„Sind wir jetzt russische Staatsbürger?“

Nach Trumps Treffen mit Putin fordern US-Bürger „den Rücktritt des Verräters“.

Putin hat in den Bildern der Pressekonferenz in Helsinki fast immer ein Lächeln auf dem Gesicht. Ob ihm das Trump mit seinem Verzicht auf Kritik aufgesetzt hat?

Foto: Jussi Nukari / dpa

Am Montagmittag trafen sich US-Präsident Donald Trump und der russische Präsident Wladimir Putin in Helsinki zum Gespräch. 90 Minuten waren ursprünglich dafür angesetzt, über zwei Stunden dauerte es tatsächlich. Am Nachmittag hielten die beiden Regierungschefs eine Pressekonferenz ab, die einen Großteil der westlichen Welt und besonders viele Bürger der USA erschütterte.

Letztere fühlten sich nämlich regelrecht verraten von ihrem Präsidenten. Fortan wurde also nicht mehr nur mit dem Hashtag #TrumpPutinSummit sondern mit #TreasonSummit oder #TraitorSummit getwittert. Also sozusagen unter der Überschrift: „Gipfel des Verrats“. 

Bürger und Medien reagieren zum einen so heftig, weil Trump schon von vornherein einen auf große Freundschaft mit Putin machte und keinerlei Kritik an der russischen Regierung üben wollte.  

Zum anderen, weil er sich gleichzeitig gegen das eigene Volk und die US-amerikanischen Institutionen stellte. Immerhin wurde er von Pressevertretern immer wieder damit konfrontiert, dass inzwischen als bewiesen gilt, dass russische Hacker sich im US-Wahlkampf 2016 eingemischt hatten. Trump reagierte darauf, indem er sich auf Putins Seite schlug: „Putin sagte mir, er sei nicht verantwortlich dafür. Und ich sehe keinen Grund, warum er es getan haben sollte.“ Damit sagte Trump indirekt, dass er die US-Geheimdienste für unglaubwürdig hält.

Sogar Trumps vermeintliches Lieblingsmedium Fox News, dem sowohl er als auch Putin Exklusiv-Interviews gaben, sendete einen kritischen Kommentar zu den Aussagen des Präsidenten: „Das war widerlich. Das ist keine Sache zwischen links und rechts. Es ist einfach falsch. Trump lässt Putin einfach alles durchgehen. Das wirft uns so weit zurück!“

Auch Late-Night-Shows von Montagnacht kritisieren den US-Präsidenten aufs Schärfste.

Jimmy Kimmel on Trump/Putin Summit

Sogar Dictionary.com, also der Account des Wörtbuchs, bezieht Stellung zu Trumps Aussagen auf der Pressekonferenz – wenn auch nur indirekt, indem es zwei Definitionen twittert: Die des Wortes „Patriot“ und die des Wortes „Verräter“. Während die erste Defintion sich nicht auf Trump während seines Auftritts bei der Pressekonferenz anwenden lässt, passt die zweite in den Augen Zehntausender sehr gut.

Während die einen noch über den aktuellen US-Präsidenten schimpfen, suchen die anderen schon nach einer Lösung. Oder genauer: nach dem vorherigen US-Präsidenten Barack Obama.

Oder alternativ eben nach der Frau, die ihrer Einschätzung nach ohne Russlands Einflussnahme die Wahl um die Präsidentschaft gewonnen hätte: Hillary Clinton.

Einige andere reagieren notgedrungen mit Humor auf die Situation: Zum Beispiel, indem sie Putin und Trump mit den Bösewichten aus Klassikern wie Star Wars vergleichen.

Viele machen aber klar, dass das Ganze eben kein Witz sei und auch nicht als solcher betrachtet werden dürfe.

Immerhin müsse man gerade feststellen, dass die US-Bürger sich nicht mehr auf ihren Präsidenten stützen können, wenn der Staat ein Problem hat. Ganz einfach, weil der Präsident das Problem sei. 

In der Folge trendet übrigens auch noch ein anderer Hashtag: #ImpeachTrump oder sogar #IMPEACHTRUMPNOW. Und damit die Forderung, Trump mit sofortiger Wirkung aus dem Amt des US-Präsidenten zu entlassen.

Das Ganze bleibt angesichts dieser Welle an Wut und Entrüstung tatsächlich nicht in einer Twitter-Blase gefangen. Nachdem der US-Präsident schon in Helsinki mit Protesten gegen ihn begrüßt wurde, erwarteten ihn auch vor seinem eigenen Zuhause, dem Weißen Haus, eine Menge Protestierende. Sie skandierten, wofür sie ihn nach seinem Treffen mit Putin halten: „Verräter, Verräter, Verräter.“

Ein weiterer spontaner Protest wird womöglich Dienstagabend zustande zu kommen: Unter dem Hashtag #OccupyLafayettePark formiert sich Widerstand, nachdem Michael Avenatti (der Anwalt, der Stormy Daniels gegen Donald Trump vertritt) dazu aufgerufen hat, um 19 Uhr vor das Weiße Haus zu kommen. Was passiert sei, sei schließlich ein kritischer Punkt in der Geschichte der USA.

lath

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