So überlebst du die Deadline

Manchen Situationen müssen wir uns stellen. Diese Kolumne hilft, sie zu überstehen. Diese Woche: 40 000 Zeichen in 12 Stunden.
Von Quentin Lichtblau

Illustration: Federico Delfrati

Nicht alles im Leben ist freiwillig. Die Survival-Kolumne ist Anlässen gewidmet, denen wir uns stellen müssen – ob wir wollen oder nicht. Ein Leitfaden zum Überleben.

Ja, du hast es kommen sehen. Nein, die Deadline kam nicht überraschend. Aber irgendetwas war da immer, das dich vom Fertigmachen deiner Arbeit abgehalten hat – natürlich keine unwichtigen Ablenkungen, sondern unvermeidbare Hürden, die aus dem Weg geräumt werden mussten. Das hat einfach seine Zeit gedauert, nun ist der Abgabetag da, die Arbeit ungefähr zur Hälfte fertig. Aber lief ja bisher immer so und irgendwie hat ja letztendlich alles geklappt. Für heute, den letzten Tag, gilt also: Reinhauen, Durchballern, ohne Deadline-Thrill wirst du eh nicht produktiv, einfach Rock 'n' Roll. Aber wie überlebst du das?

Wichtig ist nun vor allem – du kannst es dir denken – die Vorbereitung. Heute musst du so viel leisten wie selten, daher solltest du zunächst darauf achten, ausgeschlafen zu sein. Den Wecker, den du dir auf 7 Uhr 32 gestellt hast, solltest du getrost ignorieren, wenn du dich einfach noch nicht fit genug fühlst. Heute brauchst du Power, also schlaf lieber noch ein paar Stunden!

Du fühlst dich bereit für den großen Tag? Dann raus aus dem Schlaf und ran ans Smartphone! Bevor du dich nämlich in die totale Isolation begibst und zehntausende Seiten vollschreibst, solltest du zunächst alle Ablenkungen im Netz ausreichend genossen haben – es bringt gar nichts, sich das jetzt schon zu verbieten. Dafür kannst du später umso konzentrierter Gas geben!

Fertig? Dann ist es Zeit für ein ausgiebiges Frühstück. Was bringt es denn, wenn du dich ohne Kraftreserven an den Schreibtisch setzt? Richtig, überhaupt nichts! Der Kühlschrank ist leer? Kein Problem, im Supermarkt kannst du dich gleich auch noch mit kleinen Snacks für zwischendurch und dem Belohnungsbier für hinterher eindecken. Die frische Luft auf dem Weg dorthin tut dir gut und lüftet dein Hirn für die anstehenden Höchstleistungen – der kleine Umweg durch den Park verschafft dir einen Extra-Boost Inspiration für später.

Nichts hemmt deinen Schreibfluss mehr als ein unaufgeräumter Schreibtisch

Nun ist es endlich so weit: Satt und motiviert setzt du dich an die Arbeit. Aber halt! Nichts hemmt deinen Schreibfluss mehr als ein unaufgeräumter Schreibtisch. Sortiere also alle Briefe nach Wichtigkeit, die Stifte nach Größe und ja, vielleicht ist auch der Wäscheständer in deinem Zimmer ein Hemmnis für deinen Schreibfluss, also lieber noch ein paar Klamotten falten. Auch deinen Laptop-Desktop wolltest du doch schon lange ausmisten. Wie sollst du bei dem Verhau die für deine Arbeit relevanten Dokumente finden? Wie willst du deine gigantische Arbeit am Ende abspeichern, wenn deine Festplatte blockiert ist, zum Beispiel von tausenden Urlaubsfotos? Sieh sie dir alle genau an und entscheide, welche davon du wirklich brauchst!

Viele Menschen – auch du – können zu Hause leider oft trotz Ordnung nicht wirklich produktiv werden. Spätestens nach dem Mittagessen wird dir auffallen, dass das hier nicht wirklich was werden kann. Also lieber in die Bibliothek gehen. Davor musst du allerdings noch zur Bank, schließlich brauchst du Bargeld für Kaffeenachschub und Garderobenspind. Ist im Lesesaal gerade kein Platz frei, dann warte einfach draußen ab. Vielleicht triffst du ja noch ein paar Bekannte, die dir entscheidende Impulse für die kommende Schreibphase geben können. Bleib entspannt, das letzte, was du jetzt brauchst, ist Stress, der blockiert dich nur!

Du sitzt endlich am Tisch, hast dein Dokument geöffnet und bist bereit, so richtig loszulegen? Dann hör bitte sofort auf, irgendwelche halbgaren Ratgeber-Texte zu lesen. Gnade dir Gott, in zehn Minuten schließt die Bibliothek.