maenner im bett cover
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Niemand von uns will ihn, viele von uns haben ihn zumindest gelegentlich: schlechten Sex. Dabei sind wir dank der Kombination aus Schulunterricht, Internet und Pornos die bisher aufgeklärteste Generation in Sachen Geschlechtsverkehr. Am Mangel von Informationen darüber, was zu tun ist, kann es also nicht liegen. Trotzdem ist vielen – und vor allem Männern! – anscheinend immer noch nicht restlos klar, welche Dinge man unter allen Umständen vermeiden sollte, will man das Liebesspiel zu einem für alle Beteiligten zufriedenstellenden Ergebnis bringen. Klar, auch Frauen können absolute Nulpen im Bett sein. Doch beim heterosexuellen Sex leben wir auch im Jahr 2017 noch immer in Zeiten von Orgasm Gap und Rollenbildern, die den Mann als Performer statuieren und die Frau als passiven Part zum ordentlich Durchnehmen. Offensichtlich gibt es also Nachhilfebedarf. Also, liebe Jungs und Männer: Lest und lernt.

1. Unkontrolliertes Abschlecken

Sex ohne Küssen ist wie Umarmen ohne Arme – geht schon irgendwie, auch wenn etwas Wesentliches fehlt. Doch tausend Mal schlimmer als zusammengepresste Lippen sind Zungen, die, einmal ausgefahren, nicht wieder eingezogen werden. Diese schlabberigen Lappen schlecken wahllos alles ab, was sich ihnen entgegenstellt: Münder, Kinne, Nasen, Augen … Bis man die ganze Spucke auf seinem Gesicht förmlich riechen kann und der Ohnmacht nahe seinem Peiniger den Mund zuhalten muss. Bitte zwing niemanden dazu. Lass deine Zunge spielen – aber behalte sie zum Wohle aller unter Kontrolle.

2. Trockenbumsen

Nein, hier geht es nicht um Sex ohne Feuchtwerden. Sondern um eine Vorspiel-Praxis, die vorzugsweise im angezogenen Zustand vollzogen wird. Phänotypisch ist es eher in die wunderbare Welt der Tiere, genauer gesagt: Hunde, einzuordnen. Wer schonmal so ein Hündchen einen menschlichen Unterschenkel hat rammeln sehen, weiß, wovon ich rede.

Das menschliche Pendant dazu spielt sein Spiel zwar weiter oben in Genitalnähe, aber leider nicht weniger lächerlich. Wenn man Glück hat, erwischt es mit seinen Vor-und-zurück-Bewegungen hin und wieder diese sensible Stelle zwischen den weiblichen Beinen. Wenn man jedoch Pech hat, rubbelt sich der Typ einen am Oberschenkel ab in der Vermutung, es würde einen scharf machen. Klar, so ein Ständer kann schon 'ne heiße Nummer sein. Aber nur, wenn er was Richtiges mit sich anzufangen weiß – und Trockenbumsen mit Hosen an gehört ganz sicher nicht dazu.

3. Kehlkopf-Rammeln

Klar, in Pornos sind die Chicks alle total heiß drauf, am Zäpfchen gekitzelt zu werden, bis einem fast der Mageninhalt hochkommt. Und dabei diese unwiderstehlichen Würggeräusche zu machen ist auch echt mega Fun. Doch bekanntlich unterscheidet sich Sex im wahren Leben von dem auf Pornhub. Darum wird es kaum verwundern, dass mir in meinem bisherigen Leben nur eine einzige Frau untergekommen ist, die darauf abfährt. Die lässt sich aber auch gerne anpinkeln und mit dem Rohrstock züchtigen. Mit anderen Worten: Sie ist extrem devot.

Genau hier liegt für den Typ auch der Reiz im Kehlkopf-Rammeln – es ist eine astreine Unterwerfungsgeste. Wenn ihr euch also nicht zufällig in einer BDSM-Session befindet und du nicht Kool Savas heißt, dann lass es. Es gibt genug andere Wege, deine Männlichkeit und die Größe deines Dings zu feiern, als über das Hervorrufen von Brechreiz.

4. Blasen ja, Lecken nein

Ein wenig orales Vergnügen gehört für die meisten von uns fast so sehr zu gelungenem Sex wie das Happy End. Doch während viele Frauen äußerst freigiebig mit Blowjobs sind, sind die wenigsten Männer dazu bereit, sich zu revanchieren. Sie lassen ihre Zunge derart selten spielen, dass man sich, wenn es doch mal geschieht, glatt kneifen will. Dabei stehen Männer doch sonst in dem Ruf, besessen von Muschis zu sein.

Einzige Erklärung: Das Patriarchat ist schuld. Denn kann sich jemand eine Frau vorstellen, die sich diese absurde männliche Verhaltensweise aneignet, den Kopf des Sexpartners einfach mal in Richtung des eigenen Schritts zu drücken, um zu zeigen, was jetzt ansteht? Klar, man kann darum bitten, dass der Kerl auch mal rangeht und nicht nur an sein eigenes Vergnügen denkt. Aber netter, nein, einfach nur angemessen wäre es, wenn sich der Oral Gap ganz von allein schließen würde. Aus purer Nächsten- und Pussyliebe.

