"Es passt einfach nicht"

Eine Affäre ist unkompliziert. Aber was, wenn einer von beiden nicht mehr will? So was ähnliches wie Schlussmachen muss man trotzdem. Über den komplizierten "Mini-Breakup".
Von Eva Hoffmann

Muss man eine Beziehung beenden, die offiziell gar keine ist? Und wenn ja: wie?

Foto: Phoenixie / photocase.de

"Ach, wir denken nicht in diesen Schubladen." Ich hatte Lauras neue Bekanntschaft als Affäre bezeichnet. Abends winkte er ein flüchtiges "Hallo!" ins WG-Wohnzimmer, morgens schlich er mit einem leisen "Tschüssi!" aus der Wohnung. Klassische Affäre eben. Damals erntete ich einen verächtlichen Blick. Laura fand mein Label spießig, ihr Verhältnis zu Jonas sei einfach nur "unkompliziert". 

Offen und unkompliziert. Das war es auch. Zumindest am Anfang. Laura lernte Jonas beim Open-Stage-Abend in einer Kellerbar kennen. Als das Geschrammel unerträglich wurde, nahm sie ihn mit zu uns nach Hause. Für Jonas gab es am nächsten Morgen keinen Kaffee, dafür Lauras Handynummer. Damit war der Grundstein für die nächsten Wochen gelegt: Keine zu tief rührenden Gespräche, keine Spieleabende mit Freunden und eben auch kein WG-Frühstück.

Jonas Besuche wurden regelmäßiger. Dann kam die Einladung zum gemeinsamen Tatort-Abend mit seinen Freunden. Tatort-Abende sind ernst. Jedenfalls liegen sie deutlich außerhalb der Affären-Zone. Plötzlich bekam Laura Panik. Sollte sie bald den Eltern vorgestellt werden? Eigentlich wäre jetzt der richtige Zeitpunkt, das Verhältnis zu beenden. Aber kann man eine Beziehung beenden, die offiziell gar keine ist? Muss man das überhaupt? Und vor allem, wie?

Es gibt verschiedene Optionen, wie man aus einer Affäre rauskommt. Entweder wird eine richtige Beziehung draus, dann sind beide glücklich. Oder einer zieht weg. Dann ist das ein natürliches Ende und meistens auch für beide okay. Manchmal hat aber auch einer von beiden einfach keine Lust mehr. So wie bei Laura und Jonas. Dann muss er oder sie Schluss machen, oder jedenfalls sowas ähnliches. Nennen wir es den "Mini-Breakup". Und der ist das Komplizierteste an dieser ansonsten unkompliziertesten aller Beziehungsformen.

Das Unkomplizierte ist der Reiz jeder Affäre. Es bedeutet aber auch, dass man eigentlich keine Ahnung hat, wie der andere zu einem steht. Will er wirklich nur Sex? Braucht er Ablenkung nach einer schlimmen Trennung? Oder sucht er in Wahrheit nach der großen Liebe, traut sich aber nicht, das zuzugeben?

Eine Affäre kennt man ja kaum – was soll man da groß Gefühle erklären, außer "es passt einfach nicht"?

Diese Undefiniertheit einer Affäre macht den Mini-Breakup manchmal komplizierter als den Schlussstrich in einer richtigen Beziehung. Da gibt es meist einen konkreten Anlass: Betrug, Differenzen beim Kinderwunsch, Alltagsterror. Es folgen Tränen, eine Wiedervereinigung, dann doch die Trennung - eine intensive Auseinandersetzung mit dem Partner und der harten Entscheidung.

Beim Mini-Breakup, dem ja normalerweise nicht mehr als ein paar Wochen gemeinsamer Abenteuer im Bett vorausgegangen sind, fallen die Argumente oberflächlich aus. Man kennt sich nicht besonders gut und kann die Gefühlslage kaum besser als mit einem "es passt einfach nicht" erklären. Die Gegenfrage "Aber warum?" verbietet der Stolz - wer will schon zugeben, dass er sich von einer Affäre mehr erhofft hätte. Auch Jonas hat nie gefragt. "Klar, easy, ganz unkompliziert", sagte er. Das entsprach den Spielregeln.  

Mochte Laura womöglich einfach keinen Tatort? Jonas wird es nie erfahren. Die Konsequenzen eines Mini-Breakups sind wie bei einer wirklichen Trennung: Kontaktabbruch, keine nächtlichen Anrufe mehr und Freundschaft erst wieder in einem halben Jahr. Das Gute daran: Nach einem Mini-Breakup fällt man auch nur in ein Mini-Loch. Und kann sich von dort aus ganz bald wieder in die nächste Mini-Beziehung stürzen.

Der große Trennungsguide: