Sex am Strand ist nicht romantisch

Sondern wird zum schmerzhaften Intimpeeling. Und auch andere „exotische Orte“ machen Sex nicht besser.
Typologie von Karina Geipel

Illustration: Julia Schubert

Im Liebesleben kann und muss man manchmal etwas Neues ausprobieren. Etwas mehr Experimente, etwas mehr Nervenkitzel, was ganz besonders Heißes. Das Erste, woran viele denken, ist ein Schauplatzwechsel: raus aus dem Bett. Leider ist das ziemlich oft sehr viel schwieriger als gedacht und manchmal mit einem hohen Frustrationslevel verbunden. Wir haben die gängigsten außergewöhnlichen Orte, an denen man unbedingt mal Sex gehabt haben muss, miteinander verglichen.

Sex am Strand

Illustration: Julia Schubert

So stellst du es dir vor:

Mit sanften Möwengeschrei und Wellenrauschen im Hintergrund verkriecht ihr euch hinter einer Düne. Richtige Romantiker bleiben in der Brandung liegen, denn von hier aus, könnt ihr bis zum Ende der Welt schauen. Wart ihr euch schon jemals so nah, wie in diesem Moment? Die Blätter einer Palme breiten schützend ihren Schatten über euch aus und ihr versinkt in grenzenloser, salziger Liebe ...

So wird es wirklich:

Das sanfte Möwengeschrei ist eher Gekreische, weil das Vieh weiß, dass du noch ein halbes Fischbrötchen im Rucksack hast. Die sanften Wellen kommen mit jeder neuen Woge bedrohlich näher und ihr beginnt zu zweifeln, ob ihr den Gezeitenkalender richtig studiert habt. Die Palmenblätter sind leider so trocken und mickrig, dass ihr euch alle paar Minuten mit dem Schatten mitbewegen oder schwerere Hautschäden durch die Sonneneinstrahlung in Kauf nehmen müsst. Außerdem kann vermutlich jeder, der schon einmal Sex am Strand hatte, bestätigen, dass es gar nicht mal so geil ist, gewisse Körperteile zu peelen, die einfach kein Peeling benötigen.

Unbedingt beachten:

Die nächste große Welle kommt bestimmt. Und zwar nicht sinnbildlich, sondern wörtlich – sie reißt euch mit und ihr werdet zurück an den Strand gespült. Wie zwei fette Robben. Also lieber ab hinter die Düne mit euch.

Das sagst du danach:

„Es fühlt sich schön an, wieder einen ganz weichen Babypopo zu haben.“

Alternativ könnt ihr auch:

Sex im Pool haben. Na, Lust bekommen auf lasziv vorüberziehende Schwimmnudeln?

Sex im Kino

Illustration: Julia Schubert

So stellst du es dir vor:

Während das Licht langsam ausgeht, blickst du dich um und stellst fest, dass die anderen Menschen ganz weit weg von euch sitzen. Während im Saal das Licht langsam ausgeht, sucht ihr den Augenkontakt. Das Knistern und die Anspannung ist schier grenzenlos und sobald sich die Helden auf der Leinwand gegenseitig die Köpfe einschlagen, geht’s bei euch so richtig heiß her. Keiner sieht euch, keiner hört euch ...

So wird es wirklich:

Es mag dich wundern, dass der Klebrigkeitsfaktor eines Kinosaalbodens nicht nur durch verschüttete Cola, zertrampeltes Popcorn und der Kotze eines Kleinkinds, das das neueste Pixar-Meisterwerk in 3D nicht vertragen hat, bestimmt wird. Ihr seid nicht die ersten, die auf die Idee gekommen sind, sich im Halbdunkeln zu vergnügen. Also behauptet nicht, wir hätten euch nicht gewarnt, wenn euch beim Rummachen fremde M&M’s zwischen die Pobacken kullern und ihr in die verschüttete Käsesaucenschlonze eures Vorgängers greift.

Unbedingt beachten:

Kinositze sind voller Bakterien, teilweise können sich auf einem Sitz mehr Mikroben tummeln als auf einer Toilette oder in einem öffentlichen Transportmittel. Ihr vögelt also auf einer Schicht aus Essensresten und menschlichen Hautpartikeln, gespickt mit Krankheitserregern.

Das sagst du danach:

„Das war der schönste Film meines Lebens.“

Alternativ könnt ihr auch:

Sex auf einer Club-Toilette haben. Da ist es auch laut und dunkel und maximal unhygienisch, aber weil ihr euch da wenigstens die Kante geben könnt, kriegt ihr’s vielleicht gar nicht so mit.

Sex im Flugzeug

Illustration: Julia Schubert

So stellst du es dir vor:

Verschmitzt lächelnd folgst du deinem Partner, der vor zwei Minuten die Flugzeugtoilette aufgesucht hat. In einem unachtsamen Moment der Flugbegleiterinnen schlüpfst du zu ihm durch die Tür hindurch. Noch nie wart ihr so nah beieinander. Das Dröhnen der Motoren bringt dich in Fahrt. Du umschließt deinen Partner mit deinen Beinen und Armen und genießt die wilde Zweisamkeit.

