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Das ABC der Fitness-Apps

Foto: cw-design / photocase.com; Bearbeitung: jetzt

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Sport ist heute überall möglich. Der Grund: Fitness-Apps. Fitnessstudio, Laufstrecke oder Yogastudio – das alles gibt es mittlerweile im praktischen Taschenformat. Doch was unseren Alltag erleichtern sollte, verfolgt uns geradezu und schikaniert uns auf den unterschiedlichsten Wegen. Die Alltagsfallen des App-Trainings von A bis Z.

A wie Ansporn durch Punkte

Die meisten Apps haben Belohnungspunkte. Je besser oder schneller man Workouts und Herausforderungen meistert, desto mehr Punkte bekommt man und landet auf irgendeinem Platz einer Ranking-Liste. Oder man bekommt virtuelle Pokale überreicht, die in der App aufblinken, um einem mitzuteilen, dass man seinen Geschwindigkeitsrekord gebrochen hat. Gut gemeint, aber halt auch nur halb wirksam: Weil die App-Macher da verkennen, dass das Prinzip schon mit den Fleißbildchen in der Schule nicht funktioniert hat. Und dass man eigentlich doch einfach nur froh ist, wenn man die jeweilige Sporteinheit hinter sich gebracht hat – egal, ob mit oder ohne Belohnungspunkte (Siehe auch Motivations-Neid-Dilemma).

B wie Busen-Hopping

Kennt jede Frau mit größeren Brüsten und ist vor allem bei besonders dynamischen Übungen in Freeletics-Gruppen ein Problem. Denn während des ganzen Rumgehüpfes und Gerennes springen auch ganz andere Körperteile ungewollt in die Höhe. Ja, auch mit Sport-BH.

C wie Cardio-Hölle

Ständig diese Cardio-Workouts. Sie sind lästig, anstrengend und unbeliebt. Wären sie nicht unumgänglich, um die Ausdauer zu verbessern und damit auch fitter zu werden, würde sie vermutlich jeder einfach überspringen. Stattdessen hüpft man wild wie ein Frosch durch die Wohnung, weil es ein kleiner Computer mit Sprachfunktion von einem verlangt. Da das alles auch noch schnell gehen soll, sieht man zusätzlich recht unelegant dabei aus. Ungefähr so, wie man sich ein Hängebauchschwein auf Speed vorstellt: Gehetzt, dennoch schmerzhaft langsam und alles wackelt (Siehe auch Kondition).

D wie Diät-Konflikt

Dieses Gefühl, wenn man alle Übungen geschafft hat: wundervoll. Endlich kann man sich wieder guten Gewissens aufs Sofa fallen lassen. Eigentlich wollte man für das neue, sportliche Selbst auch einen neuen Ernährungsplan aufstellen. Aber nach der ganzen Arbeit kann man sich ja mal etwas Kleines gönnen. Zum Beispiel Pizza. Mit doppelt Käse. Und eine Cola. Und ein Eis zum Nachtisch.

E wie Endgegner

Meint jene unbezwingbare Aufgabe, die jede Fitness-App irgendwo bereithält, die wir vermutlich aber niemals richtig schaffen werden, egal wie sehr wir uns bemühen (Siehe auch Halbe Sachen und Inkompetente Ausführung).

 

F wie Fitnesslevel-Fail

Bevor man überhaupt irgendetwas machen darf, fragt einen der Drill-Instructor im Taschenformat nach dem eigenen Fitness-Level. Ergibt Sinn: Wie soll er einem sonst das passende Workout-Paket zusammenstellen? Womit man allerdings weniger rechnet: dass die App womöglich eine ganz andere Vorstellung von Fitness hat als man selbst. „Ich bin mäßig fit“ bedeutet hier nämlich: „Ich laufe regelmäßig Marathon und Triathlon und auf dem Mount Everest war ich auch schon“. Heißt: Nach Übung zwei im ersten Workout schnappt man nach Luft, während der Schweiß flussartig an einem herabrinnt (Siehe auch Kondition).

