Raina hat gegen Deutschland Beschwerde bei der UNO eingereicht

Die Schülerin sagt: „Mit dieser Klimapolitik können wir kein gesundes Leben führen.“
Interview von Niko Kappel

Foto: AFP/Kena Betancur

Raina Ivanova, eine 15-jährige Schülerin aus Hamburg, hat zusammen mit Greta Thunberg und 14 weiteren Jugendlichen eine Beschwerde beim Kinderrechtsausschuss der Vereinten Nationen gegen fünf Länder eingereicht: Argentinien, Brasilien, Deutschland, Frankreich und die Türkei. Das sind die fünf Nationen, die laut der Jugendlichen die Umwelt mit am meisten belasten und damit gegen die gegen die UN-Konvention über die Rechte des Kindes verstoßen. Da China und die USA einen entsprechenden Teil der UN-Kinderrechtskonvention nicht unterzeichnet haben, kann gegen sie keine Beschwerde eingereicht werden.

Die Kinder werden von der Non-Profit-Organisation Earthjustice und von einem Team aus internationalen Anwälten bei ihrer Beschwerde unterstützt. Am vergangenen Montag haben Raina und die anderen Kinder und Jugendlichen bei einer Pressekonferenz ihre Beschwerde vorgetragen. Gerade ist Raina noch in New York beim UN-Klimagipfel.

jetzt: Raina, warum habt ihr eine Beschwerde gegen Argentinien, Brasilien, Deutschland, Frankreich und die Türkei eingelegt?

Raina: Diese Länder haben vor 30 Jahren den Kinderrechten zugestimmt und damit versichert, dass sie mit ihrer Politik alles dafür tun werden, dass wir jungen Menschen in einer sicheren und gesunden Umwelt leben. Das ist momentan nicht mehr der Fall. Wir kommen aus zwölf verschiedenen Ländern, zum Beispiel Deutschland, Nigeria, Brasilien und Indien. Jeder von uns ist von Luftverschmutzung, Hitze oder klimawandelbedingten Krankheiten betroffen, egal woher wir kommen. Unser Lebensraum verschwindet teilweise. Mit dieser Klimapolitik können wir kein gesundes Leben führen.

Ihr seid eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen zwischen acht und 17 Jahren aus verschiedenen Teilen der Welt. Woher kennt ihr euch, wie organisiert ihr euch?

Ein Teil von uns kennt sich über die Organisation „Heirs to our Oceans“. Wir kannten uns aber vor New York nicht alle. Uns eint, dass wir alle Kinder sind, die sich Sorgen machen und sich schon vor dem Klimagipfel für die Umwelt eingesetzt haben. Deshalb sind wir hier zusammengekommen und haben diese Beschwerde an die fünf Länder vorgetragen.

Warum engagierst du dich für den Klimaschutz?

Bei der Klimakrise sollte es gar keine Frage sein, ob wir uns engagieren wollen oder nicht. Der Klimawandel betrifft uns alle. Wenn wir jetzt nicht handeln, beeinflusst er unsere Zukunft radikal, deshalb ist es wichtig, dass wir etwas tun. Ich habe momentan das Gefühl, dass die Erwachsenen das nicht verstanden haben und nicht genug machen.

Wie kam es, dass du jetzt beim Klimagipfel dabei bist?

Ich bin nach New York gekommen, weil mein Vater jemanden kennt, der die Beschwerde mitorganisiert. Earthjustice hat jemanden aus Deutschland gesucht, der sich für das Klima einsetzt. So sind sie auf mich gekommen. Ich will hier was verändern und die Leute davon überzeugen, wie dringend es ist.

Was unternimmst du in Deutschland, um die Leute davon zu überzeugen, dass der Klimaschutz gerade das politisch wichtigste Thema ist?

Ich nehme regelmäßig an „Fridays for Future“-Demos in Hamburg teil. In der Schule sprechen wir untereinander über den Klimawandel, meine Freundin und ich haben eine Klima-AG gegründet. Ich bin der Meinung, dass das Problem bei der Bildung anfängt. Wenn man das Wissen darüber nicht hat, kann man auch nichts für den Umweltschutz tun. Wir wollen auch jüngere Schüler, die noch nicht so viel über den Klimawandel wissen, darüber informieren, wie sie ihren Beitrag leisten können.

Eure Beschwerde wird jetzt von 18 Kinderrechtsexperten geprüft. Wenn die die Beschwerde annehmen, müssen sich die betreffenden Länder dazu äußern. Glaubst du, dass ihr die Politiker tatsächlich überzeugen könnt, ihre Klimapolitik zu ändern?

Ich hoffe, dass wir die Politiker irgendwie auf einer persönlichen Ebene ansprechen können, viele von denen haben ja auch Kinder. Deshalb sind wir auch alle aus verschiedenen Ländern. Wir wollen ihnen einfach sagen, dass wir uns im Stich gelassen fühlen und zeigen, wie ihre Entscheidungen unsere Kindheit beeinflussen.

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