„Was? DU hast Abi?“

Unter #AbleismTellsMe teilen Menschen mit Behinderung ihre Diskriminierungserfahrungen.
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Foto: Marianne Bos / Unsplash

Im Vergleich zu „Rassismus“ oder „Sexismus“ ist der Begriff „Ableismus“ bislang wenig verbreitet. Dabei bezeichnet er ebenso eine bestimmte Form von Diskriminierung: nämlich die gegenüber Menschen mit Behinderung. Ableismus zeigt sich zum Beispiel, wenn diese Menschen ungleich behandelt, stereotypisiert oder für minderwertig gehalten werden. Es ist also gleichbedeutend mit „Behindertenfeindlichkeit”. 

Sie zeigen, dass viele Menschen wenig sensibilisiert für ableistisches Verhalten sind

Um darauf aufmerksam zu machen, welche konkreten Situationen ableistisch sind, haben Menschen mit Behinderung auf Twitter unter dem Hashtag #AbleismTellsMe von ihren Erfahrungen erzählt. Sie zeigen, dass viele Menschen wenig sensibilisiert für ableistisches Verhalten sind. Und wie vielfältig Menschen mit Behinderung sind. 

Viele Nutzer*innen erzählen zum Beispiel von Situationen, in denen sie von vornherein unterschätzt wurden: Davon, dass manche Menschen kaum glauben können, dass sie einen Schulabschluss haben oder davon ausgehen, dass sie nicht lesen können.

Manche stellen sogar ihre Kompetenz im Job infrage:

Andere kritisieren ein verklärtes und vereinfachtes Bild von Menschen mit Behinderung in Medien, Filmen, Serien und Büchern. Die Geschichten seien oft darauf ausgelegt, den Zuschauer*innen ein „gutes Gefühl“ zu geben – damit sie sich besser verkaufen.

Und das führe dazu, dass viele Menschen nicht ausreichend aufgeklärt über die Lebensrealitäten von Menschen mit Behinderung sind:

Viele nutzen den Hashtag, um auf weniger sichtbare Behinderungsformen aufmerksam zu machen

Immer wieder geht es unter #AbleismTellsMe auch um Liebesbeziehungen. Genau genommen darum, wie sich Außenstehende ungefragt in die Beziehungen von Menschen mit Behinderung einmischen. Indem sie beispielsweise ein vermeintliches Ungleichgewicht beklagen:

Und vollkommen unangebrachte „Ratschläge“ geben: 

Viele nutzen den Hashtag aber auch, um auf weniger sichtbare Behinderungsformen aufmerksam zu machen: auf Autismus zum Beispiel – eine komplexe „Entwicklungsstörung”, durch die beispielsweise die Beziehung zur Umwelt beeinträchtigt wird. Autist*innen erzählen, dass Menschen in ihrem Umfeld diese Behinderung oft nicht ernstnehmen und sogar kleinreden: 

Mittlerweile wird in der Behindertenforschung häufig zwischen Beeinträchtigung und Behinderung unterschieden. Denn es seien vielmehr die gesellschaftlichen Barrieren, die eine Beeinträchtigung erst zur Behinderung machen. Es kommt also auf das Umfeld, soziale Situation und die gesellschaftlichen Normen an, in welche Maße es eine „Behinderung“ für die betroffene Person ist. Und deshalb findet in vielen der Tweets zu #AbleismTellsMe auch eine gesellschaftspolitische Kritik am Umgang mit Menschen mit Behinderung statt: 

fsk

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