„Die Politik interessiert sich nicht dafür, was wir durchmachen“

Hilda hat „Fridays for Future Uganda“ gegründet und fand auf der Klimakonferenz in Madrid deutliche Worte.
Interview von Nadja Schlüter

In Uganda hat der Klimawandel Regen- und Trockenzeiten aus dem Takt gebracht. Hildas Familie musste wegen wiederholter Überschwemmungen und Dürren ihre Farm verkaufen.

Foto: David Tong

Im Februar 2019 hat Hilda Flavia Nakabuye, 22, sich zum ersten Mal ganz alleine in der ugandischen Hauptstadt Kampala auf die Straße gestellt und für Klimaschutz demonstriert, das war der Beginn von „Fridays for Future Uganda“. Jetzt hat Hilda, die an der Internationalen Universität Kampala Logistik studiert, an der Klimakonferenz in Madrid teilgenommen und dort unter anderem eine Rede gehalten, in der sie auf die Auswirkungen der Klimakrise auf ihre Heimat aufmerksam gemacht hat. Wir haben sie auf der Konferenz telefonisch erreicht und mit ihr über ihre Eindrücke, die Situation in Uganda und ihr erstes Treffen mit ihrem Vorbild Greta Thunberg gesprochen.

jetzt: Hilda, warum bist du nach Madrid gereist?

Hilda Flavia Nakabuye: Mehrere Umweltorganisationen haben Aktivist*innen aus dem Globalen Süden hierhin eingeladen. Ich habe die Chance wahrgenommen, Menschen aus diesen Regionen, die oft nicht gehört werden, eine Stimme zu geben.

Du hast in deiner Rede davon gesprochen, dass die Klimakrise deine Heimat Uganda besonders trifft. Wie ist die Situation dort aktuell?

Erst diesen Monat hat es mehrere schwere Überflutungen gegeben, dabei sind auch Menschen ums Leben gekommen. Gleichzeitig steigen in der Trockenzeit die Temperaturen und der Grundwasserspiegel sinkt. Die Extremwetterereignisse sorgen für Missernten und Hunger. Außerdem sterben immer mehr Tierarten aus, zum Beispiel Fische und Fledermäuse. 

Bist du auch persönlich betroffen?

Meine Familie hatte früher eine Farm. Die schweren Regenfälle haben schon vor einigen Jahren unsere Ernte weggespült. Als es dann in der Trockenzeit immer heißer wurde, ist der nahegelegene Fluss ausgetrocknet, sodass wir nicht mehr genug Wasser für den Garten, die Tiere und unseren Haushalt hatten. Wir haben das Land und die Tiere schließlich verkaufen müssen. Meine Großeltern leben noch in unserem Dorf, aber meine Eltern haben jetzt ein Haus in der Nähe von Kampala.

„Viele Menschen in Uganda sehen ,Fridays for Future‘ kritisch“

Du hast im Februar alleine mit dem Klimastreik in Kampala angefangen. Wie hat sich „Fridays for Future“ in Uganda seitdem entwickelt? 

Die Bewegung wächst immer weiter, im Moment beteiligen sich etwa 25 000 Menschen. Wir gehen nicht alle jeden Freitag auf die Straße, weil viele noch Schüler*innen sind und meistens nicht fehlen dürfen – aber für die weltweiten Klimastreiks kommen wir alle zusammen! Und wir organisieren auch andere Aktionen: Wir gehen an Unis, in Schulen und in Gemeinden und klären die Menschen über die Klimakrise auf. Ich selbst sammle außerdem einmal in der Woche Müll am Ufer des Viktoriasees und meistens schließen sich mir Helfer*innen an. Aber nicht alle finden unsere Arbeit gut.

Was stört sie an euch?

Viele Menschen in Uganda sehen „Fridays for Future“ kritisch, weil sie davon ausgehen, dass wir eine politische Gruppierung sind. Der frühere Rapper Robert Kyagulanyi alias Bobi Wine hat angekündigt, 2021 im Präsidentschaftswahlkampf anzutreten, und wird vor allem von jungen Menschen unterstützt. Darum denken viele, die der Regierung nahestehen, dass er wiederum „Fridays for Future“ finanzieren würde, wir also nicht unabhängig sind. Aber das stimmt nicht! Wir sind überparteilich und einfach nur Studierende und Schüler*innen, die für die Zukunft kämpfen.

Was tut die ugandische Regierung für den Umwelt- und Klimaschutz?

Viel zu wenig. Wälder werden weiter abgeholzt, Sumpfland wird an Investoren verkauft. Die Politik interessiert sich nicht dafür, was wir durchmachen. Aber zur Klimakrise, unter der wir jetzt leiden, haben die Länder des Globalen Südens bisher am wenigsten beigetragen.

„Bisher hat die Klimakonferenz meine Erwartungen aber leider nicht erfüllt“

Sondern vor allem Industrienationen wie Deutschland, mit hohen CO2-Emissionen.

Ja, und vor allem die sollten auf unsere Forderungen nach Klimagerechtigkeit hören, die ja nicht nur aus dem Globalen Süden kommen, sondern von jungen Menschen weltweit. Das bedeutet für Deutschland zum Beispiel: kein weiterer Abbau von fossilen Energieträgern wie Kohle und Gas im eigenen Land, aber auch keine weitere Förderung des Abbaus in anderen europäischen und afrikanischen Ländern. Bisher hat die Klimakonferenz meine Erwartungen aber leider nicht erfüllt: Es wurde immer noch kaum darüber gesprochen, wie man die von der Klimakrise besonders betroffenen Ländern unterstützen kann, sondern die Industrienationen reden hauptsächlich immer noch über sich selbst und miteinander. Ich erwarte auch nicht, dass am Freitag noch große Entscheidungen getroffen werden.

Nimmst du auch etwas Positives mit aus deiner Zeit in Madrid?

Das Wissen, dass wir nicht aufgeben, sondern weiter für unsere Zukunft und die der kommenden Generationen kämpfen werden. Die Energie, den Ehrgeiz und die Hoffnung der Aktivist*innen aus allen Teilen der Welt, die immer weiterkämpfen. Die Geschichten aus dem Globalen Süden, die wir gemeinsam erzählt haben. Und die neuen Kontakte, die ich geknüpft habe.

Du hast auch Greta Thunberg getroffen, die dich zum Streiken inspiriert hat. Wie war das für dich?

Das war ein toller Moment! Allerdings war ich dann so froh, sie zu treffen, dass mir die Worte verloren gegangen sind und ich nicht wusste, was ich sagen sollte. Damit hatte ich nicht gerechnet (lacht).

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