Bochumer Studenten wollen das Bier in der Uni-Mensa zurück

Und haben darum eine Petition gestartet.
Interview von Elisabeth-Valerie von Rheinbaben

Und da sage einer, junge Menschen seien nicht politisch: Bochumer Studenten fordern nun per Petition ihr Bier zurück.

Foto: onemorenametoremember, photocase / Collage: jetzt.de

Bis zum Sommersemester 2017 gab es an der Hochschule Bochum in der Mensa Bier. Dann wurde es abgeschafft. Die Studenten ärgern sich darüber und werden jetzt selbst aktiv: Philipp Larch hat eine Online-Petition ins Leben gerufen, um das Bier wieder an die Uni zurückzuholen.

jetzt: Trinkst du grade ein Bier?

Philipp Larch: Nein, nein, das wäre jetzt doch deutlich zu früh am Tag. (Interviewzeitpunkt ist 9.30 Uhr, Anm. d. Redaktion)

Wie oft trinkst du Bier, wenn es in der Mensa verfügbar ist?

Das Bier gab es ganz normal im Kühlregal, das hat man sich einfach vor der Kassenschlange rausnehmen können. Da kam’s natürlich auf den Zeitpunkt im Semester an. In den Klausurphasen wurde natürlich nicht getrunken, da gibt’s anderes zu tun – aber grade im Sommersemester hat man abends mal Lust, sich nach einem Uni-Tag noch mit den Kommilitonen auf ein Bier hinzusetzen. Ich würde sagen, bei mir sind es so zehn Bier im Semester.

Das klingt nicht nach besonders viel. Warum ist es für dich und viele Studenten eurer Hochschule so wichtig, weiterhin Bier im Mensa-Kühlschrank zu haben?

Die nächste Einkaufsmöglichkeit, also zum Beispiel ein Supermarkt, ist weit von der Hochschule entfernt. Da muss man auf jeden Fall U-Bahn fahren – zu Fuß wäre man auch mindestens 20 Minuten unterwegs. Deshalb ist es einfach praktischer, wenn es das Bier direkt am Campus gibt, dann bleibt man auch nach den Vorlesungen noch eher mal da. Uns geht’s ja auch nicht darum, das Bier neu einzuführen, das gab es ja schon vorher – wir wollen es nur wieder einführen.

Warum wurde das Bier in der Mensa überhaupt abgeschafft?

Wir kennen erst seit kurzem die Hintergründe der Abschaffung: Jemand von der Suchtpräventionsstelle hat das Ganze ins Rollen gebracht. Wir verstehen das und respektieren das auch, finden aber den Ansatz falsch. Ich fände es sinnvoller, den Leuten aktiv Hilfe anzubieten. Denn wenn jemand wirklich ein Alkoholproblem hat, dann lässt der sich davon nicht abbringen, nur weil es in der Mensa kein Bier mehr für 1,80 Euro gibt.

„Wir wollen ja nur ein bis zwei Sorten Bier haben, kein riesiges Sortiment“

Wer hat die Petition angestoßen?

Das mache ich zusammen mit meinen engsten Kommilitonen und Freunden. Ich bin derjenige, der die Petition erstellt und formuliert hat, aber was die Gespräche angeht, sind wir zu fünft.

Und wie viele Leute haben schon bei der Petition mitgemacht?

Im Moment ungefähr 130 Leute.

Wie ist die Resonanz?

Mir gegenüber gibt es noch keine. Ich habe mitbekommen, dass wohl jemand von der AKAFÖ (Akademisches Förderungswerk, Anm. d. Redaktion) unglücklich damit war, dass ich direkt die Variante einer öffentlichen Petition gewählt habe. Das Ding ist aber: Wenn man alleine oder in einer winzigen Gruppe auf die Verantwortlichen zugeht, dann werden solche Anliegen im Keim erstickt. Man braucht eine Menge hinter sich.

Wie viele Menschen müssen die Petition unterschreiben, damit sie bei der Hochschule Anklang findet?

Es gibt kein abgeklärtes Ziel mit der Hochschule, da gab es noch kein Gespräch. Das liegt aber auch daran, dass ich die Petition ins Leben gerufen habe, um eine Argumentationsgrundlage zu haben. So kann man sagen: „Schaut her, es gibt genug Leute, die die Sache gut finden, die sich über die Wiedereinführung von Bier in geringen Mengen freuen würden.“ Wir wollen ja nur ein bis zwei Sorten haben, kein riesiges Sortiment. Und insgesamt würde das auch unter den Studenten wieder die Attraktivität des Standorts fördern, weil sie nach den Vorlesungszeiten noch an der Hochschule bleiben wollen.

Was ist dir besonders wichtig?

Mir ist wichtig, dass der Umstand dieser Petition keine Generalkritik an der Hochschule, an der AKAFÖ oder an den Verantwortlichen bedeutet. Wir studieren dort gerne und wollen damit einen Wunsch aussprechen, für den wir Unterstützer generieren, um dann in einen reifen Dialog mit der Hochschule einzutreten.

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