Wieso gerade wieder über die Vier-Tage-Woche diskutiert wird

Gerade wird eine alte Aussage der finnischen Regierungschefin in den Medien recycelt.
Sanna Marin

Sanna Marin, 34, ist finnische Ministerpräsidentin.

Foto: Yves Herman/Reuters

„Ciao, Deutschland. Ich wandere jetzt dann nach Finnland aus“ – so und so ähnlich äußern sich derzeit sehr viele Menschen auf Twitter. Der Grund? Die finnische Regierungschefin Sanna Marin plant laut einiger Medien angeblich, die Vier-Tage-Woche einzuführen – also dafür zu sorgen, dass ein finnisches Wochenende im Umkehrschluss von nun an drei Tage hat.

Auf Twitter wird gerade ein entsprechendes Zitat der 34-Jährigen vielfach geteilt: „Ich glaube, die Menschen haben es verdient, mehr Zeit mit ihren Familien, Angehörigen, Hobbys und anderen Aspekten des Lebens wie der Kultur zu verbringen. Das könnte der nächste Schritt im Berufsleben für uns sein.“ Das Konzept ist bisher immer wieder diskutiert worden, die meisten Nutzer*innen der sozialen Netzwerke zeigen sich begeistert von den angeblichen Plänen der Regierungschefin. Man sehe ja bereits an Schweden wie gut das funktionieren: Dort wird in manchen Bereichen bereits nur sechs Stunden pro Tag gearbeitet.

Sanna Marin führt eine Fünf-Parteien-Koalition der Mitte und der Linken an. Die Politikerin, seit Dezember erst an der Spitze ihres Landes, hat sich jedoch nicht kürzlich für eine Vier-Tage-Woche ausgesprochen, wie viele Überschriften und Texte irreführend suggerieren:

Die Äußerungen der Sozialdemokratin sind bereits ein halbes Jahr alt. Als damalige Verkehrsministerin plädierte sie für eine viertägige Arbeitswoche und einen Sechs-Stunden-Tag. Den vielzitierten Satz sagte Marin also anlässlich des 120-jährigen Bestehens ihrer Partei im August 2019. Derzeit ist in Finnland wie auch in Deutschland eine 40-Stunden-Woche mit einem Acht-Stunden-Tag üblich. Inzwischen hat die Regierung auch dementiert, akute Pläne für eine Vier-Tage-Woche zu haben. Pläne, für mehr Freizeit nach Finnland auszuwandern, dürften sich so schnell jedenfalls nicht auszahlen.

Anmerkung der Redaktion: Wir haben diesen Artikel am Dienstag um 16.51 Uhr aktualisiert. Zu diesem Zeitpunkt hat die finnische Regierung die Gerüchte auch offiziell dementiert. 

soas

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