"Erection Day Party" und "Meditieren für Amerika"

Ja, diese US- Wahl-Partys gibt es wirklich. Und einige andere ähnlichen Kalibers.
Von Nadja Schlüter
Foto: afp / Jim Watson

Meine Güte, hat das lange gedauert! Die Washington Post hat sogar extra einen Waste-o-Meter erstellt, mit dem jeder von uns ausrechnen kann, wie viel Lebenszeit durch den scheinbar nie enden wollenden US-Wahlkampf verschwendet wurde.  Aber jetzt, ja, diesen Dienstag ist es soweit: In den USA wird gewählt. Ein Grund zu feiern.

Für die Amerikaner sowieso, denn „Election Watch Partys“, auf denen gemeinsam das Ergebnis erwartet wird, haben Tradition in den USA. Und obwohl dieses Jahr viele Angst vor Streit haben, weil das Land so gespalten ist (und manche darum sogar auf so nette Details wie Partei-Plätzchen, verzichten, damit sich niemand anschreien lassen muss, bloß weil er einen Keks gegessen hat), gibt es eine unendlich große Party-Auswahl: in Bars oder an Unis, in heimischen Wohnzimmern oder im Kino, für Demokraten oder Republikaner, für Grüne oder Libertäre oder Unentschiedene. Und dann gibt es natürlich noch ein paar sehr ausgefallene Feiern. Feiern, bei denen man sich schon manchmal fragt: Gibt’s die echt? Ja, gibt es. Wir haben ein paar der interessantesten Watch-Partys zusammengestellt:

 

Election Night Singles Party

Die Idee: Effizienz! Es geht hier ja nicht nur um die Zukunft des Landes, sondern auch um die eigene. Pursuit of Happiness und so. Also keine Zeit verschwenden und die Wahl mit Menschen angucken, die das Gleiche suchen wie man selbst: einen Partner, mit dem man es die nächsten vier Jahre auf jeden Fall aushält, egal, wer im Weißen Haus sitzt. Und damit auch alle schön locker werden, gibt es zwei Drinks zum Preis von einem und „fun ice breaker games“.

Aus der Ankündigung: „Over 100 singles expected!“

Wen wirst du dort vermutlich treffen? Dauersingles, die (zu) gerne über Politik sprechen, und frisch Getrennte, die vergessen haben, wählen zu gehen.

Mit diesem Satz findest du schnell Freunde: „Du kennst dich doch sicher voll gut aus und kannst mir das US-Wahlsystem erklären, oder?“

Mit diesem nicht: „Pssst, jetzt kommt das Ergebnis aus Florida!“

 

Hit the POLES! Erection Day Political Party

Die Idee: Nur, weil das ein staubtrockener Politik-Tag war, heißt das nicht, dass er auch staubtrocken enden muss! Darum nach der Wahl in einen exzentrischen New Yorker Nachtclub gehen und „die Freiheit und die Libido“ feiern. Das beste Kostüm (Dress-Code: „stars and stripes and slutty“) wird mit 100 Dollar prämiert. Zutritt erst ab 21 Jahren.

Aus der Ankündigung: „Elect and erect to your heart's delight“, „Let us f*ck everything we can, while we still can!“ und „Vote hard, come harder!“

Wen wirst du dort vermutlich treffen? Wenn die Besucher sich an die Kostüm-Empfehlungen der Veranstalter halten, werden dort unter anderem „Monika Lewinsky“, „Anderson Cooper“, „Foxy News“ und eine „amerikanische Fahnenstange“ auftauchen.

Mit diesem Satz findest du schnell Freunde: „I’m such a nasty woman!“

Mit diesem nicht: „Mehr Wortspiele zum Thema ‚Wahl‘ sind euch nicht eingefallen?“

Die Idee: Wir wollen das hier schon ernst nehmen, aber auch Spaß haben. Schwierige Kombination. Lösung: Sich in einer Bar treffen und saufen, aber auch USA-Karten ausgehändigt bekommen, in denen man einen Staat rot oder blau ausmalen kann, sobald das Ergebnis da ist. Und nebenher noch total aufregende Wetten abschließen: Um wie viel Uhr wird wohl das Ergebnis aus Ohio da sein? Wie viele Sitze im Repräsentantenhaus werden die Republikaner aus Virginia gewinnen?

Aus der Ankündigung: „It's the little touches that make this party interesting.“

Wen wirst du dort vermutlich treffen? Streber. Und betrunkene Streber.

