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Hohe Mieten sind häufig die größte Belastung für Studierende. 

Foto: Matthias Balk/dpa

In München kostet ein WG-Zimmer im Schnitt 600 Euro, in Leipzig 260 Euro. Dennoch bekommen Studierende in beiden Städten gleich viel Bafög. Das ist nicht fair, und das sollte sich ändern.

Bis 2020 wird der Höchstsatz wohl von derzeit 735 Euro auf 850 Euro erhöht, auch eine Reihe anderer Maßnahmen bringt den Studierenden mehr Geld oder erleichtert den Zugang zum Bafög. Der Gesetzentwurf von Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) ist am heutigen Freitag Thema einer Anhörung von Verbänden im Bundesbildungsministerium in Berlin.

Dass die Regierung ins Bafög investiert, ist gut und richtig, denn Fakt ist: Leben und vor allem Wohnen wird in Deutschland immer teurer, und darauf muss der Bund reagieren. Zur Wahrheit gehört aber eben auch: Ja, die Mieten steigen bundesweit. Trotzdem gibt es extreme Unterschiede zwischen den Unistädten.

Niemand kann sich seinen Studienort nur nach der Höhe der Miete aussuchen

Wer in München studiert, den Bafög-Höchstsatz bekommt und davon zu Monatsbeginn gleich mal 600 Euro an den Vermieter überweist, der macht sonst keine großen Sprünge mehr. Die Wohnpauschale von bald 325 Euro reicht in der bayerischen Landeshauptstadt vorne und hinten nicht, in Leipzig dagegen locker.

Warum das Bafög nicht so verteilen, wie auch das Erasmus-Stipendium an diejenigen ausgezahlt wird, die für ein paar Monate im europäischen Ausland studieren? Der Zuschuss ist streng nach Ländergruppen gestaffelt. In Paris, wo die Lebenshaltungskosten höher sind als in Budapest, bekommen die Studierenden auch mehr Geld: 315 Euro pro Monat zum Beispiel in Dänemark, Frankreich und Finnland, 195 Euro in Ungarn, Polen und Estland.

Deswegen sollte die staatliche Unterstützung für deutsche Studierende anders verteilt werden. Eine Anlehnung an das Erasmus-Konzept wäre sinnvoll: Mehr Wohnzuschuss für diejenigen, die in teuren Städten wie München, Hamburg oder Frankfurt studieren. Denn niemand kann sich seinen Studienort nur nach der Höhe der Miete aussuchen, und genug Wohnheimzimmer für alle Studierenden gibt es sowieso nicht.

Bafög ist für viele Studierende, deren Eltern sie nicht unterstützen können, die einzige Möglichkeit für ein erfolgreiches Studium. Natürlich arbeiten viele neben der Uni – aber eigentlich sind die meisten Studiengänge als Vollzeitjobs angelegt. Und wer abends kellnert, sitzt am Morgen weniger konzentriert im Seminar.

Im Koalitionsvertrag hat die Regierung eine „Trendumkehr“ in Sachen Bafög bis zum Jahr 2021 versprochen. Bis 2022 will der Bund mehr als 1,8 Milliarden Euro ausgeben. Das ist ein Anfang, mehr zu investieren ist richtig. Die nächste Reform sollte versuchen, dieses Geld fairer zu verteilen. 

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