„Wir sollten kontrollieren können, ob wir einen Penis sehen“

Die Programmiererin Kelsey Bressler entwickelt eine Software, die Dick Pics vor dem Öffnen löscht.
Interview von Sophie Aschenbrenner

Die Software soll Dick Pics im Vorhinein erkennen und löschen.

Foto: Viktor Szabo/Unsplash; Bearbeitung: jetzt

Es gibt viele Männer, die ungefragt Penisbilder von sich verschicken. So viele, dass der Begriff „Dick Pics“ inzwischen jeder Frau bekannt sein dürfte. Bisher konnten die Empfänger*innen sich dagegen nur schwer wehren – schließlich sieht man den Inhalt einer Nachricht vor dem Öffnen nicht. Das könnte sich bald ändern: Die Technologin Kelsey Bressler, 28, aus Seattle arbeitet gemeinsam mit einem Freund an einer Software, die Dick Pics direkt nach dem Eingang in den Posteingang löschen soll.

jetzt: Kelsey, wieso hast du dich entschieden, mit der Technik gegen Dick Pics vorzugehen?

Kelsey: Vergangene Woche hat mir ein Mann ungefragt ein Foto seines Penis geschickt. Da habe ich zusammen mit meinem Partner Manuel angefangen, die Software zu programmieren. Es ist einfach widerlich, so ein Foto zu erhalten. Das ist so respektlos und fühlt sich so an, als würde sich jemand auf der Straße vor dir ausziehen. Wir sollten kontrollieren können, ob wir einen Penis sehen wollen oder nicht. Kein Absender sollte uns dazu zwingen können.

Ihr habt einen eigenen Twitter-Account eingerichtet und Menschen gebeten, euch für einen Testlauf Dick Pics zu schicken.  Wie viele werden euch zugeschickt?

Wir haben bisher hunderte Fotos bekommen. Das ist wirklich unglaublich. Die Menschen sind ziemlich begeistert. Im Moment haben wir das Postfach geschlossen und analysieren.

Kelsey findet: Niemand sollte ungefragt Penisbilder bekommen.

Foto: Privat

Wie viele der Bilder hat die Software erkannt und gelöscht?

Fast alle wurden gelöscht. Ich würde sagen, dass etwa fünf Prozent der Penisbilder durchgekommen sind.

Welche Dick Pics sind denn durchgekommen?

Manche Leute sind wirklich ziemlich kreativ geworden. Wir haben ein Bild bekommen von einem Penis, der über und über mit Glitzer bedeckt war. Ein anderer war halb durch einen Käfig verdeckt und ist so durch unseren Filter gekommen.

Wie war es für dich, die ganzen Bilder zu sehen, vor denen du dich und andere ja eigentlich schützen willst?

Das war für mich nicht so schlimm. Ich denke, es ist viel einfacher, solche Bilder zu sehen, wenn man sie aus Forschungsgründen bekommt. Und nicht, weil jemand einen belästigen will.

Wie reagieren die Menschen auf eure Idee?

Die meisten schwanken irgendwo zwischen Schock und Begeisterung. Aber am Ende finden alle die Idee gut und sehen vor allem ein, dass so eine Software dringend notwendig wäre.

Ihr wollt die Software Twitter anbieten. Soll sie später auch für andere Chat-Dienste verfügbar werden?

Die erste Version ist nur für Twitter. Aber an sich ist die Technologie so flexibel, dass man die Software überall anwenden könnte. Ende des Jahres könnte es schon soweit sein.

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