Studierende fordern Rücktritt von Professor Gebhard Henke

Dem früheren WDR-Filmchef wird vorgeworfen, mehrere Frauen sexuell belästigt zu haben.
Von Lara Thiede

Gebhard Henke war über Jahre Fernsehfilmchef beim WDR und koordinierte unter anderem den „Tatort“.

Foto: Oliver Berg / dpa

Von ihm wollen sie nichts mehr lernen: Seit Montag fordern Studierende einer Kölner Hochschule öffentlichkeitswirksam den Rücktritt eines Professors. Überraschend ist dabei weniger, dass sie es tun, sondern eher, warum sie es erst jetzt tun.

Denn eigentlich sind die Vorwürfe gegen den ehemaligen WDR-Filmchef und ARD-Tatort-Koordinator Gebhard Henke längst bekannt. Der Spiegel-Artikel, der sie erhob, erschien schließlich schon im Mai 2018. Darin gaben mehrere Frauen aus der Fernsehbranche an, Henke habe sie begrapscht und bedrängt, sowie körperliche Gegenleistung dafür erwartet, wenn er ihre Karriere förderte.

„Wir hören sie, wir glauben ihnen, wir stehen hinter ihnen“

Während Henke den WDR wegen der Vorwürfe schon längst verlassen musste, darf er woanders allerdings noch immer Autoritätsperson sein: Er ist nach wie vor Professor an der Kunsthochschule für Medien in Köln (KHM). Aus arbeitsrechtlichen Gründen kann ihm dort offenbar nicht gekündigt werden, auch einer Beurlaubung hatte er laut Informationen des Spiegel nicht zugestimmt. Das passt den Studierenden allerdings gar nicht. Ihr Parlament forderte deshalb am Montag in einem offenen Brief „seinen sofortigen Rücktritt“. Als Begründung schrieben die Studierenden unter anderem:

„Wir drücken allen betroffenen Frauen unsere volle Solidarität und Unterstützung aus. Wir hören sie, wir glauben ihnen, wir stehen hinter ihnen – nicht erst jetzt, sondern seit dem Bekanntwerden der Vorwürfe.“ Aber warum gehen die Studierenden erst jetzt mit diesen Worten an die Öffentlichkeit?

Einige von ihnen erklären jetzt schriftlich in einem gemeinsamen Statement: „Die Diskussion hat an der Hochschule ein großes, aber auch zeitintensives Umdenken ausgelöst. Gerade weil die Studierendenschaft in diesen Prozess so stark involviert war, wurde nebenbei versäumt, das Ganze öffentlich zu formulieren. In einer internen Vollversammlung hatten wir die Rücktrittsforderung schon vor Monaten erstmals diskutiert.“

„Er unterdrückt damit die Anklägerinnen und schüchtert sie ein“

Henke streitet währenddessen bis heute alle Vorwürfe ab, reagierte sogar mit einer Klage gegen den Spiegel und Charlotte Roche. Sie war eine von nur zwei Frauen, die die Vorwürfe unter ihrem Klarnamen erhoben hatten. Mit seiner Reaktion stilisiere sich Henke selbst als Opfer, schreiben die Studierenden. Er mache so außerdem eine perfide Verteidigungstaktik deutlich: „Er unterdrückt damit die Anklägerinnen und schüchtert sie ein.“

Vor einigen Tagen zog Henke dann eben diese Klage überraschend zurück. Allerdings erst, nachdem noch sieben weitere Frauen Vorwürfe erhoben hatten. Zu einem Dialog mit Henke, der zuvor eigentlich geplant war, sehen die Studierenden deshalb keinen Grund mehr. Ein Vertrauensverhältnis mit dem Professor sei ohnehin nicht mehr denkbar. Unter den Vorgängen leide inzwischen „die gesamte Atmosphäre an einer so kleinen Hochschule.“ Viele Studierende, so sagen sie selbst, besuchen die Seminare Henkes aus Überzeugung schon längst nicht mehr.

Die Leitung der Universität wollte sich gegenüber jetzt weder zu dem Brief der Studierenden noch zu Henkes Beschäftigungsverhältnis äußern. Man sei hier aus Datenschutzgründen dazu verpflichtet, keine Informationen an Dritte weiterzugeben.

„Die Hochschule hätte klarstellen müssen, dass eine Entlassung die nächste Konsequenz wäre“

Auch die Schreiber des offenen Briefes haben von Seiten der Hochschule noch nichts zur Rücktrittsforderung gehört. Dabei hätten sie sich eine deutliche Stellungsnahme gewünscht: „Die Hochschule hätte zumindest klarstellen müssen, dass eine Entlassung die nächste Konsequenz wäre, aber arbeitsrechtlich nicht möglich ist.“

Am Ende ist es den Studierenden noch wichtig, sich bei den Frauen, die die Vorwürfe gegen Henke aufbrachten, zu entschuldigen. „Dafür, dass wir unsere Unterstützung nicht früher öffentlich geäußert haben.“

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