Macron gibt arbeitslosem Gärtner Tipps für die Jobsuche

Und ist dabei wenig feinfühlig.

Macron ließ sich am Samstag im Garten des Élysée Palasts mit Bürgern fotografieren. Dabei sprach ihn der arbeitssuchende Gärtner an.

Foto: AP/Anne Christine Poujoulat

Der französische Präsident Emmanuel Macron ist bei vielen beliebt, weil er sich für den Zusammenhalt in Europa und Klimaschutz einsetzt. Aber er hat auch viele Gegner, die ihm unter anderem vorwerfen, nur „Präsident der Reichen“ zu sein. Falls er die Absicht hatte, sich von diesem Vorwurf mal reinzuwaschen, hat er seine Chancen darauf gerade selbst minimiert.

Denn als der Präsident am „Tag des offenen Denkmals“ im  Garten des Élysée-Palasts Bürger traf und sich mit ihnen fotografieren ließ, sprach ihn ein Mann an, der eben nicht zu den Reichen zählt. Eigenen Angaben zufolge ist er 25 Jahre alt und als Gärtner ausgebildet, findet aber partout keine Arbeit.

Mit seiner Reaktion auf die Klage des Mannes löste Macron nun eine landesweite Debatte aus: Er sagte zunächst, er könne sich nicht um jeden persönlich kümmern und fügte dann noch etwas hinzu: Wer bereit und motiviert sei, könne immer Arbeit finden. Er selbst brauche nur einmal über die Straße zu gehen, um dem Mann sofort einen Job zu besorgen.

Alles ganz einfach, so stellt sich Macron das anscheinend vor. Der Gärtner brauche doch nur die Branche zu wechseln: „Zum Beipiel im Hotelgewerbe und in der Gastronomie, da es gibt nicht einen Ort, an den ich gehe, wo sie keine Leute suchen. Nicht einen! Das ist die Wahrheit.“

Um zu sehen, wie der Gärtner auf die Tipps des Präsidenten reagierte, ist das Video, das dazu auf Twitter geteilt wurde, leider nicht lang genug. Die Meinung vieler anderer Franzosen zu Macrons Tipps wird dagegen sehr deutlich, Tausende kommentieren das Video.

Viele bemängeln Macrons Ansatz. Sie finden absurd, einem Gärtner zu empfehlen, als Kellner zu arbeiten. Schließlich sei er ja für etwas ganz anderes ausgebildet – und dass es in seiner Branche offensichtlich nicht genügend Jobs gibt, sei doch das eigentliche Problem, das man nicht einfach so ignorieren dürfe. Schließlich treffe es auch Menschen aus anderen Branchen immer wieder.

Andere geben ihrem Präsidenten recht: Ein Job als Kellner sei immerhin besser als nichts und als Arbeitsloser könne man es sich eben manchmal nicht aussuchen, wo man arbeitet.

Rückhalt für Macron kommt außerdem auch aus seiner eigenen Partei: Christophe Castaner, der Parteivorsitzende von La République en Marche, sagte in einem Fernsehinterview: „Ich bevorzuge einen Präsidenten, der die Wahrheit sagt.“ Schließlich gebe es im Gartenbau tatsächlich nur noch wenige Arbeitsplätze. Man müsse sich deshalb auf die realen Gegebenheiten einstellen und Arbeitssuchenden in dieser Branche nun andere Perspektiven aufzeigen.

Ob Macron, der dem arbeitslosen 25-Jährigen als französischer Präsident ja vermutlich tatsächlich ganz leicht einen Job besorgen könnte, sich mit dieser Angelegenheit noch weiter beschäftigt hat, ist nicht bekannt.

lath

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