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Auch wenn ein Studium in Deutschland im Gegensatz zu vielen anderen Ländern nicht gleich hohe Verschuldung bedeutet – es ist nicht umsonst. Laut einer Erhebung des deutschen Studentenwerkes von 2012 beträgt der monatliche Aufwand für ein Studium 570 bis 1100 Euro, wobei diese Zahlen mit dem massiven Anstieg der Mietpreise in den letzten Jahren mittlerweile noch höher ausfallen dürften. Und weil viele Studierende kein oder nur wenig BAföG oder elterliche Unterstützung bekommen und keine Zeit für einen Nebenjob haben, sind sie auf Stipendien angewiesen. Und die muss man erstmal bekommen. 

Eine neu veröffentlichte Studie des Portals myStipendium und der Mercator-Stiftung zeigt wieder einmal, dass es von Vorteil ist, weiß, männlich und aus gutem Haus zu sein. Und die Studie legt nahe, dass im Bereich Chancengleichheit noch einiges getan werden muss.

Die Studie wurde mit 28.000 Abiturienten und Studierenden aller deutschen Hochschulen durchgeführt und hält fest, wie viele und wer von ihnen erfolgreich bei der Bewerbung für ein Stipendium war. Besonders auffällig ist dabei der Unterschied zwischen den Geschlechtern: Frauen bewerben sich seltener um Stipendien. Und sie werden eher abgelehnt als ihre männlichen Kommilitonen, obwohl sie den besseren Notendurchschnitt haben. Bei den Männern (Notenschnitt 2,05) haben letztlich 23 Prozent ein Stipendium bekommen, während es bei den Frauen (Notenschnitt 1,91) 21,4 Prozent waren.

Mira Maier, Gründerin von myStipendium, erklärt diese Diskrepanz damit, dass Frauen einfach seltener dazu ermutigt werden, sich für ein Stipendium zu bewerben. „Deshalb schätzen sie ihre Chancen von vorneherein als ziemlich schlecht ein und gehen mit weniger Selbstbewusstsein an eine Bewerbung heran.“ Ein weiterer Faktor, der dann zu geringeren Erfolgsaussichten beiträgt ist, dass für viele Stipendien gute Noten relativ irrelevant sind und stattdessen ein Händchen bei der Selbstdarstellung und Überzeugungskraft ausschlaggebend sind. Und dick auftragen, das tun offenbar eher Männer.

Auch Migranten und Nicht-Akademiker bekommen weniger Stipendien

 

Auch Studierende, deren Eltern Migranten oder Nicht-Akademiker sind, bewerben sich seltener und haben damit weniger Erfolg als Akademikerkinder. Deren Chancen Stipendiat zu werden, sind 30 Prozent höher. „Der klassische Grund, aus dem sich junge Leute nicht für ein Stipendium bewerben, ist, dass sie glauben, man müsste dafür extrem talentiert, wahnsinnig engagiert und gleichzeitig besonders bedürftig sein“, sagt Mira Maier. Dabei gebe es viele kleinere Stiftungen, die keine allzu hohen Anforderungen stellen, aber schlichtweg nicht bekannt seien. Gerade unter Studierenden mit Migrationshintergrund fehlt es an Information über die verschiedenen Stipendienangebote. In dieser Bewerbergruppe haben 20,9 Prozent ein Stipendium bekommen. Bei den Bewerbern ohne Migrationshintergrund waren es 22,4 Prozent – kein enormer, aber dennoch deutlicher Unterschied

Eine Möglichkeit, das zu ändern, sieht Maier in einem flächendeckenden Informationsangebot für Studierende. Wichtig sei auch, dass die Lehrkräfte an den Hochschulen gezielt Frauen, Arbeiterkinder und Studierende mit Migrationshintergrund ansprechen und sie dazu ermutigen, sich für Stipendien zu bewerben.

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