem Lebensmittelladen gefolgt und habe immer wieder Bemerkungen gemacht: Jessica Long würde den Behindertenparkplatz nicht brauchen. „Ich habe ihnen sogar erklärt, dass ich zwei Beinprothesen habe, und sie sagten mir, ich sei eine Lügnerin“, heißt es in dem Post. 

Jessica Long ist für viele Menschen ein Vorbild. Auf Tiktok folgen ihr 666 000 Menschen, auf Instagram sind es fast 59 000. In ihrer Profilbeschreibung auf Instagram schreibt die 28-Jährige: „Born without legs + Living my best life“. Geboren wurde sie mit dem sogenannten fibulären Längsdefekt  – das ist das angeborene Fehlen oder die Unterentwicklung des Wadenbeins (Fibula).  „Mir fehlten mein Wadenbein und mehrere andere Knochen in meinen Unterschenkeln. Meine Adoptiveltern ließen diese amputieren, als ich 18 Monate alt war, damit ich mit Beinprothesen ausgestattet werden und laufen lernen konnte“, sagt sie im Interview mit Buzzfeed.

Das entsprechende Video wurde bereits fast 3000 Mal geteilt und 13,7 Tausend Mal kommentiert. Manche User*innen berichten in den Kommentaren von ähnlichen Erfahrungen. „In solchen Situationen wünsche ich mir, ich könnte einfach meine Prothese nach ihnen werfen“, schreibt eine Person. Andere weisen darauf hin, dass die Frau, auf die sich Jessica Long im Video bezieht,  sich immerhin theoretisch für die Rechte behinderter Menschen einsetzen wolle. Jessica Long hat am Ende ihres Videos nur einen Appell: „Seid doch einfach nett. Ihr müsst nicht wissen, wieso eine Person auf dem Behindertenparkplatz parkt, wenn sie einen Ausweis hat.“ 

soas

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