Spanischer Youtuber wird zu Haftstrafe verurteilt

Er gab einem Obdachlosen einen mit Zahnpasta gefüllten Oreo-Keks – und filmte das.

Screenshot: YouTube/Reset

Ach, was waren das für Zeiten, in denen wir auf dem Sofa saßen mit einer großen Schüssel Chips auf dem Schoß und Frank Elstner im kastenförmigen Fernseher sagte: „Sehen Sie die Kamera da oben in der Ecke?“ Dann nahm irgendein fremder Mensch in der Waschstraße, im Aufzug oder im Supermarkt die Hände vor den Mund, riss die Augen auf und fing an zu lachen. Das waren Pranks der alten Schule bei „Verstehen Sie Spaß?“. Niemand wurde verletzt, alle hatten Spaß.

Dann kam das Internet und Youtube änderte nicht nur Politik und Werbung, sondern auch die Scherzszene. Inzwischen kriegt mitunter die meisten Klicks, wer die krassesten Pranks hinlegt. Dabei werden auch gerne mal Grenzen überschritten. Jüngst in Barcelona: Ein Youtuber namens ReSet mit 1,2 Millionen Abonnenten hielt es für eine gute Idee, die Creme im Oreo-Keks mit Zahnpasta zu ersetzen und einem Obdachlosen zu geben. Der Obdachlose nahm den Keks, aß ihn und musste sich übergeben. ReSet, der eigentlich Kanghua Ren heißt, filmte und veröffentlichte diese Szene. Angeblich nahm er mit der vor dem Video geschalteten Werbung 2000 Euro ein.

15 Monate Haft, 20 000 Euro Strafe und fünf Jahre Youtube-Verbot 

Jetzt wurde der inzwischen 21-Jährige für sein 2017 hochgeladenes Video angeklagt. Er habe laut Gericht die moralische Integrität des Obdachlosen verletzt. Die Strafe: 15 Monate Haft, 20 000 Euro an den Obdachlosen und ein Youtube-Verbot für fünf Jahre.

Die Chancen stehen allerdings gut, dass er nicht ins Gefängnis muss. In Spanien ist es üblich, dass Haftstrafen unter zwei Jahren für gewaltfreie Verbrechen bei der ersten Verurteilung nicht umgesetzt werden. Ren selbst zeigt laut Richterin keine Reue, er habe lediglich zur Image-Aufpolierung Zeit mit dem Obdachlosen verbracht. Außerdem habe er der Tochter des Opfers 300 Euro angeboten, um die Klage zu verhindern.

Auch in Deutschland gibt es Strafen für Youtuber

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Prank rechtliche Konsequenzen hat. In Deutschland wurde Ahmad Ahadi 2017 zu einer Bewährungsstrafe von sieben Monaten und 200 Sozialstunden verurteilt. ApoRed, wie er auf Youtube heißt, hatte Passanten vorgespielt, eine Bombe vor sie zu werfen. Er rief ihnen zu: „30 Sekunden habt ihr alle Zeit, lauft lieber, wenn euch euer Leben etwas wert ist!“ Laut Gericht erfüllt das die Straftatbestände Körperverletzung, Nötigung und Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten.

Auch der Youtuber Leon Machère, der mit bürgerlichem Namen Rustem Ramaj heißt, wurde für seine Streiche schon zu einer Geldstrafe verurteilt. Er hatte Polizisten vorgemacht, Graffiti zu sprayen, tatsächlich aber Kältespray benutzt. Außerdem hatte er sich selbst als Polizist ausgegeben, um Passanten zu veralbern. 2018 entschied das Amtsgericht Hamburg, dass er 25 000 Euro zahlen muss. Er selbst berichtete von einem Einbruch der Werbeeinnahmen auf seinem Kanal.

Also, liebe Prank-Youtuber, ihr müsst euch kein Vorbild an Frank Elstner nehmen, denn wenn wir ehrlich sind, war die Sendung sehr langweilig. Bringt uns zum Lachen, prankt die ganze Welt, aber übertreibt bitte nicht. Dann verstehen wir auch wieder Spaß.

nsp