#FeelingCute: Wenn Angeben richtig lustig ist

Wie aus peinlichen Posts eine Twitter-Challenge wurde.

„Feeling cute today, but might delete this later, I don't know.“ Dazu ein Spiegel-Selfie, gerne von jugendlichen Usern. Das ist der Inbegriff eines „Humblebrag“-Posts: Jemand tut so, als ob es ihm oder ihr super unangenehm wäre, dass er oder sie sich selbst gerade ganz gut findet, aber eigentlich ist er oder sie digge am angeben. Nach dem Motto: „Es ist mir ja so unangenehm, wenn mich jeder auf der Straße auf meine neues Top anspricht...“ Als ob.

Solche ganz unironischen „Humblebrag“-Posts sind durchaus beliebt –und unter dem Hashtag #FeelingCute zum Running Gag geworden. Und sie laden geradezu dazu ein, daraus eine Challenge für die gesamte Internetcommunity zu machen – gerade weil die Challenge eine Bühne für ein bisschen Selbstironie bietet. Menschen rund um den Globus posten also gerade Fotos von sich unter dem Hashtag, mit mehr oder minder bescheidenen Botschaften. Dabei ist es schön zu sehen, dass keiner das perfekte Leben hat – man aber trotzdem Spaß haben darf!

Je älter man wird, umso peinlicher werden einem die Ironie-freien „Humblebrags“ und alle anderen selbstdarstellerischen Ausuferungen. Wer sich mit Mitte 20 noch nicht zu blöd ist, mit seinen Looks, seinem Reichtum oder seiner Katze hausieren zu gehen, dem unterstellt man gerne eine Profilneurose. Dabei ist Bescheidenheit zwar eine Tugend, aber es entgeht einem auch etwas, wenn sich alle zu fein zum  Protzen sind. Manche Leute haben nämlich einen wirklich interessanten Alltag. Und auch denen bietet die #FeelingCute-Challenge die Möglichkeit, ein bisschen anzugeben – und dabei sogar charmant rüber zu kommen

Ansonsten bietet die Challenge Platz für alle, die gerne Schabernack treiben – oder ihren Haustieren fünf Minuten Internet-Fame verschaffen wollen.

Hashtag #feelingcute ist übrigens in Internetjahren schon antik: Als eines der ersten, wenn nicht sogar der erste Parodietweet, der überhaupt je durch die Decke gegangen ist, wird oft dieser Tweet von 2017 genannt:

Zu sehen ist eine ziemlich, nun ja, nennen wir es eigene Selfmade-Version von Thaddäus Q. Tentakel  aus Sponge-Bob Schwammkop. Über die nächsten Monate wurde der Tweet von @PapaCone_ zu einem richtigen Hit: Mehr als 43 200 Likes und über 18 500 Retweets verleiteten ihn zu diesem Kommentar: „Heilige Scheiße, das hat eine Menge Likes bekommen.“

mpu

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