Was tun ohne Wikipedia?

Das Lexikon ist heute aus Protest den ganzen Tag offline. Wie ihr trotzdem überlebt, verraten wir hier.
Aus der Jetzt-Redaktion

Illustration: Julia Schubert

Was ist ein Palindrom? Was macht der Revisionssenat des Bundesverwaltungsgerichts? Wo liegt Benin? Viele Fragen mit einer Antwort: Wikipedia. Heute geht die beliebteste Online-Enzyklopädie  einen Tag lang offline – als Protestaktion gegen die  EU-Urheberrechtsreform. Den Menschen wird so einen Eindruck vermittelt, wie sich unsere Welt anfühlen könnte, wenn Wissen nicht einfach so verfügbar ist – wenn wir nicht mehr durch Wikipedia die Erleuchtung erfahren können. Wir haben für euch ein paar Plan B-Optionen zusammengestellt, um heute auch ohne Wikipedia über die Runden zu kommen.

Idee: Den Dorf-Weisen befragen

Vorteil: Es ist ein uralter, sozialer Mechanismus, die älteren, erfahrenen Menschen aus seiner Umgebung um Rat zu fragen. Viel haben sie erlebt und schlau sind sie! Warum sonst muss der Präsident der Vereinigten Staaten mindestens 35 Jahre alt sein, wenn es nicht eine direkte kausale Beziehung zwischen Alter und Weisheit gäbe? Donald Trump mit seinen stolzen 72 Jahren kann uns noch einiges über die komplexen Interdependenzen von Klimaschutz und ökonomischem Wachstum beibringen!  

Nachteil: Man muss schon in einem Dorf wohnen, um den Dorf-Weisen zu befragen. Wer hat schon von einem Stadt-Weisen gehört, so ein Quatsch.

Idee: Ein Lexikon kaufen

Vorteil: Man unterstützt den lokalen Buchhandel. Und wenn man den betreffenden Artikel gelesen hat, kann man noch rumscrollen und schauen, was in dem Lexikon sonst so interessantes steht. Funfact: Früher hat man das noch blättern genannt.

Nachteil: Bei der Wissenslücke muss es um ein älteres Thema gehen, den deutschen Bauernkrieg etwa. Der Digitalpakt steht eben noch in keiner analogen Enzyklopädie. Und du musst 1000 Euro oder so dafür bezahlen. Aber damit kriegst du immerhin auch das gesammelte Wissen von Buchstabe Ea - Ek!

Idee: Sich die Antwort ausdenken

Vorteil: Wer sich beim Denken an gewisse Qualitätsmerkmale hält, beispielsweise Validität, Objektivität und Reliabilität, darf den Prozess sogar Wissenschaft nennen! Wer darauf keine Lust hat, auch egal, keiner kann nachprüfen, was man sich am 21. März ausdenkt - schließlich ist Wikipedia down.

Nachteil: Gibt es wohl nicht. Ob Schiller oder Relotius - Ausdenken war schon immer der Weg zum Erfolg.

Idee: Einen Experten fragen

Vorteil: Der richtige Experte kennt die Antwort auf all deine Probleme: Hat Müsli ein Ablaufdatum? Kontrollieren Kontrolleure Kontrolleure? Wo wohnte Hitler?

Nachteil: Ohne den Wikipedia-Eintrag über den Experten kann man nicht sicher sein, ob ein Experte wirklich ein Experte ist. Das heißt man müsste erst einen Experten-Experten finden und das wird echt schwer ohne Wikipedia.

Idee: Alternative Online-Enzyklopädien benutzen

Wie zum Beispiel: wissen.de, encyclopedia.com oder infoplease.com

Vorteil: Es ist zwar nicht Wikipedia, aber besser als nichts. Ein bisschen wie sich vor dem Masturbieren auf seine Hand zu setzen.

Nachteil: Es ist halt doch kein echter Sex… äh Wikipedia.

Idee: Menschen auf Instagram oder Twitter befragen 

Motto: #Followerpower

Vorteil: Geht schnell und die Twitter-Besserwisserblase kann sich endlich mal an was anderem abarbeiten als der Frage, ob AirPods jetzt voll cool oder überdurchschnittlich überflüssig sind.

Nachteil: Die Antworten, die man bekommt, sind wenig hilfreich. 40 Prozent dissen einen, weil man nicht weiß, was die Hauptstadt von Aserbaidschan ist, 13 Prozent erklären sich mit einem solidarisch und 37 Prozent sind Memes und Gifs. Die letzten zehn Prozent weisen einen darauf hin, dass man Besserwisserblase mit Bindestrich schreibt.

Idee: Eigene Online-Enzyklopädie gründen

Die 24 Stunden nutzen, um sein eigenes Online-Enzyklopädie-Start-up zu gründen, auf das alle ausweichen können und anschließend auch dort bleiben. Immerhin ist es neuer, und neuer ist immer besser!

Vorteil: Wenn du es geschickt anstellst, kannst du innerhalb kurzer Zeit sehr reich werden.

Nachteil: Geringe Erfolgschancen. Viel Aufwand – am 21. März und an jedem folgenden Tag.

Hinweis: In einer früheren Version des Textes stand, es ginge um eine neuen Datenschutzverordnung. Das ist natürlich nicht richtig. Es geht um die Reform des Urheberrechts. 

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