Es ist nie besonders klug, nach einer Sauftour nachts um vier die ganz elementaren Fragen mit fremden Menschen klären zu wollen. Im besten Falle führt es zu nichts. Im schlimmsten macht man sich komplett zum Idioten und wird dabei auch noch gefilmt. Diese Erfahrung hat Julian von Abele gemacht. Der Physik-Student an der renommierten New Yorker Columbia-University ist am vergangenen Wochenende einigen Kommilitonen hartnäckig über den Campus gefolgt und hat ihnen in einer ausführlichen Rede eröffnet, was die Welt den Weißen so alles zu verdanken hat: „Weiße Menschen sind das Beste, was der Welt je passiert ist“, rief er und zählte all die großen Taten auf, die Weiße angeblich der Welt angedeihen ließen: „Wir haben die Wissenschaft und die Industrie erfunden (...) Wir haben Milliarden Menschen gerettet, die sonst verhungert wären, wir haben die moderne Zivilisation aufgebaut.“

Die Gruppe von Studenten, die Ziel von Abeles Aggression war, zeigte sich von dessen Worten schockiert, manche versuchten, ihm Einhalt zu gebieten, einer warf ein, dass die Europäer neben all diesen großartigen Errungenschaften unter anderem auch die Sklaverei erfunden hätten. Doch offenbar ließ sich von Abele von Einwänden nicht abhalten.

Nachdem er die Studenten weiter über den Campus verfolgte und sie verbal und offenbar auch körperlich bedrängte, riefen die Studenten den Sicherheitsdienst der Uni, der allerdings nichts unternahm.

Mittlerweile kamen von der Universität zwei Statements zu dem Vorfall. Im ersten sprach sich die Dekanin der Universität ausdrücklich gegen Rassismus aus und betonte, dass die gesamte Universität rassistische und nationalistische Äußerungen aufs Schärfste verurteile und sich vorbehalte, gegen solche Äußerungen vorzugehen.

Auch Julian von Abele hat sich inzwischen gegenüber der Website „The Daily Beast“ geäußert und versucht, den Vorfall zu erklären: Er sei mitnichten Rassist und verdamme alle Gruppen, die solche Haltungen unterstützten. Sein Monolog sei eher aus Frustration entstanden, weil er im Laufe des Abends genug hatte, dass ihm ständig „white privilege“ vorgehalten worden sei und er habe das Gefühl gewonnen, dass mit dieser Argumentation ebenfalls Grenzen aufgebaut würden und Ansichten von Andersdenkenden herabgewürdigt. Er habe mit seiner Rede dazu aufrufen wollen, dass alle Kulturen und Rassen die Möglichkeit haben sollten, die Errungenschaften ihrer Vorfahren, ihre Kultur und ihr Erbe mit Stolz zu betrachten.

Welche Maßnahmen die Universität in dem Fall ergreifen wird, ist noch unklar. Doch auch wenn von Abele ungestraft davon kommen sollte: Das Video wurde inzwischen mehr als zwei Millionen mal angeschaut und wird ihn voraussichtlich für den Rest seines Lebens beschäftigen.

chwae

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