G wie Gruppendynamik

Fitness-Apps sind super, um sich von einer Gruppe mitreißen zu lassen. „Fabian ist gerade 11 Kilometer gelaufen“, blinkt dann auf als digitaler Wink mit dem Gruppenzwang-Zaunpfahl. Funktioniert vor allem anfangs gut, birgt aber auch das Risiko, Freundschaften zu vernichten. Noch eine Schattenseite der Gruppendynamik von Freeletics und Co.: das Blamage-Risiko. Eigentlich sollten regelmäßige Treffen mit einer Gruppe zur Motivation beitragen, das Programm auch wirklich durchzuziehen. Beim ersten Treffen würde man sich allerdings am liebsten heimlich wieder davonschleichen. Man lacht nicht, wie erhofft, mit den anderen über die gemeinsame Unsportlichkeit, sondern beobachtet, wie topmotivierte Sportler ein Workout nach dem anderen durchziehen – während man selbst nach dem Warm-Up erstmal eine Pause braucht. Vielleicht – so redet man sich zumindest ein – trainiert man sich erst einmal ein bisschen Ausdauer an und geht dann wieder zur Gruppe. Aber selbst, wenn man die Gruppe nicht mal trifft, sondern nur deren Leistung in der App verfolgt, schämt man sich für seinen eigenen, doch eher bescheidenen, Erfolg.(Siehe auch Ansporn durch Punkte).

H wie Halbe Sachen

Manchmal ist die Luft einfach raus. Dennoch will man das Workout irgendwie zu Ende bringen. Mit allen Mitteln. Und dann ist es einem egal, ob man sich bei den Übungen bereits an Möbelstücken hochzieht oder die letzten Sekunden der Sprintübung mehr joggt als wirklich rennt. Hauptsache, man hat es durchgezogen. Irgendwie (Siehe auch Inkompetente Ausführung).

I wie Inkompetente Ausführung

Manche Übungen gehen einfach über die eigene Kondition und Beweglichkeit hinaus – oder man hat einfach gerade keinen Bock auf diese dämliche Aufgabe. Und eine App ist eben kein echter Yoga-Lehrer, der einen sanft, aber bestimmt in die richtige Position drückt. Was einem aber bisweilen auch ganz recht sein kann, weil niemand die inkompetente Ausführung kritisiert (Siehe auch Endgegner und Halbe Sachen).

J wie „Jetzt nur noch eben Sport“

Hahahahaha. Es ist nie „nur eben“ Sport, sondern ein einziges Gehechel, Geschwitze und Genörgel, gefolgt von einem ständigen Kopfschütteln, weil man seine Unsportlichkeit nicht fassen kann.

K wie Kondition oder „Kann ich endlich aufhören?“

Es tut weh. Die Oberschenkel, der Rücken, der Hintern. Wann ist diese Hölle endlich vorbei? Ein Blick auf den Bildschirm: Noch 30 Squats, 40 Situps, 70 Jumping Jacks und ein Halbmarathon. Es kommt einem vor, als hätte man noch nie vorher Sport gemacht (Siehe auch Cardio-Hölle).

L wie „Lieber morgen“-Lücke

Apps lassen Ausreden nicht gelten: Stress in der Arbeit, Stau, ein Freund, mit dem man sich schon lange mal wieder treffen wollte? Zählt alles nicht. Erbarmungslos sendet die App ihre Nachrichten, die dich dran erinnern sollen, dass Sport oberste Priorität hat. „Na, wie wärs mit einer Runde laufen?“ Oder noch schlimmer: „XY ist heute schon 18 Kilometer gelaufen. Das kannst du auch!“ An der Stelle in deinem Gehirn, an der die Wortkombination „Lieber morgen“ verankert ist, soll nach dem Willen der App und ihrer Macher bald eine Lücke klaffen. Ist man allerdings einer gewisse Routine verfallen, in der man diese Nachrichten nur noch ignoriert, ist das Ende der App nicht mehr weit (Siehe auch Plansterben, Motivations-Neid-Dilemma und Nie wieder).

M wie Motivations-Neid-Dilemma

Spitzenzeiten anderer App-Nutzer sollen uns motivieren. Das ist zwar nett gemeint, führt einem aber meist eher vor Augen, wie schlecht man eigentlich ist. Der Kollege ist heute schon 12 Kilometer gelaufen, man selbst hat gerade mal 1,4 Kilometer in 15 Minuten geschafft. Möglicherweise wird man da auch schon mal neidisch und der ursprünglich angestrebte Motivationseffekt verwandelt sich in sein Gegenteil (Siehe auch Ansporn durch Punkte und Gruppendynamik).

N wie „Nie wieder!“

Erster Gedanke, wenn man sich am Tag nach dem Workout mit Muskelkater aus dem Bett schleppt. Artverwandt mit dem „Lieber morgen“-Gedanken, fällt genau wie dieser aber bald der Gnadenlosigkeit der App zum Opfer.

O wie Ohne Netz

Vor allem Apps für das Lauftraining brauchen ein ordentliches GPS-Signal. Wenn man also ab und an in der Natur und nicht in der Großstadt laufen will, kommt es hin und wieder vor, dass die App deinen Weg nicht vollständig nachvollziehen kann. Was einem als Läufer weh tut wie ein Stich ins Herz. Denn die Qualen der letzten Kilometer werden nicht angerechnet, das senkt den Durchschnitt, den Platz im Ranking und lässt einen schlechter aussehen als man ist. In diesem Moment spürt man besonders, wie absurd abhängig man vom Lob eines kleinen Programms auf dem Smartphone sein kann.

 

P wie Plansterben

Die Apps schlagen einem freundlicherweise Trainingspläne vor. Man nimmt sich also vor, in vier Wochen fünf Kilometer zu schaffen oder ein Workout ohne Pause durchzustehen. Nach drei Wochen gibt man sich zusätzliche zwei Wochen – man will es ja nicht übertreiben (Siehe auch Fitnesslevel-Fail). Nach Ablauf der eigens gesetzten Frist akzeptiert man dann einfach sein Versagen. Das wird sich schon irgendwann werden, redet man sich ein. Der ursprüngliche Plan ist tot (Siehe auch „Lieber morgen“-Lücke).

 

Q wie Qualen-Kurve

So wirklich kommt nie der Moment, in dem man es bei den Workouts wirklich einfach hat. Dafür sorgt das Bewertungssystem der App. Eigentlich eine gute Sache. Wäre da nicht immer wieder dieses Rumgequäle. Denn sobald man angibt, dass das letzte Workout vergleichsweise easy war, legt die App beim nächsten Mal zwei (oder drei oder vier) Schippen drauf. Die Qualen-Kurve zeigt steil nach oben. Wäre ja sonst auch zu einfach (Siehe auch Kondition und Warm-Up-Panik).

 

R wie Rechnungs-Phobie

30 Minuten Intervall-Training und gerade mal 400 Kalorien verbrannt?! Auch das ständige Drücken auf den Aktualisierungs-Button bringt immer wieder das gleiche Ergebnis: Tatsächlich, man hat nach der ganzen Tortur nicht einmal sein Frühstück abgebaut. Und für einen Kilometer soll man zehn Minuten gelaufen sein?! Das trägt nicht gerade zur Motivation bei. Deshalb versucht man die ganze Mathematik direkt außen vor zu lassen – das Ergebnis gefällt einem ja sowieso nicht (Siehe auch Ansporn durch Punkte).

 

S wie Schamgefühl

Die Gym-Mitgliedschaft hat auf Grund von Motivationsmangel nicht funktioniert, in der Sportgruppe kam man sich neben den ganzen durchtrainierten Menschen dämlich vor und Youtube-Videos waren auch nicht das Wahre. Die Fitness-App soll es nun als letzte Instanz reißen. Allerdings gibt man nur ungern zu, dass man jetzt schon ein voll automatisiertes Programm braucht, damit man seinen Hintern hochkriegt. Den Kollegen erklärt man diesen Schritt als reine Übergangsphase bis man ein vernünftiges Fintessstudio oder einen Yoga-Kurs, die die eigenen Ansprüche erfüllen, gefunden hat.

