Thomas hat eine „Eine-Welt-Flagge“ erfunden

Aber nicht nur, um uns alle zu verbinden. Sondern auch, um auf unseren gemeinsamen Gegner aufmerksam zu machen.
Interview von Lara Thiede

Einer der ersten Orte, an dem die „One World Flag“ wehte: Bad Gastein in Österreich, in der Hand von Thomas' Freund Lennart.

Foto: 1worldflag/Thomas Mandl

Der Münchner Thomas Mandl ist 28 Jahre alt und Fotograf. Neuerdings ist er allerdings auch etwas anderes: Designer der „One World Flag“. Mit seiner Flagge für die Welt scheint er einen Nerv getroffen zu haben, Nachrichten zur Flagge erreichen ihn von überall. Warum es eine Welt-Flagge braucht, wie sie sich verbreiten soll und wie Thomas zu nationalen Flaggen steht, hat er uns am Telefon erzählt.

jetzt: Thomas, du hast deine „One World Flag“ selbst designt. Woher die Motivation?

Thomas Mandl: Ich konnte nicht einschlafen. Denn ich kam einfach nicht auf die Antwort für die Frage: „Warum gibt es eigentlich keine Flagge für die Welt?“ Wir haben die Möglichkeit, uns europaweit über die Europaflagge zu identifizieren – und tun das ja auch. Aber warum hört das dann einfach immer irgendwo auf? Das Problem wollte ich lösen.

Warum ist die Begrenztheit denn ein Problem? Wozu braucht es eine Weltflagge?

Es braucht meiner Meinung nach ein Symbol, über das sich die Bürger dieser Erde zugehörig fühlen; zu ihrem Planeten und zum Rest der Weltbevölkerung. Schließlich gehören wir ja als Erdbewohner zusammen.

„Sich dem Klimawandel alleine entgegen zu stellen, das kann kein Nationalstaat schaffen“

Es gibt eine international anerkannte Flagge, die einer Weltflagge am nächsten kommt. Die Flagge der Vereinten Nationen. Warum reicht die nicht?

Sie ist zwar auch gut designt – aber negativ aufgeladen. Es gab einfach zu viele Skandale der UN, als dass ihre Flagge als Flagge für die Einheit der Welt dienen könnte.

Und warum braucht es gerade deine?

Erst hatte ich nur die Hoffnung, dass irgendjemand mal eine designt und wollte lediglich die Diskussion anregen. Dann dachte ich mir aber, dass es doch das Beste sei, einfach selbst einen Vorschlag abzugeben, der so gut ist, dass die Leute über den Gedanken sprechen. Und das hat soweit ja auch ganz gut funktioniert. Wenn sich am Ende aber eine besser geeignete finden sollte, wäre ich auch froh, wenn die letztlich international anerkannt wird.

Thomas ist weniger wichtig, dass seine eigene Flagge international anerkannt wird, als dass eine Weltflagge anerkannt wird.

Foto: Jason Houzer

Tatsächlich gab es in der Vergangenheit schon mehrere Versuche von Privatpersonen und Organisationen, die eine Weltflagge vorschlugen und designten. Was könnte deinen Vorschlag erfolgreicher machen als den der meisten anderen?

Zum einen der Zeitpunkt. Denn während früher fast ausschließlich Nationen wichtig waren, denkt man jetzt viel mehr auch für die ganze Weltbevölkerung mit. Sicherlich auch durch die Globalisierung und das Internet. Denn inzwischen ist die ganze Welt miteinander vernetzt. Außerdem hat die Weltbevölkerung jetzt einen gemeinsamen Gegner: den Klimawandel. Sich dem entgegen zu stellen, kann kein Nationalstaat alleine schaffen. Umso wichtiger ist es also, Einheit zu schaffen. Auch in Form einer Flagge.

Zwar gab es auch in jüngerer Zeit, 2015, einen Vorschlag aus Schweden, die „International Flag of Planet Earth“. Die war mit ihren sieben Ringen auf blauem Hintergrund aber meiner Meinung nach zu kompliziert gedacht, um wirklich Erfolg zu haben.

Was ist das Besondere an deiner Flagge?

Dass sie so einfach ist. Zunächst bestand sie nur aus einem blauem Kreis, wir leben immerhin auf einem blauen Planeten. Das Aufhängen wurde dadurch aber schwierig, daher musste ich mir noch einen Hintergrund ausdenken. Der ist jetzt transparent. So kann man durch die Flagge hindurch die tatsächliche Umgebung sehen. Die Flagge verändert sich so ständig, je nachdem, wo sie weht. Genau wie die moderne Welt sich ständig verändert.

„Die deutsche Flagge hat ein Identitätsproblem“

Bisher gibt es nur vier deiner Flaggen. Was hast du mit denen vor?

Momentan werden die Flaggen ja noch am Ammersee mit der Hand gefertigt. Wir suchen gerade noch nach einem anderen Weg, wie wir sie schneller produzieren können. Aber damit die Flagge schon mal möglichst unterschiedliche Formen annimmt, nehmen verschiedene Leute sie demnächst bei einigen Reisen in Länder wie Oman, Senegal, Trinidad und Tobago als Botschafter mit. Dabei geht es auch darum, mit Menschen überall auf der Welt über die Flagge ins Gespräch zu kommen.

Warum braucht man Flaggen denn überhaupt?

Jede Stadt, jede Region hat ihre eigene Flagge. Ganz einfach, weil die Menschen auch ein Bedürfnis danach haben, zu zeigen, wo sie herkommen oder hingehören. Das sah ich auch Anfang der Woche wieder: Ich fuhr in Bern an Schrebergärten vorbei, in denen viele verschiedene Flaggen hingen: die portugiesische, die spanische, die italienische… Die Leute fühlen sich über Flaggen mit der Heimat verbunden.

Was hältst du dann von regionalen oder nationalen Flaggen wie der Deutschlandflagge?

Generell kann ich regionalen oder nationalen schon Flaggen etwas abgewinnen. Die bayerische Flagge beispielsweise ist einfach schön: blaue und weiße Rauten. Die deutsche Flagge ist aber wenig ästhetisch. Alleine schon von der Farbgebung her. Und dann hat sie natürlich noch ein Identitätsproblem, weil Deutschland aufgrund seiner Vergangenheit selbst ein Identitätsproblem hat.

Mit nationalen Flaggen können manche mehr, manche weniger anfangen: