box jetzt
Foto: kallejipp / photocase.com

Es ist ein altbekanntes Thema und vor jedem Semester gibt's die gleichen Probleme: Studenten sind verzweifelt auf der Suche nach einer geeigneten Wohnung. Oder einem kleinen WG-Zimmer. Oder irgendeinem Platz im Studentenwohnheim. Oder irgendeinem Notquartier, Hauptsache ein Dach über dem Kopf. Je größer die Wohnungsnot, desto geringer die Ansprüche. 

In den USA hat dieses Problem aber jetzt ganz neue Ausmaße angenommen. In Santa Cruz, einer kleinen Stadt an der Küste Kaliforniens, ist die Wohnungsnot inzwischen so groß, dass die Universität die Dozenten und Professoren gefragt hat, ob sie Studenten bei sich aufnehmen können.

„Die Not ist real und dringlich, deshalb richte ich mich an den Fakultäts- und Mitarbeiterstab und bitte um Hilfe“, schrieb Dave Keller, Direktor für Wohnungswesen der University of California in Santa Cruz (UCSC) in einer E-Mail. Die Universitätsangestellten sollen den Studenten also Zimmer anbieten, um der prekären Lage irgendwie Herr zu werden. Das würde „enorm zum Erfolg der jungen Studenten beitragen“, schrieb Dave.

In den letzten Jahren sind viele neue, hoch bezahlte Jobs im Technologiebereich entstanden. Dadurch wurde Wohnraum äußerst knapp und die Preise stiegen – zum Nachteil für die Studenten.

Etwa 7000 von ihnen leben in Santa Cruz. Für ein kleines Zimmer in einem Gemeinschaftshaus zahlen Studenten teilweise über 1000 $ monatlich.

Aber mit seinem eigenen Dozenten oder Professor zusammenwohnen? Nicht gerade das, was man sich unter einem entspannten Studentenleben vorstellt ...

Bleibt noch die Frage, wie das unfreiwillige WG-Leben zwischen Studenten und Professoren dann aussehen könnte. „Hey Prof, Klopapier ist leer. Gehen Sie heute noch einkaufen?“ – „Ja. Bin gerade im Supermarkt. Irgendwelche Wünsche bezüglich des Weins?“ Und das typische Vorglühen, die Partys, das Beerpongspielen in der WG - läuft das mit oder ohne Professoren ab? Da ahnt man als junger Ersti nichts Böses, kommt gerade müde aus dem Seminar und da sitzt dann der 60-jährige Mitbewohner mit zwei Kollegen und zieht auf der Bank vor der Haustür einen durch?

Und dann erst die Prüfungsphase: Kontrolliert der Dozent, ob sein junger Mitbewohner die Pflichtlektüre auch tatsächlich liest? Spaziert der Student nachmittags mal eben ins Arbeitszimmer seines Mitbewohners: „Hey Prof, das aus der Vorlesung heute morgen, können wir da nochmal drüber quatschen?“ Und abends wird dann gemeinsam gekocht? An Uni schwänzen ist dann ja ohnehin nicht mehr zu denken.

Ein Zusammenleben mit Professoren oder Dozenten würde also so ziemlich alles auf den Kopf stellen, was wir mit dem üblichen Studentenleben sonst so verbinden. Andererseits – bei derartiger Wohnungsknappheit muss man erfinderisch werden. Und wer weiß – vielleicht ist das ja auch der Beginn einer wunderbaren Freundschaft ...

csö

Andere Texte zum Studium: