Wir brauchen mehr Poldis!

Ein Lebenskonzept, nicht nur für die Nationalelf.
Von Sophie Schriever
Lukas Podolski
Foto: AFP

Seit Jogi Löw gestern den vorläufigen Kader für die EM bekanntgegeben hat, dreht sich die Diskussion nicht um die Neuzugänge – wie sonst immer. Eigentlich reden alle nur über Lukas Podolski. Und fragen sich, warum der inzwischen 30-Jährige immer noch zu jedem Turnier mitgenommen wird, obwohl er von Mal zu Mal weniger spielt. Bei der vergangenen WM stand er in zwei Spielen auf dem Platz – in Summe 53 Minuten lang. 

Man kann sich also natürlich fragen, was das soll. Allerdings gibt man dann zu erkennen, dass man das Poldi-Prinzip noch nicht verstanden hat. „Der Lukas ist auch eine Persönlichkeit“, sagte Löw in der Pressekonferenz nach Bekanntgabe des neuen Kaders. Was er damit sagen will: Fußball spielen können sie alle – Podolski hat sich auf das Neben-dem-Platz spezialisiert. Ob er nun Journalisten in den Pool wirft oder FC-Köln-Fangesänge aus dem Off in Schweinsteigers Interview singt – wo Poldi ist, ist fast immer auch Nebenschauplatz. Oft auch in eher prollig-halbintelligent, was bitte uneingeschränkt positiv gemeint ist. Außerdem möchte wohl jeder gerne einen Menschen um sich haben, der offenbar sein ganzes Leben von einem süßen Labrador und einem noch süßeren Podolski-Miniformat umgeben ist – zumindest, wenn man seinem Twitterprofil Glauben schenken darf.

Und wenn Lukas dann mal wieder auf dem Platz steht, dann bekommt man den Eindruck, dass er immer noch vor allem deshalb Fußball spielt, weil es einfach so unglaublich viel Spaß macht.

Und bevor jetzt jemand fragt: Natürlich taugt das zum Lebenskonzept! Jeder braucht einen Poldi in seinem Team. Ach was, eigentlich fußt der reibungslose Verlauf der ganzen Welt auf Poldis. Der Bassist, der eigentlich nur wegen seines coolen Stils in der Band ist. Der Kollege, der zwar sehr lustig, aber unglaublich ineffizient ist. Der Klassenclown, der dann doch immer noch eine übertrieben gute mündliche Note bekommt und versetzt wird. Was hätten wir ohne diese Charaktere? Nur Jazz in beschissenen Hemden, einen noch graueren Arbeitsalltag mit perfekt abgehefteten Papierstapeln und diese ohrenbetäubende Klassenstille, die vom Schnippen von Streberfingern zerfetzt wird.

Die kölsche Karnevalsband Brings hat das Prinzip übrigens schon ganz buchstäblich umgesetzt: Poldi singt mit ihnen in einem Musikvideo. Nicht weil er singen kann. Sondern weil Brings auch abseits von Songs wie „Poppe, Kaate, Danze“ Visionäre sind, die erkannt haben, dass das Leben ein Fehler ist, wenn man keinen Poldi dabeihat. Das Poldi-Prinzip sollte man dringend noch viel weiter ausdehnen. Warum nicht einfach einen Poldi mit in die nächste Konferenz nehmen? Oder einen für die Kinder auf der Fahrt in den Urlaub einpacken? Und hat sich jüngst mal wieder jemand gefragt, warum Sportarten wie Golf oder Tennis im Vergleich zum Fußball ein eher spießiges Image haben? Eben: kein Poldi.

Ein Poldi ist einfach die optimale Garantie für gute Stimmung, unerwartete Witze, grandiose Sprüche und ein bisschen Karneval in allen Lebenslagen. Und das Schöne an Lukas Podolski ist ja, dass er doch auch ein bisschen Fußball spielen kann.

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