Oxford lässt erstmals mehr Frauen als Männer zum Studium zu

Und auch anderweitig versucht die Uni, den Gender-Gap zu schließen. Allerdings teils mit fragwürdigen Mitteln.
Foto: Hugo Pardo Kuklinski via commons.wikimedia.org / Bearbeitung: jetzt.de

Die Elite-Universität Oxford gibt es bereits seit etwa 800 Jahren. Das ist eine verdammt lange Zeit. Noch länger kommt sie einem vor, wenn man sich bewusst macht, dass dort bisher nie mehr Frauen als Männer zum Studium zugelassen wurden. Zahlen, die gerade von der Zulassungsstelle Ucas veröffentlicht wurden, zeigen jetzt aber, dass es dann 2017 doch endlich so weit war: Etwa 1070 Frauen aus dem Vereinigten Königreich begannen im vergangenen Jahr ihren Bachelor in Oxford. Bei den Männern waren es weniger: 1025.

Das verwundert im ersten Moment vor allem deshalb, weil sich in diesem Zeitraum eigentlich mehr Männer als Frauen beworben hatten. Trotzdem bekamen vor allem weibliche Bewerber das Angebot, an der Uni studieren zu dürfen.

Oxford stand aufgrund seines Auswahlverfahrens zuvor immer wieder in der Kritik, weil es benachteiligten Bevölkerungsgruppen schlechtere Chancen einräumen würde. Weiße Männer hatten in den vergangenen Jahren in vielen Fächern die besten Chancen. Gerade aber sieht das laut Clare Marchant, der Leiterin von Ucas, ganz anders aus. Dem Guardian gegenüber räumte sie ein, dass weiße Männer, die arm sind, gerade am wenigsten wahrscheinlich einen Studienplatz in Oxford bekommen würden.

Insgesamt zeichnet Marchant im Gespräch mit dem Guardian allerdings ein sehr gerechtes Bild von der Studienplatzvergabe der Uni Oxford: „Unsere Daten zeigen, dass das Zulassungsverfahren fair ist. Bewerber mit allen sozialen Hintergründen erhalten Angebote. Die Anzahl dieser Angebote passt dabei zu der Zahl der Bewerber aus den verschiedenen Milieus, die jeweils ähnlich gute Noten haben.“

 

Oxford scheint inzwischen also bewusst darauf zu achten, ein „frauenfreundlicheres“ und generell gerechteres Klima an ihren Colleges zu schaffen. Bisher fiel die britische Universität nämlich oftmals als eher männlich dominiert auf. Nicht nur, weil dort bis 2017 überwiegend Männer studierten und vor allem lehrten. Sondern auch weil männliche Studenten häufiger für besondere Leistungen ausgezeichnet werden, meist bessere Abschlüsse machen und in Oxford generell eine eher männliche Atmosphäre zu herrschen scheint.

 

Das Signal der Uni, mehr Gerechtigkeit herstellen zu wollen, scheint also in erster Linie gut, aber eben auch notwendig zu sein. Allerdings sollte man – so fair das Zulassungsverfahren gerade angeblich auch ist –auch im Hinterkopf behalten, dass schon der Weg zur Bewerbung an den Colleges der Oxford-University von Chancenungleichheiten geprägt ist. Schließlich haben Migranten oder Arme oft schlechtere Chancen auf gute Bildung und gute Noten und so am Ende ihrer Schulzeit sowieso keine Chancen beim strengen Auswahlverfahren der Elite-Universität.

 

Innerhalb Oxfords versucht man Frauen durch längere Prüfungszeiten akademisch zu unterstützen

 

Beim Versuch, mehr Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern herzustellen, bedient sich Oxford allerdings auch fragwürdiger Mittel: Nachdem Männer in Prüfungen der Fächer Mathe und Computerwissenschaft oft deutlich besser abgeschnitten hatten als Frauen, erklärte man sich das in Oxford damit, dass Frauen dem Zeitdruck nicht so gut standhalten könnten wie Männer.

 

Um diesen „Gendergap“ also zu schließen und den Studentinnen zu helfen, hat Oxford deshalb vor Kurzem eine Verlängerung der Prüfungszeit in diesen Fächern eingeführt. Statt 90 Minuten haben die Studenten nun 105 Minuten Zeit, um Klausuren zu bearbeiten. Mit der Verlängerung wollte man Frauen also konkret bessere Noten ermöglichen.

 

Nach ersten Beobachtungen dieses sehr absurden Konzeptes zeichnet sich schon ein wenig überraschendes Ergebnis ab: Die Verlängerung der Prüfungszeit brachte keine nennenswerten Veränderungen mit sich.

 

lath

 

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