Berliner Studentinnen stellen Mietangebot für Zelt auf Balkon für 260 Euro ins Netz

Das ist aber nicht die einzige (lustige) Folge des Wahnsinns auf dem Wohnungsmarkt.
Von Friedemann Karig

Wer schon einmal betrunken auf dem Balkon übernachtet hat, der weiß: Der Kater ist durch die frische Luft deutlich weniger schlimm. Und auch sonst hat der Schlafplatz im Außenbereich einer Wohnung viele Vorteile (Zugriff auf Bierkästen, Vogelbeobachtung, gesundheitliche Abhärtung). Vor allem aber erweitert er den Wohnraum um einige wichtige Quadratmeter. So etwas Ähnliches dachten wohl auch die zwei jungen Frauen in Berlin, die auf wg-gesucht.de tatsächlich ein Zelt auf ihrem Balkon für 260 Euro im Monat (inkl. Mitbenutzung von Bad und Küche) anboten. „Wir vermieten aufgrund von finanziellen Problemen einen Schlafplatz auf unserem Balkon!“, hieß es in der Anzeige.  „Falls es dich nicht stört, wenn wir uns ab und zu auf dem Balkon sonnen oder am Abend einen Drink dort zu uns nehmen, freuen wir uns, von dir zu hören.“

Die Anzeige bei wg-gesucht.de

Screenshot: Lorenz Maroldt

Inzwischen ist die Anzeige nach den üblichen Social-Media-Eskapaden – die einen feierten diese kreative Lösung der akuten Wohnungsnot, die anderen schimpften auf die kapitalistische Ausbeutung auch des letzten Flecken Wohnraums – deaktiviert. Angeblich wegen zu vieler Anfragen. Die Zimmersuchenden der Hauptstadt hatten also Gefallen daran gefunden. Ob die Anzeige echt war, ein lustig gemeinter Fake oder gar satirische Kritik an steigenden Mietpreisen, wird man vermutlich nie erfahren. (Update vom 9.10.2018: Die Kollegen von SZ.de haben inzwischen herausgefunden, dass die zwei Frauen das Bild nicht selbst gemacht haben und dass es sich nicht um ihren Balkon handelte. Ursprünglich hatte ein Berliner Kunststudent eine Wohnungsanzeige mit diesem Bild geschaltet.)

Wir als Münchner Redaktion können über Berliner Wohnungsprobleme jedoch nur müde lachen. Schon 2013 suchte auf demselben Portal jemand „engagierte Leute für die Gründung eines Slums“. Und zwar an den Hängen des unbebauten Giesinger Bergs, der „nach dem Vorbild brasilianischer Favelas“ mit Wellblechhütten beflastert werden sollte. Gefragt waren neben handwerklichen Fähigkeiten und Improvisationstalent auch „Erfahrung aus dem illegalen Wohnungsbau“ sowie Karate. Die zu gründende „Favela Giesing“ biete die Chance, seinen „privaten Traum als Kleinkrimineller zu verwirklichen“. Aus der Idee wurde nichts, weil das Inserat schnell deaktiviert wurde.

Hoffentlich ähnlich ernstgemeint offerierten zwei „junge Männer“ 2014 einer Frau ein WG-Zimmer in ihrer Vier-Zimmer-Wohnung im begehrten Münchner Stadtteil Schwabing. Der Preis: Schlappe 125 Euro Nebenkosten – dafür viermal die Woche Beischlaf. „Du sollst mit jedem von uns (getrennt!) mindestens zweimal in der Woche Liebe machen“, hieß es in der Anzeige, die das Portal Immobilienscout 24 nach einem Shitstorm löschte. Und weiter: „Du musst hübsch und gut gebaut sein und Spaß am Sex haben.“ 

Ob dieses ekelhafte Angebot einfach nur dumm-sexistisch war oder die oft dumm-sexistische Welt der Immobilienhaie persiflieren wollte, wissen wir bis heute nicht. Eins aber ist sicher: Bei uns in der Redaktion sind von 19 Uhr bis 8 Uhr jeden Tag mehrere komfortable Schlafplätze auf Bürostühlen (ergonomisch) oder unter Schreibtischen (mit von unten an die Platten geklebtem Sternenhimmel) verfügbar. Interessenten melden sich bitte unter wasmachtinnenministerseehofergegenwohnungsnot@jetzt.de. 

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