Auf Kritik von Autoritätspersonen reagieren Menschen bekanntlich unterschiedlich. Manche beugen sich ihr sofort, andere diskutieren erst mal noch eine Weile, bevor sie klein beigeben. Und wieder andere sind so überzeugt von der Rechtmäßigkeit ihres eigenen Handelns, dass sie weitermachen wie bisher – allen drohenden Konsequenzen zum Trotz. Leticia Chai, eine Studentin der amerikanischen Cornell University allerdings ging noch einen Schritt weiter: Als sie kritisiert wurde, verband sie die Präsentation ihrer Abschlussarbeit zur Integration von Flüchtlingen mit einem Striptease.

Mit dieser Aktion protestierte die Studentin gegen ihre Professorin Rebekah Maggor. Diese soll – laut eines Facebookposts der Studentin, der inzwischen gelöscht wurde – Leticia nämlich Tage zuvor während eines ersten Probedurchlaufs gefragt haben: „Ist das wirklich, was Sie bei der Präsentation tragen würden?“ Auf Leticias Nachfrage, was das Problem sei, sagte die Professorin angeblich: „Ihre Shorts sind zu kurz.“

Daraufhin habe sich außerdem ein männlicher Kommilitone eingemischt und hinzugefügt, dass Leticia eine moralische Verpflichtung gegenüber ihrem Publikum habe, Präsentationen in konservativer Kleidung zu halten. Leticia verließ daraufhin den Raum.

Einige Tage später erschien Leticia dann zur offiziellen Präsentation ihrer Abschlussarbeit – im selben Outfit wie zur Probe. Nach nicht einmal drei Minuten wurde sie es wieder los: Während sie sich vor Kommilitonen und Professoren bis auf die Unterwäsche auszog, forderte die Studentin mit Verweis auf feministische Werte ihr Publikum auf, dasselbe zu tun. Das Ganze ließ sie die Facebook-Gemeinde via Livestream verfolgen

Wie die The Cornell Daily Sun berichtete, hätten sich daraufhin 28 der 44 Personen im Raum ebenfalls ausgezogen. Leticia sagt im Video, auf dem man ihre Zuhörer nicht sieht: „Ehrlich, eure Unterstützung haut mich um!“ 

Auf ihren Striptease reagierten inzwischen tausende Menschen, viele Medien berichteten über die Aktion. Seitdem wird die junge Frau viel gelobt, aber auch heftig kritisiert. Einige Kommentatoren lassen sich dabei nicht nur über ihre feministischen Ansichten, sondern auch über ihre Figur aus. Ebenso wird Leticias Professorin durch die Aktion für einige zum Hassobjekt. 

Leticias Kommilitonen veröffentlichten deshalb ein Statement in der Unizeitung. Darin unterstützten sie zwar Leticias feministische Ansichten, schrieben aber auch, dass sie einen anderen Eindruck vom vorausgegangen Ereignis gehabt hätten: 

Maggor habe lediglich ausdrücken wollen, wie wichtig es sei, eine Abschlusspräsentation professionell zu halten. Nachdem Leticia den Raum beim Probelauf verlassen habe, habe sich die Professorin für ihre Wortwahl entschuldigt und klargemacht, dass sie einsehe, wie problematisch ihre Anmerkung aus frauenrechtlicher Perspektive sei. Leider habe Leticia die Entschuldigung nicht mitbekommen, was schließlich zum Missverständnis geführt habe. Die Studenten bezeichneten Maggor in ihrem offenen Brief als „Geschenk an Cornell“. Sie setze sich normalerweise wie keine Andere für ihre Studenten ein.

 lath

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