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Fotos: buttonmuseum.org, shop.hillaryclinton.com, shop.donaldjtrump.com; Collage: Johannes Englmann

Von "I'm with Her" bis "Trump that Bitch": Während des Wahlkampfs in den USA sieht man unzählige Buttons, die verkauft, verteilt und stolz getragen werden. Politische Buttons, mit denen man seine Zustimmung für einen Kandidaten zeigt (oder ihn ablehnt) haben hier Tradition.

Christen Carter ist Gründerin und Chefin von „Busy Beaver“, einer Firma in Chicago, die seit 1995 Buttons für alle möglichen Anlässe produziert – meistens nach Auftrag, zum Teil aber auch nach eigenen Designs. Und natürlich auch für politische Kampagnen. Außerdem hat sie mit ihren Kollegen ein Online-Button-Museum erstellt. Wir haben Carter gefragt, wie diese Tradition entstanden ist, wie sich Clinton- und Trump-Buttons unterscheiden und was ihr liebster Kampagnen-Anstecker aller Zeiten ist. 

jetzt:  Wie sehen die typischen, offiziellen Trump-Buttons in diesem Wahlkampf aus?

Christen Carter: Es gibt viele, die traditionell designt sind, mit einem farbigen Streifen oben und unten und einer Botschaft in der Mitte, die sehr simpel und direkt ist: "Make America great again" oder "I'm with you" oder "#BuildTheWall". Auf der anderen Seite gibt es sehr viele Anti-Hillary-Buttons.

Wie sehen die aus?

Die sind zum Teil sehr bösartig. Oft geht es darum, dass sie ins Gefängnis soll. Das soll die Leute gegen sie aufbringen. Die Trump-Anhänger stehen zwar zusammen, aber gegen etwas statt für etwas – und dieses Etwas ist nicht mal eine Sache oder ein bestimmtes Thema, sondern eine Person.

Gab es nicht schon immer Buttons, die den Gegner ablehnen?

Klar, es gab immer wieder Anti-Buttons in Kampagnen, auch wirklich gemeine, die zum Beispiel auf die Ehefrauen der Kandidaten abzielten. Oder den "Lick Dick"-Button von George McGovern, der sich 1972 gegen Richard Nixon richtete – der war zwar sehr schön designt, aber auch sehr sexuell. So böse Buttons wie die gegen Hillary habe ich allerdings noch nie gesehen. Ich hoffe sehr, dass zukünftige Kampagnen wieder weniger fies sein werden.

Und wie sehen die offiziellen Clinton-Buttons aus?

Die stehen im Gegensatz zu den Trump-Buttons nicht gegen, sondern für etwas, und sind von der Botschaft her feierlicher. Vor allem die mit dem "Stronger together"-Slogan – das ist eine gute Botschaft und nicht so spaltend, wie der ganze Wahlkampf seit den Primaries ja leider ist.

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Die Mutter aller Campaign Buttons: George Washingtons gravierte Knöpfe.

Foto: buttonmuseum.org
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Einer der ersten Wahl-Anstecker überhaupt warb für Abraham Lincoln.

Foto: buttonmuseum.org
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Mit diesem Button war jeder Händler auf der sicheren Seite: Weil beide Kandidaten (Franklin D. Roosevelt und Wendell Willkie im Wahlkampf 1940) drauf waren, vermied er Kontroversen mit den Kunden.

Foto: buttonmuseum.org
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Ein Historischer Anti-Nixon-Button. Ziemlich anzüglich, aber auch ziemlich schön.

Foto: buttonmuseum.org
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Er ist zwar nicht mehr im Rennen, aber Bernie Sanders' Wahlkampf wurde von vielen Aktivisten getragen – und war darum auch sehr Button-lastig.

Foto: oH
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"Feel the Bern" wurde mit der Zeit zum offiziellen Bernie-Slogan.

Foto: oH
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Haare + Brille = Bernie

Foto: oH
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Dieser Button spielt auf den Vogel an, der während einer Sanders-Rede auf seinem Pult landete.

Foto: oH
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Insider-Button der Trump-Kampagne: "Yuge" sagt Trump besonders gerne.

Foto: shop.donaldjtrump.com
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Trump sagt das zu seinen Anhängern. Und sie sagen es zu ihm.

Foto: shop.donaldjtrump.com
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Offizieller Trump-Pence-Button mit offiziellem Kampagnen-Slogan.

Foto: shop.donaldjtrump.com
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Auch Trumps berühmteste Forderung gibt es in seinem Kampagnen-Shop als Button.

