Das große Wohnheim ABC

Von A wie Alkohol bis Z wie Zuhause ist es am schönsten - alles, was du über das Leben im Studentenwohnheim wissen musst.
Von Eva Fritsch
wohnheim bar jetzt
Illustration: Lucia Götz

A wie Alkohol

Spätestens, wenn du den Bierautomaten im Keller entdeckt hast, weißt du: Im Wohnheim kannst du zu jeder Tages- und Nachtzeit Alkohol bekommen. Wenn der Bierautomat mal leer ist, einfach in die --> Bar gehen und ein Bier (oder auch zwei) bei deinen Mitbewohnern kaufen – oder ganz einfach beim Zimmernachbar deines Vertrauens klopfen und dort schnorren. Zur Tanke musst du nachts auf jeden Fall nicht mehr gehen.

B wie Bar

Nicht umsonst sind Partys in der Bar, die sich meistens im Keller des Wohnheims befindet, für ihre günstigen Getränke, die schlechte Musik, noch schlechtere Verkleidungspartys und den hohen Eskalationsgrad berüchtigt - auch über die Grenzen des Wohnheimskosmos hinaus. Es muss aber nicht immer einen offiziellen Grund geben, um sich mal wieder gepflegt abzuschießen. Dank der privaten --> Alkoholvorräte (Schnapskiste olé!) mancher Mitbewohner oder spontaner Besäufnisse in der gemeinsamen Küche ist für Privatpartys immer gesorgt.

C wie Cool Kids

Sind bei jeder Party in der --> Bar dabei, bleiben bis zuletzt und sind gefühlt auch immer im --> Garten des Wohnheims anzutreffen - selbst, wenn sie nach sechs Semestern zwangsweise aus dem Wohnheim ausziehen mussten.

D wie Duschkabine

In einem Wohnheim mit Gemeinschaftsduschen weißt du irgendwann, wer gerne unter der Dusche singt, wer auf welche Shampoo-Duftnote steht – und vor allem, wie unendlich viele Sorten Schimmel es geben kann, wenn es mal wieder nicht mit dem --> Putzplan geklappt hat.

E wie Englisch-Skills

Solltest du haben, wenn du in ein Wohnheim ziehst, denn da wohnen in der Regel auch viele internationale Studis, die gerade am Anfang ihres Erasmus-Aufenthalts noch nicht perfekt Deutsch sprechen. Andererseits: In Sprach-Tandems kann man natürlich auch sehr gut seine Fremdsprachenkenntnisse auffrischen - und die ein oder andere Liebesgeschichte gab es dabei auch schon.

F wie Fitnessraum

Hast du Glück, ist im Keller deines Wohnheims ein kleiner Fitnessraum, bei dem du dir die Kalorien, die du bei gemeinsamen Stockwerksaktionen angefuttert hast, wieder abtrainieren kannst. Wenn nicht: Irgendwer installiert immer eine Klimmzugstange in der Küchentür. Bis der Rahmen rausbricht.

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Illustration: Lucia Götz

G wie Garten 

Hier gilt dasselbe wie für den Fitnessraum: Hast du Glück, ist einer bei deinem Wohnheim dabei. Grillen, Tischtennis spielen oder in der Sonne entspannen - der eigene Garten erspart dir so manchen Gang in den nächsten Park.

H wie Heimsprecher

Für besonders engagierte Menschen eine Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen, zwischen den Bewohnern und der Wohnheimleitung zu vermitteln und die Beschwerden von Nachbarn wegen nächtlicher --> Ruhestörung abzuwenden.  

I wie Igitt

Haare (von diversen Menschen) in der Dusche, Essensreste (von vor vier Tagen) im Spülbecken und klebrige Böden (von Bier der letzten Party): Die Ekel-Skala vom Dschungelcamp ist ein Witz dagegen!  

J wie Jeder-hat-sich-gern-und-kümmert-sich-um-den-anderen-Mentalität  

Wenn dein Fahrrad kaputt ist, frag Sebastian aus dem zweiten Stock, der ist ein Bastler und hilft dir gerne. Du brauchst einen Hausarzt, aber kennst dich noch nicht so gut in deiner Stadt aus? Sabine aus dem ersten weiß da bestimmt Rat. Im Wohnheim bist du mit deinen Problemen nie allein, egal ob es sich um einen streikenden Laptop oder um Liebeskummer handelt. Das ist schön - führt natürlich aber auch zu Verpflichtungen. Wenn jemand erkennt, dass du sehr gute Pizza backst, wirst du vermutlich zukünftig auch häufiger mit den Händen in der Teigschüssel sein.

K wie Küchenbenutzung, gemeinsame 

Sicher, es gibt Mitbewohner, die essen zu „gewöhnlichen“ Zeiten ihre Nudeln mit Pesto. Und dann gibt es die, die auch nachts (natürlich betrunken) ihre Eier braten müssen – und damit gerne mal für den nächsten Feueralarm sorgen. Spätestens, wenn man selber einmal zu der Spezies Nachtesser gehört, weiß man: Kalte Nudeln mit Biersauce sind die beste Kombination aller Zeiten.

