Der beste Lehrer des Jahres 2020 kommt aus einem kleinen indischen Dorf

Dort setzt er sich gezielt für die Bildung von Mädchen ein. Sein Preisgeld will er teilen.
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Ranjitsinh Disale ist der weltbeste Lehrer im Jahr 2020.

Foto: The Varkey Foundation

Die Spätfolgen des Jahres 2020 wird man noch lange spüren, auch in den Schulen. Für das Bildungssystem bedeutete die Pandemie weltweit eine Krise: kompletter Wegfall von Unterrichtszeit und Prüfungen, Masken, Abstand, Lehrer*innen-Monologe über wacklige Videochats, dazu die psychische Belastung der Kinder, Jugendlichen und Lehrkräfte durch Social Distancing.

Dass all das aber nicht mit einer Generation „Bildungslücke“ enden muss, zeigen Menschen wie Ranjitsinh Disale, 32, aus dem indischen Dorf Paritewadi. Er hat am Donnerstag den Global Teacher Prize 2020 gewonnen und könnte damit als der aktuell beste Lehrer der Welt bezeichnet werden. Er wurde unter insgesamt mehr als 12 000 Nominierten aus über 140 Ländern ausgewählt und bekam ein Preisgeld von einer Million US-Dollar.

Disale fand 2009, als er als junger Lehrer in das 1200-Einwohner-Dorf kam, ein verfallendes Gebäude vor, das zwischen einem Lagerraum und einem Viehstall eingequetscht war. Das war die Grundschule. Seitdem hat sich viel getan. Er hat unter anderem erreicht, dass alle Mädchen im Dorf ohne Unterbrechungen den Unterricht besuchen und nicht mehr schon als Teenagerinnen verheiratet werden.

Da das gesamte Lehrmaterial auf Englisch und nicht in der Muttersprache der Kinder war, nämlich Kannada, taten die Kinder und Jugendlichen sich damals sehr schwer damit, Lernziele zu erreichen. Disale lernte deshalb  extra die südindische Sprache Kannada, die sich grundlegend von den in Indien weit verbreiteten Hindi-Varianten unterscheidet. Er übersetzte alle Lehrbücher und sorgte damit dafür, dass die Schule mittlerweile die erfolgreichste im ganzen Distrikt mit vier Millionen Einwohner*innen ist. Sein größter Erfolg waren aber die QR-Codes, mit denen er das Lehrmaterial versah, damit die Schüler*innen zusätzlich zu den Texten auf digitales Audio- und Bildmaterial zugreifen konnten. Dieses Konzept wurde daraufhin vom Bundesstaat Maharashtra übernommen und soll jetzt in ganz Indien eingeführt werden.

Der Preis wurde dieses Jahr online vom britischen Autor und Schauspieler Stephen Fry vergeben. Disale und seine Familie waren per Video-Chat dabei und völlig aus dem Häuschen. Anschließend sagte Disale: „Die Covid-19-Pandemie hat die Bildungseinrichtungen vor eine Vielzahl vor Problemen gestellt. Aber in dieser schweren Zeit geben Lehrkräfte ihr Bestes, um sicherzugehen, dass jede*r Schüler*in das Recht auf und den Zugang zu Bildung hat.“

Und dass das für Disale nicht nur eine leere Floskel ist, bewies er auch gleich: Er verkündete, die Hälfte seines Gewinns mit den neun anderen Finalist*innen zu teilen, um sie in ihrer Arbeit zu unterstützen.

kmh

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