Prüfungen mit Lebensgefahr?

Junge Inder*innen fordern die Verschiebung der Aufnahmeprüfungen an den Universitäten – teilweise mit Hungerstreik.
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Foto: Ayush Sharma

„Die Regierung gefährdet das Leben von Millionen von Menschen“, sagt Ayush Sharma aus Indien im Telefonat mit jetzt. Der 24-Jährige ist Social-Media-Beauftragter der National Students Union of India und fordert, dass die nationalen Aufnahmeprüfungen verschoben werden. Die Gefahr während der Tests mit dem Coronavirus angesteckt zu werden, sei zu groß. Mit seinen Forderungen ist Ayush nicht allein. Auf Twitter fordern Hunderttausende unter dem Hashtag #PostponeJeeNeet, dass die Tests verschoben werden. Auch die Opposition im indischen Parlament unterstützt die Forderung der Schüler*innen und Student*innen. Sunik Jakhar, Oppositionspolitiker der Indian National Congress Partei wirft der Regierung vor „mit dem Leben von Millionen von jungen Menschen zu spielen.” Fünf junge Männer, darunter der Vorsitzende der National Students Union of India sind außerdem gestern in einen Hungerstreik getreten, um die Regierung unter Druck zu setzen. Eine Petition für die Verschiebung der Prüfungen hat bereits 120.000 Unterschriften. Die Regierung unter Premierminister Narendra Modi hält jedoch weiterhin an den ursprünglichen Terminen fest.

In Indien haben sich mehr als drei Millionen Menschen mit dem Coronavirus infiziert

Möchte man in Indien Medizin oder Ingenieurswesen studieren, muss man an  nationalen Aufnahmetests teilnehmen – am sogenannte National Eligibility cum Entrance Test (NEET) für alle medizinischen Studiengänge. Das Joint Entrance Exam muss man für Ingenieurswesen (JEE) ablegen. Insgesamt haben sich dieses Jahr über zwei Millionen Schüler*innen für die Prüfungen angemeldet. Für die Tests müssen die Schüler*innen meist mehrere Stunden Weg auf sich nehmen, um zur nächstgelegenen Uni zu gelangen. „Ich habe Angst mich auf dem Weg mit dem Coronavirus anzustecken und vor allem habe ich Angst, meine Familie zu gefährden”, sagt der 18-jährige Alay Kabir. „Während den Prüfungen ist es vielleicht noch möglich Abstand zu halten, aber in den Bussen und Zügen auf keinen Fall", glaubt Alay. Er möchte Ingenieur werden und hat sich für die JEE-Prüfung angemeldet.

In Indien haben sich mittlerweile mehr als drei Millionen Menschen mit dem Coronavirus infiziert, damit gehört Indien zu den Ländern mit den meisten Infektionen, die Dunkelziffer wird sehr hoch geschätzt. 

Manche Schüler*innen befürchten, dass sie überhaupt nicht zu den Klausuren fahren können. Weil in einigen Staaten noch immer strenge Hygieneregeln gelten, fahren dort kaum Züge und Busse. Um zu den Prüfungen zu gelangen, sind Schüler*innen auf ihre eigenen Autos angewiesen. „Das ist total ungerecht, besonders arme Menschen werden dadurch benachteiligt”, findet Ayush. Im Nordosten des Landes erschweren heftige Überschwemmungen zusätzlich die An- und Abreise.

„Deshalb wollen wir, dass die Prüfungen auf November verschoben werden. Wir hoffen, dass die Situation sich bis dahin verbessert hat. Die Überschwemmungen werden dann vorüber sein und die Corona-Infektionen sinken bis dahin hoffentlich auch”, sagt der 24-jährige Ayush. 

Greta Thunberg, Vanessa Nakate und Luisa Neubauer solidarisieren sich

Bekannte Aktivistinnen wie Greta Thunberg, Vanessa Nakate und Luisa Neubauer haben sich auf Twitter mit den Forderungen der Inder*innen soldiarisiert.

jud

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