Foto: shop.donaldjtrump.com
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Wer kann diesem Lächeln widerstehen?

Foto: oH
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Es gibt viele lustige Anti-Trump-Buttons. Und oft sind seine Haare drauf.

Foto: oH
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Witzige Wortspiele gegen Trump!

Foto: oH
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Eher eklig: Trump als Haufen.

Foto: oH
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Eher niedlich: der offizielle Anti-Trump-Button der Hillary-Kampagne.

Foto: shop.hillaryclinton.com
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Weil die Hillary-Kampagne 45 Designer beauftragte, Buttons zu gestalten, sind die Motive in ihrem Shop sehr verschieden. Und sehr kreativ.

Foto: shop.hillaryclinton.com
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Es gibt zum Beispiel Hillary-Buttons aus Stoff.

Foto: shop.hillaryclinton.com
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Das Besondere an diesem Button: Die Worte "Stronger together" sind auf dem Pfeil auch in Braille-Schrift zu lesen.

Foto: shop.hillaryclinton.com
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Trump sagt auf einem seiner Buttons: "I'm with you". Hillarys Anhänger entgegen mit diesem: "I'm with her."

Foto: shop.hillaryclinton.com
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Anti-Hillary-Buttons, die man im Trump-Shop kaufen kann, verlangen vor allem: "Hillary in den Knast".

Foto: shop.donaldjtrump.com
Noch mehr Knast für Hillary.

Noch mehr Knast für Hillary.

Foto: shop.donaldjtrump.com

Und das Design?

Ist sehr kreativ. Das liegt vor allem an der Aktion, für die 45 Designer Buttons für die Clinton-Kampagne entworfen haben. Die sind so cool! Ich habe mir ein Set davon bestellt

Was ist so Besonders an denen?

Es gibt sehr spezielle Buttons, zum Beispiel aus Stoff, und welche, auf denen der Slogan zusätzlich in Braille-Schrift abgedruckt ist. Ich habe es außerdem noch nie erlebt, dass offizielle Kampagnen-Anstecker von so vielen verschiedenen Designern gemacht wurden, deren Namen sogar alle genannt werden. Und die Designs basieren zum Teil auf der ganz subjektiven Sicht der Künstler.

Zum Beispiel?

Robynn Raye aus Seattle hat zum Beispiel einen "Still love Bernie, voting for Hillary"-Button für das Set gemacht. Ich glaube, ich habe noch nie gesehen, dass eine Kampagne in ihrem offiziellen Merchandise eine positive Aussage über einen Konkurrenten zugelassen hat. Das fühlt sich total ehrlich und gemeinschaftlich an, und es spricht viele Menschen an, die in ihrer Liebe zu Bernie genau das fühlen.

Hat Hillary auch Anti-Trump-Buttons?

Ja, aber die sind eher süß. Auf einem sieht er aus wie der Monopoly-Mann. Das Gemeinste, was bei ihr vorkommt, ist "Love Trumps Hate".

Warum liebt ihr Amerikaner eure Campaign-Buttons eigentlich so sehr?

Für die meisten Amerikaner sind Buttons einfach Teil der Kultur. Jeder hat welche, die Eltern hatten welche, auch die Großeltern hatten schon welche, und haben sie ihren Kindern vermacht, als sie gestorben sind. Sie waren für uns also irgendwie immer schon da.

"Du musst für deine Überzeugung einstehen können, wenn du sie am Körper trägst"

Können sie denn wirklichen etwas bewegen oder sind sie nur hübsche Accessoires?

Ich denke schon, dass sie eine gewisse Macht haben. Wenn jemand einen politischen Button trägt und du hast das Gefühl, dass diese Person vertrauenswürdig ist, dann kann das deine Meinung beeinflussen. Auf der anderen Seite kann es gut sein, dass du für einen Campaign-Button, den du selbst trägst, einen abfälligen Kommentar bekommst – du musst also für deine Überzeugung einstehen können, wenn du sie am Körper trägst. Insgesamt finde ich es einfach cool, dass Menschen bereit dazu sind, durch einen tragbaren Gegenstand miteinander in Kontakt zu treten, auch, wenn sie verschiedener Meinung sind. Und auf der anderen Seite schafft es ein Gemeinschaftsgefühl, wenn jemand seine Meinung offen nach außen trägt und du stimmst ihr zu.

Wie ist die Tradition für politische Anstecker in den USA entstanden? 

