Paare, geht weiterhin gemeinsam in Bars!

Was gibt es Besseres in der Liebe, als sich gemeinsam zu betrinken?
Von Charlotte Haunhorst

Illustration: Federico Delfrati

Die Alkolumne handelt vom Trinken. Von den schönen und schlechten Seiten dieses Zeitvertreibs und den kleinen Beobachtungen und Phänomenen an der Bar. Aber egal, worum es grade geht, lieber Leser – bitte immer dran denken: Ist ungesund und kann gefährlich sein, dieser Alkohol.

Beziehungen nehmen ihren Anfang oft mit Alkohol. Die WG-Party, auf der sie angeschickert endlich den Mut gefunden hat, ihn zu beflirten. Das Tinder-Date in der schummerigen Bar, bei dem man nach ein paar Gin-Tonic schnell über die platonische Ebene hinauskam. Der Moment im Club, als er sich nach drei Bier endlich auch auf die Tanzfläche getraut hat.

Umso trauriger finde ich es, dass sobald man in einer Beziehung ist, der gemeinsame Alkoholkonsum sich schnell aufs eigene Sofa verlagert. Meine Beobachtung: Nach zwei Jahren gehen die meisten Paare nur noch im Urlaub gemeinsam in eine Bar, die sich dann leider meist auch noch in der Lobby des eigenen Hotels befindet. Zu zweit nachts durch die Kneipen – geschweige denn durch die Clubs – zu ziehen, ist dann meistens vorbei. Dafür hat man ja immer noch seine Freunde.

Ich finde das schade, ja geradezu problematisch. Und blicke umso neidvoller auf Paare, die es auch nach zehn Jahren noch schaffen, gemeinsame Abende in Bars zu verbringen.

Zum einen, weil die Bar neben der Rauschbeschaffung ja vor allem ein Ort der Kommunikation ist. Wann sonst sitzt man mal so nah beieinander, ohne Ablenkung von Netflix oder überkochendem Nudelwasser, um sich einfach nur zu unterhalten? Klar, das geht in begrenztem Maße auch im Restaurant, aber da muss man zwischendurch immer noch kauen und an seine Manieren denken. In der Bar darf man hingegen in der Ecke fläzen, kichernd über dem dritten Gin Tonic zusammenbrechen und schlechte Witze reißen. Der perfekte Ort für ein gutes Gespräch, was im Alltag ja leider oft zu kurz kommt.

Wer mit dem betrunkenen Ich des Partners klarkommt, muss sich auch sonst in der Beziehung wenig Sorgen machen

Zum anderen ist es aber auch ein Liebesbeweis, den Partner betrunken zu ertragen. Denn bis zu einer gewissen Grenze werden wir unter Alkoholeinfluss aufrichtiger, sorgloser und nähebedürftiger. Wer mit dem betrunkenen Ich des Partners klarkommt, ja vielleicht sogar mit ihm gemeinsam Spaß hat, muss sich auch sonst in der Beziehung wenig Sorgen machen. Denn die Themen, über die man sich im Suff streitet, sind meist auch nüchtern die größten Baustellen in einer Beziehung.

Wer allerdings nur noch mit Freunden ausgeht und nicht mehr mit dem Partner, verpasst diese andere Seite des ja eigentlich wichtigsten Menschens im eigenen Leben. So wird der Exzess zu etwas, das man nur noch außerhalb der Partnerschaft auslebt. Dadurch wird er schnell als „Geheimnis“ missverstanden. Als etwas, das der Partner nicht mitkriegen soll, weil man sich danach vielleicht weniger mögen würde. Und das führt dann wieder zu neuen Konflikten, Zitat: „Warum nimmst du mich nie mit, wenn ihr ausgeht?“.

All das ist einfach zu verhindern, wenn man sich als Paar zwingt, regelmäßig gemeinsam in Bars zu gehen. Sich gegenseitig dabei zusieht, wie der Alkohol oder von mir aus auch die/die/das Spezi langsam reinkickt, man ohne Stress abhängt und redet – oder sich eben auch mal anschweigt. Denn auch Konflikte lassen sich bei einem Drink in einer Bar sehr viel besser lösen. Weil anders als zuhause niemand mal eben die Tür zuknallt und geht – man muss ja immerhin noch bezahlen und ein bisschen peinlich wäre es auch. Also lieber sitzen bleiben, noch einen Gin Tonic trinken und in der besten aller Welten danach Arm in Arm nach Hause schwanken und sich denken: „Das ist immer noch so schön, wie am Anfang.“ So billig war Paartherapie selten.  

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