US-Außenministerium will auf Facebook Reise-Tricks verraten und gerät in einen Shitstorm

Es hagelt Kritik, weil an der mexikanischen Grenze Kinder von ihren Eltern getrennt werden.

Amerikaner, die in irgendeiner Form für die gegenwärtige Regierung arbeiten, haben es momentan nicht gerade leicht. Das mussten am Dienstag auch zwei Mitarbeiter des Außenministeriums feststellen, die für gewöhnlich Pässe ausstellen. In einem Facebook-Live-Video wollten sie Bürger auf die Reisesaison vorbereiten und deren Fragen rund ums Reisen mit Kindern beantworten.

Der Zeitpunkt für diesen Facebook-Post war dabei ausgesprochen ungünstig gewählt. Denn seitdem klar ist, dass das US-Heimatschutzministerium Menschen, die illegal über die Grenze zwischen USA und Mexiko gekommen sind, von ihren Kindern trennt und diese Kinder teilweise in Käfigen unterbringt, ist die Empörung in der Öffentlichkeit groß. Ein Großteil der amerikanischen Bürger sind von diesen Maßnahmen schockiert und erbost über diesen Erlass von Donald Trump.

Aktuellen Zahlen zufolge sind seit Beginn der „Null-Toleranz-Politik“ an der Grenze 2342 Kinder von ihren Eltern getrennt worden. Die Eltern müssen sich vor Gericht wegen ihrer illegalen Einreise verantworten, ihre Kinder werden währenddessen in Auffanglager gesteckt. Auf welchem Weg die Kinder wieder mit ihren Eltern zusammgeführt werden sollen, ist bis heute unklar, offenbar gibt es dafür keinen offiziellen Plan.

Diese „Null-Toleranz-Politik“ soll der Abschreckung anderer Einwanderer dienen, die in den USA Asyl beantragen möchten.

In den sozialen Medien werden immer wieder Bilder und Videos geteilt, die zeigen, unter welchen Bedingungen diese Kinder, viele von ihnen im Kleinkindalter, festgehalten werden. Unter anderem zu hören: eine Tonaufnahme, auf der weinende Kinder nach ihren Eltern rufen.

In diesem Zusammenhang klang die Ankündigung für das Facebook-Live-Event geradezu zynisch: „Bereit, Ihre Kinder auf eine internationale Reise mitzunehmen? Irgendwelche Fragen über deren Pässe, internationale Reiseziele oder wie man Reisen für alle einfacher macht? Seien Sie morgen um 10 Uhr dabei für ein Facebook Live-Event zum Thema Familien Reise-Tricks.“

40 Minuten lang sollten Nutzer Carl und Kim Fragen zum Thema Passbeantragung und anderen wichtigen Reisethemen stellen, die die beiden Experten des Außenministeriums live beantworten würden. Doch so richtig kam das Live-Event nicht in Fahrt. Beziehungsweise: Es driftete in eine Richtung, in der Kritik in Form von Fragen auf die beiden einprasselte. Die Kommentare zeigten die Wut der Menschen über die Regelung der Trump-Administration:

  • „Oh! Mit „Family Travel Hacks“ meinten ihr, dass ihr Familien auseinander hackt. Verstanden!“

  • „Ich habe keine Kinder, die ihr kidnappen könnt. Ist das notwendig?“

  • „Ich bin Deutsche und plane eine dreiwöchige Reise nach Disneyworld in Florida mit meinen beiden Söhnen. Allerdings habe ich die Sorge, dass an der Grenze etwas schiefgehen könnte. Verhaften Sie Bürger der EU? Sollte ich mich vor der Reise bei der Deutschen Botschaft registrieren lassen für den Fall, dass irgendetwas schief geht?“

  • „Welche Dokumente muss ich jederzeit bei mir tragen, um beweisen zu können, dass meine Kinder zu mir gehören, und um sicherzugehen, dass wir wieder zusammenkommen, nachdem die US-Regierung uns getrennt hat?“

  • „Wie soll ich mich verhalten, wenn meine Kinder und ich an einer Grenze getrennt werden? Wen sollte ich in so einem Fall informieren? Ich weiß, das ist extrem unwahrscheinlich, aber man weiß ja nie.“

  • „Wie kann ich sicher sein, dass die Hautfarbe meiner Kinder hell genug ist, damit sie mir bei der Wiedereinreise in die USA nicht von der US-Regierung gestohlen werden?“

  • „Wie kann ich für mein Kind einen Privatkäfig reservieren?“

  • „Ich möchte nicht, dass meine Kinder von mir getrennt und in einen Käfig gesteckt werden, während wir im Urlaub sind... Sollte ich es mir mit meiner US-Reise dann doch anders überlegen?

Antworten auf diese Fragen hatten Kim und Carl überraschenderweise nicht.

chwa

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