5. Einfach eindringen

Sie will es doch auch, ne? Schon klar. Aber selbst bei einvernehmlichem Sex ist das Ding oft viel zu schnell drin – obwohl für einen von beiden noch eine Weile Knutschen und Fummeln angenehmer gewesen wäre. Jemanden in seinem Körper aufzunehmen, ist eine hochintime Sache und die größtmögliche körperliche Entgrenzung. Darum sollte niemand anderes als diejenige Person, um deren Körperöffnungen es hier geht, über ihre Verfügbarkeit bestimmen.

Bevor du ihn also beim nächsten Mal einfach reinsteckst, wenn dir der Zeitpunkt dazu geeignet erscheint, lass es die Frau machen, wenn sie dazu bereit ist. Oder frag nach, ob sie schon will. Nein, Fragen machen die sexy Stimmung nicht kaputt. Was sie in Wirklichkeit kaputt macht, sind Typen, die meinen, sich einfach nehmen zu können, was sie wollen.

 

6. Lautlos verkehren

Ja, vielleicht schlafen nebenan die Mitbewohner. Oder noch schlimmer: die Eltern. Aber das ist noch lange kein Grund, beim Sex so still zu sein, als sei dir ein Auftragskiller auf den Fersen – ein Mal zu laut ausgeatmet, schon klebt dein Hirn an der Wand. Deine Lustschreie müssen vielleicht nicht unbedingt die Bewohner von drei Blocks nachhaltig verstören. Aber eine etwas beschleunigte Atmung und ein paar Seufzer der Erregung sollten drin sein. Denn wenn Menschen beim Sex absolut keine Geräusche von sich geben, lässt das nur einen Schluss zu: Das, was hier passiert, ist von maximal mittelmäßiger Qualität.

Sollte das nicht auf dich zutreffen, wäre es vorteilhaft, das auch zu zeigen. Nicht nur, weil Stöhnen dein Gegenüber rattenscharf machen könnte. Sondern auch, weil es sonst fälschlicherweise noch denkt, du hättest keinen Spaß. Und mit so jemandem spart man sich das nächste Mal dann doch lieber.

7. Augen zulassen

Es gibt Menschen, die machen beim Sex gern das Licht aus, weil sie einen Pickel am Po haben oder zwei Falten am Bauch. Genau sie müsste man mit einem dieser Typen zusammenbringen, die beim Anbahnungs-Knutschen die Augen zumachen und sie erst wieder öffnen, nachdem alles schon vorbei ist. Welcher Film in der Zwischenzeit vor seinem inneren Auge abgelaufen ist und ob die Frau, die da gerade unter ihm liegt, nur in einer winzigen Nebenrolle vorkommt, wird für immer sein Geheimnis bleiben. Dafür wird er nicht mitbekommen, ob sie nach seiner Hand greifen will oder gleich anfängt zu kotzen. Klar, nur die Hartgesottenen unter den Tantra-Göttern halten es aus, sich stundenlang in die Augen zu gucken. Doch Sex so ganz ohne Blickkontakt ist fast wie Sex mit sich selbst: auch eine gute Sache – aber jemand anderes ist dafür echt nicht nötig.

8. Nicht anfassen

Dass wir mehr sind als unsere primären Geschlechtsorgane, würde jeder Trottel unterschreiben. Doch sobald eins davon ins andere gelangt, entwickelt sich der männliche Körper nur allzu oft zu einer Penetrations-Maschine, die sich komplett ihrem Unterleib verschreibt. Sex ohne Anfassen ist nichts weiter als eben das: rein und raus, auf und nieder, hin und her. Wer sich dann fragt, wo das Feuerwerk bleibt – es ist da, wo man Brüste einbezieht und Hintern und Bäuche. Wo man an Hälsen riecht und durch Haare krault. Wo man die Hände ineinander verschränkt oder die Füße. Wo man, egal wie, auch den Rest des Körpers teilhaben lässt an diesem Fest. Penetrations-Maschinen findet man bei Bedarf auch im Fachhandel.

9. Einfach drauf loskommen

Was auch immer sich die Natur dabei gedacht hat, den Großteil der Männer mit der Fähigkeit auszustatten, nach zwei Minuten Kopulation einen Orgasmus zu bekommen, und den Großteil der Frauen nicht, bleibt ein ewiges Rätsel. Was Typen sich dabei denken, einfach zu kommen, ohne einen Gedanken an den Orgasmus der Frau zu verschwenden, ebenfalls. Denn während für den Kerl nach seinem Höhepunkt erstmal alles aus und vorbei ist, kann die Frau noch und nöcher kommen. Theoretisch, jedenfalls. Praktisch kann sie echt froh sein, wenn sie es überhaupt schafft, ein Mal pro Sexualkontakt zu kommen – Stichwort „Orgasm Gap“. All den Experten, die finden, man solle sich in erster Linie selbst um seinen Orgasmus kümmern, empfehle ich: Dann macht es euch doch bitte ebenfalls selbst und erwartet nicht, dass man euch dafür Körperöffnungen zur Verfügung stellt. Denn Sex macht nur mit Gegenseitigkeit richtig Spaß.

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