Den ersten Vorläufer der Buttons gab es 1789: Da trug George Washington bei seiner Inauguration handgravierte Knöpfe mit seinen Initialen – daher kommt auch der Name "Button". Als dann das Mehr-Parteien-System entstand, gab es die ersten Anstecker, mit denen man sagen konnte: "Das ist mein Kandidat!" Das waren Messing-Ringe mit Fotos der Kandidaten darin, zum Beispiel Abraham Lincoln, und einer Nadel zum Feststecken.

Also die ersten "richtigen" Buttons.

Nein, das waren immer noch Vorläufer. Der eigentliche Pinback-Button wurde von einer Firma in New Jersey erfunden und patentiert und ist per Definition eine Hülle mit einer Illustration darin, typischerweise mit Kunststoff verkleidet, und mit einer Nadel hinten dran. Das war im Jahr 1896.

Christen Carter

Christen Carter

Foto: oh

Und seitdem gibt es zu jeder Kampagne Buttons?

Historisch gibt es mehr Kampagnen mit als ohne – und vor allem in den Sechzigern und Siebzigern gab es sehr viele Buttons, nicht nur zu Wahlen. Sie waren oft künstlerisch anspruchsvoll, aber auch sehr frech und geradeheraus. Im Button-Museum haben wir zum Beispiel einen Pro-LSD-Button aus dieser Zeit oder einen, der vom Pop-Art-Künstler Peter Max gestaltet wurde. Vor einigen Jahren gab es dann ein kleines Tief. Die Bush-Kampagne hatte kaum Buttons, die Obama-Kampagnen wieder etwas mehr.

 

Woran liegt das?

Ich denke, heute findet man die meisten Buttons dort, wo die Kampagne besonders stark von Aktivisten getragen wird. Zumindest im linken Spektrum ist das so. Beide Seiten tragen Buttons, aber je weiter links, desto lieber drücken die Menschen ihre Meinung auf ihrer Kleidung aus. In diesem Wahlkampf konnte man das besonders gut an der Sanders-Kampagne sehen, bei der viele Unterstützer eigene Buttons mit ganz eigenen Motiven und Botschaften hergestellt haben.

 

"In diesem Jahr kursieren viele Fotos von Buttons im Internet, weil es so ein ungewöhnlicher Wahlkampf ist"

 

Aber Campaign Buttons sind nicht nur bei Grassroot-Kampagnen zu finden.

Ja, vor allem im aktuellen Wahlkampf sind sie auch ein Marketing-Instrument und werden in den offizielle Shops der Kandidaten angeboten. Zum Teil ist das mittlerweile einfach Geldmacherei. In den Neunzigern konnte man noch in jede Wahlkampf-Zentrale gehen und eine Handvoll Buttons umsonst mitnehmen. In den vergangenen zwanzig Jahren gab es dann einen Rückgang, Buttons wurden zum Teil von Stickern ersetzt. Die konnte man sich auch ankleben oder auf Verkehrsschildern verteilen – und sie sind günstiger in der Produktion.

 

Aber jetzt sind die Buttons zurück.

Ja, und mit der Clinton-Kampagne gibt es endlich wieder mehr lustige und kunstvolle Motive!

 

Hat das Internet Buttons wieder groß gemacht? Weil es jetzt so viele Fotos gibt, auf denen man sich mit Buttons zeigen und so die Botschaft besser verbreiten kann?

Interessanter Gedanke: Weil du auf einem Foto nicht sprechen kannst, macht es dein Button für dich. Das kann gut sein. Die Hochphase der Buttons in den Sechzigern war ja auch eine Hochphase der Bilder. Personen wie Martin Luther King und Malcolm X, die etwas verändern wollten, haben oft Buttons getragen. In diesem Jahr kursieren aber auch viele Fotos von Buttons online, weil es so ein ungewöhnlicher Wahlkampf ist und die Leute die Buttons darum einfach als Erinnerungsstücke sammeln. 

 

Hast du, als Kuratorin des Button-Museums, einen Liebling in der Geschichte der Campaign-Buttons?

Ich bin sehr für Meinungsfreiheit und verschiedene Meinungen – aber ich mag trotzdem einen Button sehr gerne, der genau das Gegenteil macht: die "Salesman's Safety"-Pin von 1940, als Roosevelt gegen Wendell Wilkie angetreten ist. Da waren beide Kandidaten drauf und drüber stand "Our next President". Ein Händler konnte also einen Campaign Button tragen, ohne Partei zu ergreifen, und war so beim Kunden auf der sicheren Seite. Das ist ein bisschen wie die Buttons, die bei jeder Kampagne wieder auftauchen und auf denen steht: "Nobody for President".

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