„Oaszapft is“

Das Oktoberfest ist abgesagt – und die Reaktionen schwanken zwischen Häme und echter Trauer.

Screenshot: Twitter @Glubbers2

Vermutet wurde es schon eine Weile, jetzt ist es offiziell. Am Dienstagmorgen bestätigten der bayerische Ministerpräsident  Markus Söder (CSU) und der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD): Das Oktoberfest, das angeblich weltweit größte Volksfest, wird dieses Jahr wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden. Und dazu hat nun im Internet gefühlt jede und jeder eine Meinung. Praktisch sofort nach der Verkündigung trendete der Hashtag #Oktoberfest auf Twitter, oft zusammen mit jeder denkbaren Abwandlung von „Ozapft is“ (zu Hochdeutsch: „Es ist angezapft“, bezieht sich auf die rituelle Öffnung des ersten Bierfasses durch den Münchner Oberbürgermeister zu Beginn des Festes): No-Zapft is, Oaszapft (aus-gezapft) is, und und und.

Auch wenn die Netz-Aufregung groß ist, sind sich die meisten Menschen zumindest in einem Punkt einig: Dass die Wiesn in diesem Jahr nicht stattfindet, ist absolut die richtige Entscheidung. Um es in Söders Worten zu sagen: Ischgl und Karneval sollten uns eine Lehre sein. Außerdem, wendet eine Twitter-Userin ein, wer hätte nach der ganzen Daheim-Hockerei überhaupt noch ins Dirndl gepasst?

Bei all diesen Übereinstimmungen gehen die Emotionen der Leute trotzdem weit auseinander. Wie fast nicht anders vorstellbar, gibt es für die Absage des Sauffests, wie die Wiesn oft genannt wird, auch jede Menge Häme. Und wenn man die Kommentare dazu liest, kann man sich schon fragen: Weshalb sollen wir noch mal traurig sein, dass die Münchner  Theresienwiese 2020 nicht Schauplatz dieses Dramas wird?

Neben dem gewohnten Oktoberfest-Hate finden sich aber auch die Stimmen von ein paar Wiesn-Ultras, die nun wahrscheinlich ein Tränchen verdrücken und ihr idyllischtes Oktoberfest-Foto reminiszierend mit der Öffentlichkeit teilen:

Und auch wenn längst nicht alle Einheimischen Riesen-Fans der Veranstaltung sind, ist es wohl doch so, dass ein paar Müncher*innen  in den vergangenen Wochen schon mehr oder minder heimlich um das Volksfest gebangt haben, wie verschiedene München-zentrierte Social-Media-Accounts beweisen: 

Für alle nicht Dialekt-Kundigen: Auf dem Banner, das in München an der U-Bahnstation Poccistraße fotografiert wurde, steht: „Aba d'Wiesn geht si zam, oda?“ Übersetzt: „Aber das Oktoberfest findet statt, oder?“ Nun ja, 2020 muss es dann wohl digital stattfinden, sagen manche – und liefern  konstruktive Ideen, wie man auch so ein echtes Wiesn-Feeling herstellen könnte:

In der über zweihundertjährigen Geschichte des Volksfestes kam es tatsächlich schon einige Male zu einem Ausfall, etwa zu Kriegszeiten und wegen Seuchen; im 19. Jahrhundert etwa wegen der Cholera. Und auch diesmal wird die Wiesn ihr Comeback feiern. Dass es im Jahr 2020 nicht stattfinden wird, ist – egal wie man die Wiesn findet – allerdings ein deutliches Zeichen dafür, wie ernst die Situation ist.

mpu

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