So wird es wirklich:

Sex im Flugzeug ist was für alle, die in den 70ern hängen geblieben sind. Damals verfestigte sich die Vorstellung des mystischen Ortes, ganz weit über der Erde, eingepfercht in einem kleinen Raum, ohne viele Spielmöglichkeiten, in der Öffentlichkeit. Hey – was soll schon schiefgehen? Bahn frei für den Mile-High-Club! Oder? Äh...tschuldige, aber hast du jemals Flugzeugklos gesehen? Sie sind nicht gerade bekannt für ihre großzügigen Räumlichkeiten. Es ist ein bisschen wie Sex in einem Vorratsschrank. Aber stell dir vor, dass überall Wasserhähne und Griffe und Knöpfe rausragen, die dir in deinen Allerwertesten stechen. Und während heftiger Turbulenzen in der Ecke zwischen Abfallklappe und Klodeckel eingeklemmt zu werden, wo du, wenn du genau darüber nachdenkst, eigentlich niemals eingeklemmt werden wolltest, klingt gar nicht mehr so verlockend und verführerisch.

Unbedingt beachten:

Inszeniert einen Streit oder gebt den Zuhörern, die ihr sowieso habt, einen anderen Grund, weswegen ihr euch beide auf der Toilette aufhaltet. Sie kriegen’s ja sowieso mit.

Das sagst du danach:

„Das war noch nie so eng.“

Alternativ könnt ihr auch:

Einfach an jeder x-beliebigen Flughafentoilette rummachen. Ist meistens größer, und sogar anonymer. Wahrscheinlich auch sauberer.

Sex unter der Dusche

Illustration: Julia Schubert

So stellst du es dir vor:

Das warme Wasser rinnt an euren nackten Körpern entlang. Langsam seift ihr euch gegenseitig ein und berührt euch überall. All diese Berührungen jagen dir einen wohligen Schauer über den Rücken, obwohl das Wasser dich wärmt. Ineinander verschlungen genießt ihr das sommerregenartigen Tröpfeln über euren Köpfen ...

So wird es wirklich:

Sex in der Dusche lehrt dich auch auf unvergessliche Art und Weise, dass Wasser als Gleitmittel scheiße und es mindestens genauso großer Mist ist, nach und nach Wasser tief in dein Innerstes gepumpt zu bekommen. Das Wasser reicht prinzipiell immer nur für einen Körper, während der andere im Spritzwasser daneben steht und friert. Verabschiedet euch von der Idee, die richtige Temperatur für euch beide zu finden. Das gegenseitige Einseifen ist auch meistens nur in Hollywood sexy, aber spätestens, wenn die Poritze oder die Achseln gut durchgeschrubbt werden müssen, hört die Romantik auf. Und dann versucht mal merkwürdigen, klaustrophobischen Sex auf 90 mal 90 Zentimetern zu genießen, während die Sintflut sich von oben auf euren Köpfen ergießt und ihr verzweifelt nach Luft japst.

Unbedingt beachten:

Genau genommen zählt die Dusche nicht zur Öffentlichkeit, also könnt ihr darunter machen, was ihr wollt. Aber Vorsicht: Es gibt schönere Dinge, als während eines heiß-nassen Liebesspiels das Gleichgewicht zu verlieren und ungebremst in Richtung Keramikplatte zu fliegen.

Das sagst du danach:

„Wir brauchen eine größere Dusche.“

Alternativ könnt ihr auch:

Sex in der Badewanne haben. Ist weniger gefährlich.

Sex am Arbeitsplatz

Illustration: Julia Schubert

So stellst du es dir vor:

Oh lala ... so etwas Verbotenes. Während eure Kollegen zum Mittagessen gehen, schleicht ihr euch in den Kopierraum. Begrüßt werdet ihr von einem romantischen Ambiente mit Energiesparlampenlicht und Öko-Druckerpapier. Egal, ob auf dem Boden, oder auf dem Kopierer – lustvoll überfällst du diesen einen Kollegen, von dem du seit Wochen träumst ...

So wird es wirklich:

Während einige Mittagessen gehen, kommen andere schon zurück. Euch bleibt also nicht viel Zeit. Der Raum ist meist recht klein, nicht abschließbar und auch sonst kaum bequem eingerichtet. Auf dem Boden liegen das Streusalz und die Kieselsteinreste, die die Kollegen mit ihren Schuhen gleichmäßig verteilt haben. Von „lustvoll“ kann also keine Rede sein, denn der panische Kontrollblick in Richtung Türgriff wird wohl immer bleiben. Niemand will sich ausmalen, wie der Chef reagiert, wenn er das herausfindet. Oder der Putzmann. Oder der Sicherheitsdienst.

Unbedingt beachten:

Sicherstellen, dass kein Kollege seinen Kaffee oder das Handy vergessen hat.

Das sagst du danach:

„Ja, wir hatten heute nicht so richtig Hunger.“ (suuuper unauffällig)

Alternativ könnt ihr auch:

Sicherstellen, dass ihr mit dem Chef oder der Chefin vögelt. Dann habt ihr vielleicht ein eigenes Büro und minimiert das Risiko einer Kündigung.

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