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Eltern im Hörsaal - für viele eine Horrorvorstellung.

Illustration: Julia Schubert

Wenn ein Vater bei der Pressestelle der Uni anruft und mal nachfragt, ob es eigentlich wirklich stimme, dass gerade Semesterferien seien – das ist dann schon eher ungewöhnlich. Passiert aber, erzählt Merel Neuheuser, Sprecherin der Uni Hamburg. Denn wer weiß schon, ob der Sohnemann nicht schwindelt und heimlich wichtige Kurse schwänzt? Basierend auf dieser Geschichte hat sich die Uni Hamburg einen kleinen Aprilscherz erlaubt: ein Programm für Helikoptereltern.

„Auch, wenn das 18. Lebensjahr der Studierenden zu Beginn des Studiums meist schon erreicht oder auch überschritten ist, möchten viele Eltern weiterhin ihre Fürsorgepflicht wahrnehmen oder interessieren sich sehr für die universitären Leistungen ihrer Kinder“, heißt es in der zugehörigen Mitteilung. Deswegen habe man sich etwas Tolles überlegt: Familienangehörige dürfen an der Vorlesung teilnehmen. Einfach um mal einen Eindruck davon zu bekommen, was für Inhalte dem Kind eigentlich so vermittelt werden. Ein bisschen Kontrolle schade ja auch nie.

Klingt übel. Aber: Steckt hinter dem Aprilscherz nicht vielleicht trotzdem ein ernsthafter Wunsch vieler Eltern? So schlimm sei es nicht, sagt Merel Neuhauser gegenüber jetzt. Aber: „Bei 43 000 Studierenden passieren eben auch mal absurde Dinge, wie eben dieser Anruf.“ Der am Ende dann auch die Idee für den Aprilscherz geliefert hat. Auch nach der Umstellung von G9 auf G8, die mit immer jüngeren Studierenden einhergeht, habe sich nicht wirklich viel verändert: „Manchmal kommen Eltern mit zu den Beratungsgesprächen. Aber denen machen wir dann freundlich klar, dass sie besser draußen bleiben.“ Neuheuser glaubt: Heute haben Studierende ein anderes Verhältnis zu ihren Eltern als früher, lassen sie eher am Studium teilhaben, schätzen sie als Berater und binden sie stärker in Entscheidungen ein.

Für alle Eltern, die die Mitteilung also vielleicht auf der Website der Uni gesehen haben und sich schon auf ein paar kostenlose Vorlesungen zur Geschichte der Demokratie oder abstrakter Malerei gefreut haben – leider nein. Und auch die weiterführende Vorlesung „Applied Sciences in functional Helicopter Parenting“ wird es nicht geben. Noch. Weil: So richtig weiß man ja nie, was in Zukunft normal sein wird. 

soas