So überlebst du den Anruf der unbekannten Nummer

Manchen Situationen müssen wir uns stellen. Diese Kolumne hilft, sie zu überstehen. Diese Woche: Die fremden Zahlen auf dem Display.
Von Quentin Lichtblau

Illustration: Federico Delfrati

Nicht alles im Leben ist freiwillig. Die Survival-Kolumne ist Anlässen gewidmet, denen wir uns stellen müssen – ob wir wollen oder nicht. Ein Leitfaden zum Überleben. 

Ganz früher war alles einfacher. Da klingelte das Telefon und man hob ab. Klar, in seltenen Fällen war da am anderen Ende eine ganz und gar unangenehme Person, Abzocker, Ruhestörer. Aber seien wir ehrlich: 90 Prozent der Anrufer waren recht unspektakuläre Menschen aus unserem Bekanntenkreis. Trotzdem sind Anrufe in den vergangenen Jahren zu einer lebensbedrohlichen Sache geworden.

Heutzutage ist es Unsitte, überhaupt noch anzurufen – wenn unbedingt notwendig, dann bitte mit Vorankündigung und Uhrzeit („können wir vielleicht später mal telefonieren?“). Das Recht, einfach mal so mit uns sprechen zu dürfen, haben eigentlich nur noch der Partner oder sehr nahe Verwandte. Unabgesprochene Anrufe sind extrem verdächtig, können eigentlich nur Notfall oder Ärger bedeuten. Erst recht, wenn es sich beim Anrufer um eine nicht im Telefonbuch gespeicherte Nummer handelt. Eine unbekannte Nummer, da hebt man doch nicht ab! Sicher so ein Handytarif-Stresser, der dich in den finanziellen Ruin quatscht! Oder die Polizei, die dich verhaften will, weil du mit 13 mal ein Snickers geklaut hast. Auf jeden Fall jemand, der dir dein Leben komplett versauen will. 

Ist das Smartphone mit den unbekannten Ziffern wieder verstummt, setzt allerdings ein zweites Gefühl ein: die Neugier. Vielleicht war es ja das Jobangebot des Jahrtausends? Der süße Viktor aus der 7b, der dich einfach nie vergessen hat? Oder sonst irgendwer, der dich aus diesem fürchterlich tristen Leben herausreißen könnte? Dieser eine Anruf eben. Und jetzt, oh Gott, es klingelt wieder! Was nun?

Egal, wer am anderen Ende der Leitung wartet: Du willst vorbereitet sein

Natürlich gehst du nicht ran, das wäre ja irrsinnig. Denn egal, wer da am anderen Ende wartet, du willst vorbereitet sein. Und wer glaubt, dich unerkannt anrufen zu können, hat sich geschnitten! Also startest du den NSA-Modus: Erstmal rein in die Googlesuche mit der Nummer. Kein Ergebnis. Pah, also dann weiter zu wer-ruft-an.info, tellows, Anruferauskunft, du wirst ihn schon stellen, diesen dreisten Anrufer!

Immer noch nicht näher am Täter? Dann wird es Zeit für den ultimativen Lifehack der Smartphone-Hobbyagenten: Whatsapp. Sofern es sich nämlich um eine Handynummer handelt, speicherst du die Nummer unter „???“ als neuen Kontakt im Telefonbuch und fügst sie bei Whatsapp hinzu. Viele Anrufer verraten sich nämlich über ihr dortiges Profilbild. Immer noch unidentifizierbar? Lade das Profilbild in die umgekehrte Google-Bildersuche. Wieder nichts? Was für ein Schlitzohr, dieser Anrufer.

Nicht aufgeben!

Schicke die Nummer und das Profilbild allen Menschen, die auch nur im entferntesten bei der Suche helfen könnten. Sollte sich nach mehreren Wochen erfolgloser Recherche immer noch nicht feststellen lassen, wer sich hinter diesem mysteriösen Anruf verbirgt, neigen einige Menschen tatsächlich dazu, einfach zurückzurufen. Diese Narren!

Manche gehen sogar auch heute noch bei unbekannten – oder gar nicht angezeigten – Nummern tatsächlich direkt ans Telefon. Es soll Menschen geben, die diesen Vorgang schadlos überstanden haben. Aber nur wegen ein paar Verrückter, die in Wingsuits durch Felsschluchten brettern, heißt das ja nicht, dass Wingsuit-Fliegerei ungefährlich ist, nicht wahr? Du gehst also lieber auf Nummer sicher: Tausche die Schlösser deiner Wohnung aus, verlasse das Land oder bewirb dich fürs Zeugenschutzprogramm. Denn egal ob Viktor, der Traumjob oder ein sonstiger Jackpot am anderen Ende der Leitung warten – worum es hier geht, ist dein Überleben. Und Viktor würde dir sicher auf die Mailbox sprechen. Würde er doch, oder? 

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