Umweltaktivist*innen blockieren stundenlang Kreuzfahrtschiff

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Aktivist*innen blockieren am Pfingstsonntag das Kreuzfahrtschiff ´Zuiderdam» im Kieler Hafen und hindern es am Auslaufen.

Foto: Thomas Eisenkrätzer/dpa

Die Zuiderdam ist 32 Meter breit und 285 Meter lang, ihre 70 000 PS können mehr als 2000 Passagiere transportieren. Doch gegen 50 Aktivist*innen war dieses gigantische Kreuzfahrtschiff machtlos und konnte keinen Zentimeter mehr weiterfahren. Fast sechs Stunden lang hinderten die Mitglieder  der Gruppe „Smash Cruiseshit” das Kreuzfahrtschiff am Sonntagabend im Kieler Hafen am Auslaufen. Die Blockierer*innen fordern ein Ende der gesamten Kreuzfahrtindustrie.

Sie hatten zwei Stunden vor dem geplanten Ablegen des Kreuzfahrtschiffes mit ihrer Aktion begonnen. Sie kreuzten mit kleinen Booten vor dem Bug des Schiffes und hielten es so auf. Fünf Aktivisten besetzten darüber hinaus am Ostseekai einen Kran. 46 Aktivist*innen seien von der Polizei vorläufig in Gewahrsam genommen worden. Gegen sie wurden Strafverfahren wegen des Verdachts der Nötigung, des Widerstandes und des Hausfriedensbruchs eingeleitet. Mittlerweile sind laut „Smash Cruiseshit” alle Aktivist*innen wieder auf freiem Fuß.

Die Gruppe erklärte, sie wolle mit der Aktion den Schadstoffausstoß des Kreuzfahrtschiffes Zuiderdam unterbrechen und auf die Arbeitsbedingungen an Bord aufmerksam machen. Die „Ausbeutung” an Bord müsse aufhören, schrieb die Gruppe auf Twitter, viele Menschen auf Kreuzfahrtschiffen müssten für zwei Euro in der Stunde arbeiten. Und: „Kreuzfahrtschiffe tragen zur Erhitzung des Planeten bei - durch Rußpartikel, die sich auf Eisbergen in der Arktis absetzen, schmilzt das Eis dort noch schneller.” Verletzt wurde bei der Aktion nach Polizeiangaben niemand, „Smash Cruiseshit” schrieb auf Twitter hingegen von einigen Leichtverletzten. Diese Aktion könnte der Auftakt einer bislang neuen Form des Protestes sein.

„Smash Cruiseshit” kündigte weitere Aktionen an: „Es gibt kein ruhiges Hinterland für Klimazerstörer”, heißt es in einer Mitteilung.

Protest- und Blockadeaktionen dieser Art auf dem Wasser sind bislang relativ ungewöhnlich. Weltweit sorgten die mitunter militanten Walschützer*innen von Sea Shepherd immer wieder für Schlagzeilen. In Deutschland kam es 2017 beim Castortransport auf dem Neckar zu kleineren Protestaktionen am Ufer und an Brücken. 2008 demonstrierten in Berlin Aktivist*innen in Gummibooten und Luftmatratzen gegen das Bauprojekt „Mediaspree”.

Die Zuiderdam gehört über eine Tochtergesellschaft zum Kreuzfahrtkonzern Carnival mit Sitz in den USA. Der Konzern bezeichnet sich als größten Kreuzfahrtveranstalter der Welt. Kiel war die vorletzte Station einer Ostsee-Rundreise, die am Montag in Kopenhagen endete. Die Reederei hat sich bislang zu dem Vorfall nicht geäußert. Der Kreuzfahrt-Tourismus boomt seit Jahren. Im vergangenen Jahr buchten 2,23 Millionen Reisende aus Deutschland eine Kreuzfahrt, ein Plus von drei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Weltweit stieg die Zahl der Kreuzfahrt-Passagiere um 6,7 Prozent auf 28,52 Millionen.

Doch auch die Kritik an der Branche wächst. Vielen Reedereien wird vorgeworfen, ihr Schiffspersonal schlecht zu bezahlen und unter teilweise miserablen Bedingungen arbeiten zu lassen. Darüber hinaus werden immer häufiger die negativen Auswirkungen des Kreuzfahrttourismus auf Umwelt und auch auf touristische Destinationen selbst diskutiert. Am Sonntag demonstrierten in Venedig tausende Menschen für ein Ende der Kreuzfahrten in die Lagunenstadt. Ein Kreuzer hatte ein kleines Touristenboot gerammt, vier Menschen wurden verletzt.

pwe/dpa