Mit diesem Satz findest du schnell Freunde: „Laut ‚Politico‘ sollte man dieses Jahr ja vor allem diese 25 Counties im Auge behalten: Arapahoe, Colorado; Hilllsborough, Florida; Scott, Iowa; Macomb, Michigan; …“

Mit diesem nicht: „In welcher Stadt ist eigentlich dieses Electoral College?“

Die Idee: Es reicht! Schluss, aus, genug gestritten und diskutiert und sich entzweit! Diese Party will, dass sich endlich wieder alle vertragen und die ganze Wahl nicht so furchtbar ernst nehmen. Darum wird abwechselnd CNN und Fox News geguckt, damit sich niemand übervorteilt fühlt. Und wer einen anderen wegen seiner politischen Meinung beleidigt, muss ihm sofort einen Drink ausgeben – ansonsten wird er rausgeworfen.

Aus der Ankündigung: „Specialty cocktail menu including drinks such as The Wall, The Jail Bird, The Combover and more. Special election night food menu with items like the Hillary Burger which would be a bacon cheeseburger with hot sauce (she loves hot sauce).“

Wen wirst du dort vermutlich treffen? Harmoniesüchtige Großstadt-Akademiker mit Tattoos, ambitionierten Frisuren und viel Geld (aber wenig Ersparnissen).

Mit diesem Satz findest du schnell Freunde: „Ihr tut mir dieses Jahr wirklich leid!“

Mit diesem nicht: „Also, ich finde es ja sehr wichtig, auch den wütenden Hillbillies im Mittleren Westen zuzuhören.“

Election Night Cuddle Party

 

Die Idee: Erst wählen, dann schmusen. „Kuschel-Parties“ sind seit ein paar Jahren der Place to be für Menschen, die gern menschliche Nähe und keine Angst vor fremdem Schweißgeruch haben. Und nach einem anstrengenden Tag in der Schlange vorm Wahllokal haben es sich alle redlich verdient, ein bisschen gestreichelt und umarmt zu werden

Aus der Ankündigung: „Let's get together after casting our votes in the election to relax and unwind!“

Wen wirst du dort vermutlich treffen? Menschen, die gern witzige Socken tragen, immer lächeln und ganz sicher nicht über die Wahl sprechen wollen.

Mit diesem Satz findest du schnell Freunde: „In Deutschland gibt’s diesen einen Song mit der Zeile ‚Deine Gewalt ist nur ein stummer Schrei nach Liebe‘ und die ist sososo wahr!“

Mit diesem nicht: „Grab her by the pussy!“

 

Proud Boy Magazine Launch Election Party

 

Die Idee: Die Wahlnacht dazu nutzen, ein neues Online-Magazin vorzustellen, das Donald Trump lieben wird, falls er jemals davon erfährt: „Proud Boy“, erfunden für weiße Typen, die sich selbst „Western Chauvinists“ nennen, Amerika immer noch für das großartigste Land der Welt halten (solange nicht zu viele Menschen einwandern, die nicht weiß sind), und an die einfache Formel „keine Moslems – kein Terrorismus“ glauben. Gemeinsam werden sie die Berichterstattung zur Wahl verfolgen, auf einer großen Leinwand und mehreren Fernsehern – aber natürlich nur auf einem Sender: Fox News.

Aus der Ankündigung: „Hopefully, we’ll be able to watch Trump win the election on the big screen!“

Wen wirst du dort vermutlich treffen? Das Patriarchat.

Mit diesem Satz findest du schnell Freunde: „Wenn eine Frau gerne dauerhaft Zuhause bleiben und Kinder großziehen möchte, ist das doch ein sehr schönes und edles Ansinnen!“

Mit diesem nicht: „Wenn wir schon mal alle hier sind, wäre es doch nett, wenn wir uns nachher zusammensetzen und gemeinsam den Kolonialismus und die Sklaverei aufarbeiten, oder?“

 

Meditation for America

 

Die Idee: Klar, wählen sollte möglichst jeder – aber warum danach stumpf die Berichterstattung verfolgen, wenn man die Zukunft doch auch noch auf anderem Wege beeinflussen kann? Zum Beispiel, indem man gemeinsam meditiert.

Aus der Ankündigung: „Gather with us, as we envision what's possible for the future of our great country, and meditate on the intention of bringing the highest and greatest good to the United States of America, so we may heal as a nation and move forward as united citizens.“

Wen wirst du dort vermutlich treffen? Mindestens einen „Legalize it“-Shirt-Träger und eine nette Speckgürtel-Bewohnerin, die aussieht wie Andrea Nahles auf Amerikanisch.

Mit diesem Satz findest du schnell Freunde: „‚Wahl‘, das ist so ein großes Wort! So viel größer als du und ich, so viel größer als wir alle!“

Mit diesem nicht: „Entschuldige, wenn ich gleich so offen bin, aber ich finde nicht, dass du als Weißer Dreadlocks tragen solltest.“

 

 

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