 

T wie Toter-Mann-Übung

Die einzige Übung, die in keiner App enthalten ist, die aber garantiert jeder App-Nutzer früher oder später durchführt. Manchmal scheinen der Boden und Rückenlage mit allen Vieren weit von sich gestreckt eben sehr viel einladender als noch einen einzigen Liegestütz zu machen. Im Hintergrund hört man währenddessen die Minutenansagen der App, die einen eigentlich darüber informieren soll, wie lange man für die Übung braucht, einem aber eigentlich nur verrät, dass man bereits seit drei Minuten einfach nur regungslos auf dem Boden liegt (Siehe auch Inkompetente Ausführung).

 

U wie Überschwängliche Reden

„Ich werde so schlank und fit sein – wirst schon sehen“. Jaja, das hätte man gerne so. Zwei Wochen drin und man freut sich, wenn man sich dazu aufraffen konnte, zumindest eine Wochenaufgabe zu machen. Bei Nachfragen anderer versucht man kleinlaut auszuweichen oder nuschelt irgendetwas vor sich hin und macht sich dann ganz schnell aus dem Staub (Siehe auch Plansterben).

 

V wie Verbesserung

Ein kleiner Trost, den man nach dem ganzen Gestrampel und Gehüpfe hat: Ab einem gewissen Moment merkt man tatsächlich eine Verbesserung – und sei es nur, dass man das Aufwärmen ohne Pause und Hyperventilieren schafft (Siehe Warm-up-Panik). An guten Tagen sieht man sogar leicht die Muskeln hervorkommen.

 

W wie Warm-Up-Panik

Tag 1. Man geht voll motiviert an die Sache ran. Das Warm-Up geht los, man ist total in der Materie drin – für genau zwei Minuten. Von da an ist es nur noch die Hölle. Wenn das nur das Aufwärmen war, was kommt dann danach (Siehe auch Kondition und Qualen)?

 

X wie X-Hop

Simple Übung und Teil des Anglizismen-Chaos von Fitness-Apps. Theoretisch muss man einfach nur ein X springen, der Begriff selbst lässt einem im ersten Moment allerdings erst einmal verwirrt zurück. Etwas, was einem öfters passiert: Englische Begriffe, die einem um die Ohren geknallt werden, ohne dass man auch nur ansatzweise eine Ahnung hat, was da von einem verlangt wird. Kleines Beispiel: Jumping-Jacks. Hätte es „Hampelmann“ nicht auch getan?

 

Y wie Yoga-Falle

Die Musik, die Stimmlage der Trainerin, die Bewegungen: alles in der Yoga-App ist ruhig und geschmeidig. Der Sport wirkt geradezu einladend. So ein bisschen dehnen und strecken kann ja nicht so schwierig sein. Falsch gedacht! Es ist anstrengend! Und wie! Nur weil alles vergleichsweise langsam passiert, muss man trotzdem seinen ganzen Körper einsetzen – und hat am nächsten Tag Muskelkater an Stellen, von denen man gar nicht ahnte, dass man da Muskelkater haben kann (Siehe auch Qualen).

 

Z wie Zirkeltraining

Der Albtraum eines jeden Schülers (gleich nach Ausdauerlauf um den See/durch den Wald/auf dem Sportplatz). Seitdem man sich aber als Erwachsener fit halten will, ist das Zirkeltraining unumgänglich. Denn tatsächlich bestehen die meisten Apps aus nichts Weiterem als aus eben solchen Zirkeltrainings. Sie unterscheiden sich also nicht groß von dem, was bereits Oma und Opa im Sportunterricht machen mussten – nur ohne miefigen Medizinball.

 

 

   

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