Wie eine Fliege die Vizepräsidenten-Debatte im US-Wahlkampf bestimmt

Das Insekt hatte sich zwei Minuten lang auf den Kopf des Republikaners Mike Pence gesetzt. Jetzt hat es seinen eigenen Twitter-Account.
buzz fliege mike pence cover

Foto: Eric Baradat / AFP

Bei der ersten Vizepräsidenten-Debatte im US-Wahlkampf zwischen Republikaner Mike Pence und Demokratin Kamala Harris gab es einen Überraschungsgast. Eine Fliege setzte sich gegen Ende der Debatte in das weißgraue Haar von Mike Pence und verweilte dort gut zwei Minuten lang. Auch, wenn der Vizepräsident die Fliege nicht zu bemerken schien und unbeirrt weiterredete – auf Twitter bekam sie die volle Aufmerksamkeit. Nutzer*innen konnten ihr Glück kaum fassen und dieses – eigentlich nebensächliche – Ereignis trendete prompt unter dem Hashtag „#flygate“.  

Kurze Zeit später bekam die Fliege ihren eigenen Twitter-Account und schrieb: „Ich habs wirklich getan“ und „Das war schrecklich“. Mittlerweile hat sie dort schon mehr als 85 000 Follower*innen.

„Wir alle wissen, was Fliegen anzieht“

Wie zu erwarten, konnten sich Twitter-Nutzer*innen, die die republikanische Regierung um Trump (und so auch dessen Vizepräsidenten Mike Pence) kritisch sehen, eine ganz bestimmte Anspielung nicht verkneifen: „Wir alle wissen, was Fliegen anzieht“, tweetete Autorin Kate Hill. Und ein anderer Twitter-Nutzer schrieb schlicht: „Fliegen lügen nicht“.

Manche stellten sich vor, wie der Moment nach der ersten TV-Debatte der Vizepräsident*innen in diesem Wahlkampf nach dem Fliegen-Intermezzo wohl aussehen möge. Eine Nutzerin schrieb, wenn Pence fragen würde „Und wie war ich? Was sagen die Leute?“, lautete die Antwort womöglich: „Eine Fliege saß auf deinem Kopf, für eine ziemlich lange Weile. Das ist eigentlich alles.“ Anderen wiederum wurde die Twitter-Häme irgendwann zu viel und sie bekundeten Mitleid mit Mike Pence: „Diese Debatte wird für immer als Fliegen-Debatte bekannt sein. Das tut mit Leid für Pence“, schrieb ein Nutzer. 

Den Hype um die Fliege fanden viele Twitter-Nutzer*innen aber auch bedenklich

Auch die Demokrat*innen wussten das Fliegen-Gate für sich zu nutzen. Weil im Weißen Haus gerade eine Vielzahl an Corona-Infektionen bekannt wird, empfahl der demokratische Politiker Jason Kander zum Beispiel der Fliege, sich nach dem infektiologisch bedenklich engen Kontakt mit Mike Pence lieber in Quarantäne zu begeben. Und auch Trumps demokratischer Kontrahent Joe Biden ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen und nutzte das Fliegen-Ereignis, um Werbung für seine Kampagne zu machen: 

Den Hype um die Fliege auf Pence' Kopf fanden viele Twitter-Nutzer*innen letztlich aber auch bedenklich. Sie befürchten, dass dadurch die wichtigen Momente der Debatte in den Hintergrund rücken würden: zum Beispiel, dass Mike Pence behauptete, es gebe keinen systemischen Rassismus in den USA, dass Mike Pence den von Harris scharf kritisierten Umgang der Trump-Regierung mit der Corona-Pandemie konsequent verteidigte, oder er Kamala Harris mehrfach unterbrach. Zu Letzterem schrieb ein Nutzer immerhin: „Das Ding mit der Fliege ist, dass sie wusste, wann ihre zwei Minuten vorbei sind.“

fsk

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