Horror-Mitbewohner: Die schlechtgelaunte Frau und ihre miese Katze

Jeder hat schon einmal mit einem Menschen gewohnt, mit dem er sich absolut nicht verstanden hat. In dieser Serie stellen wir sie vor.
Von Daniel Schieferdecker
Illustration: Daniela Rudolf

Wohnsituation:  Dreier-WG in einer fancy Berliner Altbauwohnung

Geschlecht und Alter des Horror-Mitbewohners: Weiblich, 25 Jahre

Horror-Titel: „Die misanthropische Griesgrämin mit Katze”

Horror-Stufe: 5 von 10

Ich komme ursprünglich aus einer unbedeutenden Kleinstadt in Ostwestfalen, habe nach dem Abi ein paar Jahre in Hamburg gewohnt und wollte dann zum Studieren nach Berlin. Das bedeutete: Hauptstadt-WG suchen. Ich stellte mich auf anstrengende Wochen der Zimmersuche ein, bis mir Claudia, eine Bekannte aus meiner ostwestfälischen Kleinstadt, einen Platz in ihrer schönen Altbau-Dreier-WG in Friedrichshain anbot. „Perfekt“, dachte ich. Und so einfach. Wie sehr ich mich doch täuschen sollte.

Ja, die Wohnung war toll: 110 Quadratmeter, große Wohnküche, Dielenboden, hohe Decken mit Stuck, zentral gelegen. Doch Claudia war das Gegenteil von einfach. Sie hatte ständig schlechte Laune und ließ ihr Umfeld  – also mich und die anderen Mitbewohner – stets daran teilhaben. Was zu einer hohen Fluktuation innerhalb der WG führte. Die einzige Konstante war ich. Leider. Denn Claudia war zudem oft zu Hause. Sehr oft. Im angenehmsten Fall lief sie einfach miesepetrig und mit der Aura einer sowjetischen Giftmüllhalde, aber immerhin stillschweigend, an mir vorbei. Im schlimmsten Fall warf sie mit Gegenständen und schrie, als sei sie in einen überfahrenen Igel getreten.  

 

Als ich einmal Übernachtungsbesuch aus Hamburg hatte und einer meiner Freunde die bereits lädierte Aufhängung des Duschkopfs aus Versehen abbrach, schmiss sie besagtes Teil (Warenwert ca. 10 Euro) nach uns und bedachte uns mit Pfui-Worten, die an dieser Stelle nicht zitierfähig sind. In der Folge haben meine Freunde und ich das gesamte Wochenende außer Haus verbracht. Das war schlimm. Weil sich mein vermeintliches Zuhause nicht wie ein Wohlfühl- und Rückzugsort anfühlte, sondern eher wie der Vorhof zur Hölle.

 

Und auch der Umstand, dass Claudia meine Freunde ohne Skrupel hat wissen lassen, dass sie in „ihrem“ Zuhause nicht willkommen sind, hat mich unfassbar traurig gemacht. Ohne ersichtlichen Grund hat sie dafür gesorgt, dass Menschen, die mir wichtig sind, sich mies fühlen. Selten habe ich mich so geschämt wie in dieser Situation – obwohl ich natürlich nichts dafür konnte.

 

Und apropos Zuhause: Claudia war die Gründerin der WG und hat keinen Hehl daraus gemacht, dass sie die Wohnung als ihr Reich betrachtet. So hat sie nicht geduldet, dass die Gemeinschaftsräume von irgendjemand anderem als von ihr dekoriert wurden. Sie hat täglich etwa eine Stunde geduscht, sich aber darüber beschwert, wenn ich mal den Backofen benutzen wollte – wegen der hohen Stromkosten, die das verursachen würde – und die sie ja mitzutragen hätte (so wie ich ihre immensen Wasserkosten). Konsequenterweise hat sie für die Benutzung ihrer Waschmaschine auch eine Gebühr von mir verlangt – an den Reparaturkosten hat sie mich selbstverständlich auch beteiligt. Logisch.

 

Einer Mitbewohnerin, die es am Ende nur einen Monat ausgehalten hat, hat sie sogar mal verboten, morgens Frühstück zu machen – der „Krach“ beim Brote schmieren in der Gemeinschaftsküche war ihr zu laut. Zu laut auch deswegen, weil Claudia nie ihre Tür zugemacht hat. Der Grund: Ihre übergewichtige Katze namens Kijuschu, deren Katzenklo sie direkt vor meiner Zimmertür platziert hatte. Diese Katze war genauso gestört wie Claudia selbst.

 

Ich liebe Tiere aller Art wirklich, aber diese Katze hatte den Sympathiegrad eines NPD-Wählers. Nachdem ich dieses phlegmatische Tier kennengelernt habe, konnte ich mir vorstellen, woher der Begriff „einen Kater haben“ kommt ­– denn das misanthropische Vieh, das einem meist nur grantelnd im Weg rumlag, pisste aus Unmut über die Existenz anderer in wirklich jede erdenkliche Ecke der Wohnung. Unter anderem auch auf den Pullover eines Freundes von mir, der seinerseits mal kurz auf dem Klo war. Waschen musste mein Kumpel den Pullover natürlich selbst. Mehrfach. Und ohne Erfolg. Ein Fall für die Tonne.

 

Was Claudia heute macht? Keine Ahnung. Nachdem ich ausgezogen bin (dass ein Zusammenleben längst keinen Sinn mehr hatte, darüber waren wir uns einig), habe ich den Kontakt zu ihr abgebrochen, auch wenn sie noch den einen oder anderen Kontaktversuch gestartet hat. Aber für solche Negativ-Menschen wie sie gibt es in meinem Leben keinen Platz mehr. Darauf achte ich heute. Das ist wohl auch das einzig Positive, was ich aus dieser Zeit mitgenommen habe.

 

Du möchtest auch aus deiner Horror-WG erzählen? Dann schreib eine Mail an info@jetzt.de - wir freuen uns!  

 

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