Was die Studenten deutscher Universtitäten wohl zur Gesichtserkennung in Hörsälen sagen würden?

Was die Studenten deutscher Universtitäten wohl zur Gesichtserkennung in Hörsälen sagen würden?

Foto: dpa/Jan Woiters

Das Schönste an großen Universitäten ist für viele Studenten wahrscheinlich, dass es so herrlich leicht ist, trotz reeller Abwesenheit mit ständiger Anwesenheit zu glänzen. Der eigene Name kann schließlich auch von den befreundeten Kommilitonen in die Kontroll-Liste eingetragen werden.

Für die Studenten der Communications University of China in Nanjing gibt es diesen Vorteil nun allerdings nicht mehr. Sie müssen sich vor einen interaktiven Bildschirm stellen, wenn sie den Vorlesungssaal betreten. Innerhalb weniger Sekunden wird dann ein Passbild von ihnen mit dem gerade von der Kamera eingefangenen Gesicht verglichen. Wer nicht erfasst wird, war offiziell nicht da.

Die Technologie dazu hat der Professor Shen Hao erfunden, um notorische Schwänzer ohne viel Aufwand überführen zu können. Momentan wird sie in sechs seiner Klassen benutzt und er selbst zeigte sich gegenüber Beijing News hochzufrieden, nachdem sie sehr zuverlässig ist und nur einen von 100 Studenten nicht erkennt.

Ob die Studenten auch so begeistert sind, ist fraglich. Auf der chinesischen Social Media-Webseite Weibo wird jedenfalls laut englisch-sprachiger Medien schon Kritik laut: Viele User, die bereits ihren Abschluss gemacht haben, freuen sich, dass das neue System nicht mehr ihr Problem ist.

Dass China die Gesichtserkennung an Universitäten nun auch zur Anwesenheitsüberprüfung verwendet, verwundert nicht. Schon 2016 wurde ein ähnliches System, der sogenannte "Face Reader", in Hörsälen verwendet – damals allerdings noch, um zu überprüfen, ob die Gesichter der Studenten eher Langeweile oder Interesse zeigten. So wollte der Professor Wei Xiaoyong der Sichuan Universität herausfinden, wie er seinen Unterricht optimieren müsse, damit die Studenten ihn spannender fänden.

Im Sommer dieses Jahres kam die Technologie dann auch in den Wohnheimen der Pädagogischen Universität Peking an. Hier erhalten die Studenten über die Gesichtserkennung Zutritt zu ihren Zimmern.  Außerhalb der Universitäten ist die Gesichtserkennung übrigens ebenfalls weitgehend etabliert. Momentan arbeitet China sogar am größten Gesichtserkennungs-Datenpool weltweit. Ziel ist, dass das System alle 1,4 Milliarden Einwohner des Landes innerhalb von Sekunden erkennen kann.  

lath

 

 

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