Wie man dem ekelhaften Wetter was Schönes abtrotzt

Und was das mit Papageien, Rauchen und Gin Tonic zu tun hat.
Von Lena Jakat
wetter rockimpark dpa danielkarmann

Rock im Regen im Park.

Foto: Daniel Karmann/dpa

Es regnet in Deutschland. Es schüttet, kübelt, schifft, saut, sabbert. Unmengen von Wasser. Nass wird man in diesem Sommer nicht im Freibad, sondern ausschließlich von oben. Willkommen in einer neuen Regenzeit. Jetzt kann man weinen vor Wut oder Frust oder Trauer darüber, dass früher das Wetter viel geiler war und so den Sommer noch ein bisschen feuchter machen. Oder man probiert was anderes.

Wichtig natürlich: Das hier geht nicht an euch, ihr Menschen in Niederbayern, Baden-Württemberg, NRW oder anderswo, die euch der Regen alles kaputtgehauen hat. Sondern an alle die Katastrophen-Verschonten da draußen, die einfach nur ständig nass werden.

Probiert mal was anderes!

Kauft euch pinke Gummistiefel, die nach Zitrone riechen. Knutscht unterm Regenschirm. Und dann: Macht die Augen auf, ganz weit.

Was man dann sehen kann: Die beiden Enten auf meinem Heimweg, die immer ein bisschen dümmlich dreinschauen, wohnen jetzt auf der Spielplatzwiese. Weil sie es können. Die Bäume und Sträucher und Wiesen und Blumen explodieren. Alles ist grün, so grün, dass das Grün fast rauszulaufen scheint. Eine Kurzstrecke in der U-Bahn spart den Eintritt fürs Dampfbad. Die Großwetterlage drückt. Seen auf dem Gehweg. Superzellen am Himmel.

Morgens, in der Sekunde vor dem Aufwachen, wenn der Regen trommelt, fühlt sich das nach Bali an, nach Thailand oder Sri Lanka. Es ist schwül. Es prasselt, der Donner grollt. Die Vögel drehen durch. War das das wirklich eine Amsel? Die Enten? Klang fast wie ein Papagei. Und der Donner? Kam der vom Himmel oder vom Strand her?

 

Malaria-Prophylaxe? Gin Tonic!

 

Traumhaft bis hierhin. Und deshalb weiter: Wenn es so weiterregnet und wir alle miteinander weiter fleißig das Weltklima erhitzen, vielleicht können wir dann statt der langweiligen Meisen bald Kakadus auf dem Balkon beobachten. Und Tukane, die zwischen den Riesenfarnen herumspazieren. Orchideen statt Unkraut jäten. In der Allee vor dem Büro endlich ausprobieren, ob Lianen erwachsene Menschen aushalten. Mit einem Leguan gassigehen, der Hasso heißt. Tropenhelme tragen und Tropenhelmhersteller vor der Insolvenz retten. Den Papagei auf der Schulter.

 

Statt Autofreikratzen müssen wir morgens die Regenwaldranken ausholzen, die über Nacht schon wieder die Haustür zugewachsen haben. Epische Mückenschwärme werden uns (das ist ziemlich wahrscheinlich, leider) derart penetrant nerven, dass wir alle unbedingt sofort wieder anfangen müssen, Zigaretten zu rauchen. Soll schließlich helfen. Ach ja, und her mit dem Gin Tonic! Der wurde schließlich überhaupt erst als Malaria-Prophylaxe erfunden.

 

Vielleicht sollten wir uns auf diese Zukunft schon mal vorbereiten. Und gelassen nass werden nach Art des Dschungelwanderers. Mit einem Gin Tonic und einem imaginären Papagei als Zukunftsprohylaxe.

 

 

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