Philipp Amthor wird für Aussage zu Antisemitismus kritisiert

Jüdische Menschen, so hatte er behauptet, seien in Deutschland vor allem durch muslimische Migrant*innen gefährdet.
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Foto: Kay Nietfeld/dpa / Bearbeitung: jetzt

Vor 75 Jahren wurde das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz befreit. Anlässlich dieses Tages hat der CDU-Politiker Philipp Amthor in einem Morgenmagazin des Fernsehsenders n-tv ein Interview gegeben, das ihm gerade ziemlich um die Ohren fliegt. Der 27-Jährige betonte darin, dass Antisemitismus in Deutschland keinen Platz habe.

Er sagte aber auch: „Antisemitismus, das darf man nicht vergessen, ist vor allem in muslimisch geprägten Kulturkreisen besonders stark vertreten.“ Den erstarkenden Judenhass in Deutschland brachte er in Verbindung mit der „Migration der letzten Jahre“. Die deutsche Gesellschaft erwarte „zu Recht“, dass sich „Zuwanderer an unsere Kultur halten“, sagte er.

Das finden viele Menschen geschmacklos. Sie werfen Amthor vor, Minderheiten gegeneinander auszuspielen – und an ausgerechnet dem Tag, an dem Deutschland seiner Täterrolle gedenken sollte, mit dem Finger auf Muslim*innen zu zeigen. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Sven Kindler erinnerte Amthor daher daran, dass Auschwitz von deutschen Nazis organisiert wurde. Auch andere betonen, dass der Holocaust ein deutsches Verbrechen ist.

Auch Jan Korte, parlamentarischer Geschäftsführer der Linken, reagierte entsetzt auf Amthors Äußerung:

Die Berliner SPD-Politikerin Sawsan Chebli, die selbst immer wieder mit rassistischen Anfeindungen und Drohungen zu kämpfen hat, schreibt deutlich: „Der Holocaust ist eine deutsche Schande, keine muslimische.“ Klar sei aber, dass auch Muslim*innen gegen Antisemitismus kämpfen müssten.

Andere wie das Satiremagazin „extra3“ betonen, dass Judenhass in in der gesamten deutschen Gesellschaft vertreten sei und kein explizit muslimisches Problem. Viele Menschen verweisen auch darauf, dass der Mann, der im Oktober den Anschlag in Halle beging, kein Muslim war, sondern ein rechtsradikaler Deutscher.

Tatsache ist: In Deutschland steigt die Anzahl der antisemitisch motivierten Straftaten. Laut der vom Bundeskriminalamt jährlich veröffentlichten Statistik „Politisch motivierte Kriminalität“ wurden 2018 in ganz Deutschland 1799 antisemitische Straftaten registriert. Das sind fast 20 Prozent mehr als  2017. Und die überwältigende Mehrheit dieser Taten ist rechts motiviert, nämlich fast 90 Prozent. Bei den antisemitischen Gewalttaten waren laut BKA 49 rechts motiviert, drei links, zehn durch eine „ausländische Ideologie“ und vier religiös. Bei drei Straftaten war keine Einordnung möglich.

Philipp Amthor hat sich mittlerweile zu den Vorwürfen geäußert und sagt, er fühle sich missverstanden. Für ihn sei es  „völlig klar, dass die größte Gefahr im Bereich des Antisemitismus natürlich von Rechtsextremisten ausgeht“.

Schon im vergangenen Jahr stand Philipp Amthor in der Kritik, weil er einen rassistischen Spruch geduldet und sogar darüber gelacht hatte – vor laufender Kamera. In einer Reportage des Y-Kollektivs ist der Politiker dabei zu sehen, wie er mit einer Gruppe Bürger*innen am Tag der deutschen Einheit auf einem Marktplatz die Nationalhymne singt. Daraufhin sagt er: „Ist ja keiner von uns Moslem, der das jetzt nicht singen kann.“ Ein anderer Mann entgegnet: „Keine Ölaugen“ – eine rassistische Bezeichnung für Menschen mit Migrationshintergrund. Alle lachen, auch der CDU-Politiker. Später entschuldigte er sich und sagte, der Spruch sei falsch gewesen.

soas (Mit Material von dpa)

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