Horror-Urlaub: Krank auf Kuba

Manchmal wird der ersehnte Urlaub zum Horror-Trip. Heute: Dicke Zehe und leere Apotheken.
Von Jennifer Bader

Illustration: Julia Schubert

Horrorstufe: 8 von 10

Mitreisende: Pärchenurlaub

Urlaubsziel: Kuba

Wie in den Flitterwochen – so fühlte es sich an, als ich mit meinem Freund frisch verliebt das hübsche Boutique-Hotel in Havanna ansteuerte. Wochenlang hatte ich auf ihn eingeredet, bis er endlich – nicht zu 100 Prozent überzeugt – nachgab und mit mir für unseren ersten gemeinsamen Urlaub nach Kuba flog. Den Stromausfall am ersten Abend im Hotel aufgrund eines Unwetters verschmerzten wir noch lachend, auch wenn der Hotel-Besitzer uns ausdrücklich warnte, das Hotel aufgrund von Diebesbanden, die in der Gegend ihr Unwesen treiben sollten, nicht zu verlassen.

In den folgenden Tagen ging jedoch alles schief, was hätte schiefgehen können. Im Valle de Viñales , angeblich eine der schönsten Landschaften Kubas, klappte mein Freund während einer Höhlenbesichtigungs-Tour aufgrund der Hitze zusammen. Zum Glück kam nach einer Stunde zufällig eine spanische Familie mit dem Auto vorbei, die uns zurück ins Hotel brachte. An einem anderen Tag sollte es per Taxi zum traumhaften Strand „Maria la Gorda“ mit kristallklarem Wasser und Kokospalmen gehen! Mit dem romantischen Strandspaziergang in der Abenddämmerung wurde es dort leider nichts, da mein Freund von aggressiven Sandfliegen attackiert wurde. Noch vier Wochen nach dem Urlaub wurde auf seine rot-gepunkteten Beine angesprochen.

Der richtige Horror fing jedoch an, als mein großer Zeh am rechten Fuß zu doppelter Größe anschwoll, eine Ader im Bein sich blau verfärbte und ich vor Schmerzen einfach nicht mehr gehen konnte. Ich hatte Angst vor einer Blutvergiftung, nach acht Stunden Wartezeit brachte uns ein Taxi zurück in die Hauptstadt am anderen Ende der Insel. Der Krankenhausarzt im Botschaftsviertel beschloss, mir den Zeh aufzuschneiden und die entzündeten Stellen wegzuschneiden. Glücklicherweise verabreichte er mir zuvor eine Betäubungsspritze, während ihm eine Penelopé-Cruz-artige Krankenschwester assistierte, die mich in ihrem hautengen Krankenschwesterkittel und der immensen Oberweite an eine der Hauptfiguren aus einem Pedro-Almodóvar-Film erinnerte. Nach der „Not-OP“ macht wir uns auf den Weg, um ein Antibiotikum zu kaufen – was in Kuba leider relativ schwierig ist. Mit dem Taxi klapperten wir mehrere Apotheken ab. Die meisten waren oft einfach leer. Am Ende des Tages schließlich fanden wir schließlich ein Antibiotikum in einer Apotheke, mussten dann aber wieder ins Krankenhaus, um uns dort das richtige Rezept ausstellen zu lassen.  

Mit dickem Verband am Fuß – ich passte gerade so in die Trekkingsandale – beschlossen wir für unsere nächste Station eine echte einheimische Unterkunft zu testen. Wir landeten in einer riesigen Villa im Kolonialstil. Dass unser Zimmer nachts von Kakerlaken heimgesucht wurde und ich kein Auge zumachte, nahmen wir schon fast lethargisch hin. Aber das sollte noch nicht alles gewesen sein.

Um wenigstens noch einige Highlights von Kuba zu sehen, buchten wir am nächsten Tag einen Drei-Tages-Trip mit einer geführten Tour nach Cienfuegos. Alles fing gut an, als Welcome-Drink im Hotel gab es Piña Colada und eine Buena-Vista-Social-Club-Truppe spielte „Dos gardenias para ti“. Danach konnte ich leider aufgrund von Magenbeschwerden das Zimmer nicht mehr verlassen. Offenbar vertrug ich die Antibiotika nicht, so dass ich notgedrungen den Rest des Urlaubs fastete. Prinzipiell nicht weiter schlimm, denn das Standard-Essen auf Kuba, Hühnchen und Reis, konnte ich sowieso schon nicht mehr sehen.

Als meine Eltern uns nach 14 Tagen wieder vom Flughafen in Frankfurt abholten – ich hatte drei Kilo abgenommen - meinte meine Mutter nur:„Kind, du brauchst erst mal Urlaub.“ Mein Freund murmelte nur etwas von „Never come back Country“.

Rückblickend denke ich oft, dass das morbide-faszinierende Flair von Havanna , die atemberaubenden Landschaften wie das Tal von Vinales und die freundlichen Kubaner trotzdem eine Reise wert waren! Wir hatten einfach nur außerordentliches Pech. Mein Freund und ich sind übrigens immer noch zusammen.

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