L wie Liebesglück oder -pech 

Ob stockwerksintern (sneaky) oder einem Stockwerk drunter oder drüber (tricky): Die Auswahl ist groß! Schwierig wird es bei einem Mitbewohner vom selben Stockwerk: Da kann die praktische Affäre, weil so schön nah, auch schnell mal zum Reinfall werden, wenn man sich nach einem Streit oder einer Trennung trotzdem morgens beim Frühstück gemeinsam am Tisch sitzen oder sich in der --> Bar begegnen muss.

M wie Motivationsschreiben 

Braucht man tatsächlich mittlerweile häufiger, um einen der begehrten Plätze zu bekommen. Da kannst du auch gleich reinschreiben, ob du motiviert bist, das -->Haussprecheramt zu übernehmen.

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Illustration: Lucia Götz

N wie Nachts-sind-alle-Mitbewohner-gleich

Denkste! Da gibt es die, die auch nach zwei Uhr noch laut Musik hören, nachts meinen noch romantisch Nudeln kochen zu müssen oder betrunken von der --> Bar kommend, durch das Treppenhaus torkeln. In solchen Momenten meldet sich der --> Zuhause-ist-es-immer-noch-am-schönsten-Komplex.

 

O wie Ordnungsfanatiker

Werden im Wohnheim schnell wahnsinnig - dann doch lieber eine WG suchen.

 

P wie Putzplan

Ist eine tolle Erfindung und Sauberkeits-Glückseligkeit oft das Resulat. Da denkt man nämlich tatsächlich, die Küche würde die kommenden Tage so blitzeblank bleiben, wie nach der Putzorgie. Tatsächlich haben dann innerhalb von zwei Stunden wieder drei Leute gefrühstückt, zwei Leute Mittag gegessen und beim Betreten der Küche bleiben die Socken an einer klebrigen Masse hängen. 

 

Q wie Quatsch machen

In einem Wohnheim findest du immer Gleichgesinnte für die nächste Wasserschlacht, das Beer-Pong-Turnier, Flunky-Ball oder was euch sonst noch so in den Sinn kommt. Im Vorteil ist, wer dabei eine gute Haftpflichtversicherung hat - und notfalls sagen kann: "Das Fenster geht auf mich.

 

R wie Ruhestörung

Bei einem Haus voller junger Menschen, die gerne feiern, kann es schonmal passieren, dass sich die Nachbarn beschweren. Für Deeskalation sorgt der --> Heimsprecher.

 

S wie Sex

Spätestens nach einem Semester Wohnzeit weiß man von den sexuellen Vorlieben seiner Mitbewohner: wer wie und vor allem wann Sex hat – und wer nicht. Den dünnen Sperrholzwänden sei dank.

 

T wie Toilettengang

Entspannt auf die Toilette gehen und ein bisschen in der neuen „Brigitte“ lesen? Ist bei Gemeinschaftstoiletten nicht drin.

 

U wie Uni schwänzen

Wie in jeder anderen Studenten-WG lauert auch im Wohnheim die große Verführung, morgens im Bett liegen zu bleiben und mal einen Kurs zu schwänzen, vor allem wenn am Abend zuvor eine Party in der --> Bar war. Gemeinsam Netflix gucken ist ja auch Bildung.

V wie verquatschen

Bei so vielen Mitbewohnern kann es schnell passieren, dass man sich in der Küche verquatscht - und entweder zu spät zur Verabredung oder zu nächsten Vorlesung kommt.

 

Walk of Shame

Stell dir vor: Du hattest eine schöne Nacht mit deiner heimlichen Affäre aus dem dritten Stock (--> Liebesglück) und möchtest morgens klammheimlich wieder in dein Bettchen zurück. Wäre alles kein Problem, gäbe es da nicht den Walk of Shame. Den durchläuft nämlich jeder, der unter den Augen aller am Morgen in sein Zimmer zurückkehrt.

 

X wie Xing-Ersatz

So viele Connections wie im Wohnheim wirst du später nicht noch einmal so easy haben.

 

Y wie YOLO

Wenn du Lust hast, kannst du im Wohnheim alle Facetten des Müßiggangs ausleben: Beim gemeinsamen Stockwerksevent ein kostenloses Weißwurst-Frühstück genießen, mittags ein wenig im Wohnheim -->  Garten abhängen, um danach bei einer Runde Beer-Pong schonmal vorzuglühen, um später in der --> Bar weiter zu feiern – und da so richtig abzustürzen. Möglichkeiten gibt es schließlig genug. In den meisten Fällen endet ein Partyabend im Wohnheim im --> Walk of Shame. Blöd nur: Die Fotos von solchen legendären Abenden würde heute niemand mehr in seinem --> Xing-Profil sehen wollen. Kein Wunder, bei Mottos wie Huren- und Transvestitenball oder Sexchange …

 

Z wie der Zuhause-ist-es-immer-noch-am schönsten-Komplex

Den bekommt jeder mal - früher oder später. Denn wenn erst einmal der ---> Putzplan nicht so klappt wie gewünscht oder dein letzter -->  Toilettengang mal wieder unvorhergesehen gestört wurde, wünscht du dir nichts lieber, als zuhause bei Mama auf dem Sofa zu liegen, in einer sauberen Küche zu kochen und nachts nicht von grölenden Mitbewohnern geweckt zu werden. Aber auch nur manchmal. 

 

Keinen Platz im Wohnheim bekommen? So läufts in einer WG:

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